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24.08.2011

Biografie 2010/2011

PJ Harvey - Biografie Nov 2010 

The Last Living Rose  

Um ihr neues Album "Let England Shake" aufzunehmen, suchte sich PJ Harvey einen ganz besonderen Ort: Es verschlug sie in die Grafschaft Dorset im Südwesten Englands. Genau genommen war es eine Kirche aus dem 19. Jahrhundert, von deren Spitze aus man das Meer überblicken kann, in der sie gemeinsam mit vielen anderen tollen Musikern an der Platte arbeitete. Mit von der Partie waren auch die langjährigen Weggefährten Flood, John Parrish und Mick Harvey. „Let England Shake“ ist das achte PJ Harvey Album, der Nachfolger des umjubelten 2007er Werks „White Calk” und dem Gemeinschafts-Album „A Woman A Man Walked By” von Harvey/Parish.

Das sind erstmal die Fakten. Aber das wirklich Bemerkenswerte an „Let England Shake” hängt unweigerlich mit der Musik, der Atmosphäre und im Besonderen mit der verwendeten Sprache zusammen. Die letzten Arbeiten PJ Harveys reflektierten direkt  emotionale, innere Erlebnisse, doch auf diesem Album stehen andere Dinge im Vordergrund. Die Songs beschäftigen sich sowohl mit ihrem Heimatland, als auch mit anderen, weiter entfernten Ereignissen.
Das große und schwere Thema Krieg wird in den Texten immer wieder aufgegriffen. Sie thematisiert die Angst der Soldaten und singt über Ereignisse, die verschiedenste Generationen betreffen: vom aktuellen Krieg in Afghanistan bis zur Schlacht von Gallipoli während des Ersten Weltkrieges. Das Album versucht gar nicht erst, ein Protestalbum zu sein, es ist auch kein die Politik kritisierendes Manifest.
PJ Harveys Fähigkeit, eine ganz eigene mystische Stimmung zu schaffen, ist wieder beeindruckend. Aber es sind vor allem ihre Texte, die eine neue, atemberaubende Qualität erreichen und die menschliche Seite der Geschichte in den Vordergrund stellen. Kurz: Nicht viele Leute nehmen Platten wie diese auf.

„Ich habe mich viel mehr außerhalb meiner Persönlichkeit umgeschaut,” erzählte sie  Andrew Marr im Programm der BBC. „Ich glaube, mein bisheriges künstlerisches Schaffen war geprägt von emotionalen Dingen, die in einem passieren. Und dieses Mal habe ich einfach heraus geschaut. Das Album schaut sich nicht nur in England um, sondern wirft ein Auge auf die Welt und aktuelle Konflikte. Ich beobachte und erzähle über diese Dinge immer aus einer menschlichen Sichtweise. Ich bin nicht die Richtige, um ein politischen Statement zu singen. Ich singe als Mensch, den Politik so wie jeden anderen etwas angeht und der von ihr betroffen ist. Das ist für mich die bessere Herangehensweise als die der klassischen Protest-Musik.“

Das Album beginnt direkt mit dem Titelsong und den Worten: „The West’s asleep. Let England shake / weighted down with silent dead.” Manche Arrangements und Melodien des Albums erinnern an traditionelle Musik vergangener Jahrhunderte, gleichzeitig  steuern sie auch in eine neue Richtung. Einen eindeutigen Einfluss zu bestimmen, ist fast unmöglich. Die Texte deuten auf Englands Zeit des Post-Imperialismus hin, die geprägt war von Gedanken an all die unglücklichen Soldaten, die an die Front gehen mussten. Solche Themen werden in den Songs „The Words That Maketh Murder”, „All And Everyone” und „Hanging In The Wire” wieder aufgegriffen. Aber es gibt noch weit mehr -  dieses brillant poetische Bild Englands: Ein altes Land mit langer und ereignisreicher Geschichte, die Teil der Herzen und Gedanken aller ist, die in England leben. Einer der Songs heißt schlicht „England” und verdeutlicht diesen Punkt: „I live and die / through England. / It leaves / sadness. / It leaves a taste, / a bitter one.”

“Let England Shake” beschwört den aufgewühlten und beunruhigten Geist des Jahres 2010, aber es erinnert uns auch an Zeiten und Plätze, die in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind. Die Musik klingt beeindruckend kräftig und hat diese emotionale Kraft verinnerlicht. Fast zwei Dekaden nach ihrer ersten Platte beweist PJ Harvey einmal mehr, dass sie sich weigert, stehen zu bleiben. Ihr kreatives Selbstbewusstsein befindet sich zurecht auf dem Höhepunkt. Man begibt sich nicht Gefahr, einer Lüge überführt zu werden, wenn man behauptet: So ein Album habt ihr noch nie zuvor gehört.

 


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