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13.08.2008

Die andere Moderne

Pierre-Laurent Aimard, Die andere Moderne

Neben aller Theorie war Olivier Messiaen vor allem ein neugieriger Mensch. Er war ein Künstler, der am Verstand die Möglichkeit schätzte, die Beobachtung zu schärfen und im Wechselspiel von Reflexion und Wahrnehmung sein musikalisches Modell modifizierte. Damit unterschied er sich deutlich von den Denkern der seriellen Musik (und zwischenzeitlichen Schülern) wie Karlheinz Stockhausen, die hinter den Systemen des Verstehens noch immer das Gesamtkunstwerk vermuteten und gab sich bescheiden, dezent und humorvoll. Im Dezember dieses Jahres wäre Olivier Messiaen 100 Jahre alt geworden. Der französischer Pianist Pierre-Laurent Aimard nimmt das Jubiläum zum Anlass, um dem Vordenker der anderen Moderne mit einem Klavierprogramm zu gratulieren.

Olivier Messiaen war ausgebildeter Organist. Paul Dukas hatte dem jungen Mann aus Avignon den musikalischen Weg gewiesen und er selbst fand zunächst in der Kirche La Trinité in Paris eine Arbeit, die seinem Bedürfnis nach Musik und Spiritualität in gleicher Weise entgegen kam. Da wundert weder seine Affinität zu Tasteninstrumenten, noch sein Engagement in musikalischen Gruppen wie "Jeune France", die von Mitte der 1930 Jahre an Musik im Unterschied zum distanzierten Ästhetizismus aus deren Bekenntnischarakter heraus definierte. Messiaens Kunst hatte Kraft und seine Person eine faszinierende Ausstrahlung, eine Kombination, die ihm von 1941 an als Lehrer am Pariser Konservatorium zu einer Art natürlicher Autorität verhalf, die manchem Jungspund von Stockhausen über Boulez bis Xenakis des Weg wies. Vor allem aber schaffte er es, sich eine besondere Achtung von dem Werk der Natur zu erhalten, die in vielfacher Hinsicht in seinen Kompositionen reflektiert wurde. Für den Pianisten Pierre-Laurent Aimard, längst selbst eine wichtige Persönlichkeit im internationalen Konzert- und Musikleben, hat Messiaen daher die Position eines künstlerischen Wegweisers, der weit über dessen unmittelbare historische Bedeutung hinausreicht.
 
Der Hintergrund der Aufnahmen der "Homage to Messiaen" ist daher ein umfassender. "Visionär durchschreitet der Komponist ein Jahrhundert als großer Einzelgänger, der uns einlädt, unsere musikalischen Hörgewohnheiten zu überprüfen", meint Aimard in seinen Erläuterungen zu dem Klavier-Solo-Album. "Der Mensch Messiaen besaß im Grunde seines Herzens die Zartheit und Zurückhaltung mancher seiner 'Préludes'. Er hatte die Fähigkeit zu staunen und zu hören, die sein 'Catalogue d'oiseaux' erkennen lässt. Und er verfügte über die geistige Neugier und den Ordnungssinn, die seine 'Études de rythme' offenbaren. Ich hoffe, dass diese Hommage in Form eines Portraits uns nicht nur diesen großen Schöpfer musikalischer Zeit und Farbe näher bringt, sondern auch den rätselhaften, genialen Menschen dahinter". Die Aufnahmen der "Homage" jedenfalls wurden im vergangenen Februar in Wien im Großen Saal des Konzerthauses festgehalten und Aimard wählte dafür drei pointierte Beispiele aus Messiaens Oeuvre aus.


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