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12.08.2005

Vive la Révolution!

Plácido Domingo, Vive la Révolution!

Manch einer hatte es nicht glauben können. Als im Jahr 1789 die von der Aristokratie geknechteten französischen Bauern und Bürger im Namen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf die Barrikaden gingen, glaubte manch ein Baron noch an einen schlechten Witz. Als sich die alten Herren jedoch bald darauf auf dem Schafott wieder fanden, mussten sie feststellen, das hier Kräfte entfesselt worden waren, die neben hehren Idealen das Niederste im Menschen zum Vorschein brachten. Dieser Widerspruch von Befreiung und Terror bestimmt seitdem das Bild der Französischen Revolution und wurde zum Inhalt zahlreicher Romane und Theaterstücke. So auch in Umberto Giordanos Andrea Chénier, einer Paraderolle für große Tenöre, die Plácido Domingo in Wien mit der ihm eigenen Eleganz meisterte.

Für Umberto Giordano (1867 - 1948) war es eine schwere Zeit. Alles hatte großartig begonnen, als er 1888 mit seinem Opernerstling "Marina" bei dem Wettbewerb Concorso Sonzogno für Furore gesorgt hatte und im Anschluss daran von dem Verleger Edoardo Sonzogno mit regelmäßigem Salair unter Vertrag genommen wurde. Da sich jedoch in den folgenden Jahren keine wirklichen Erfolge einstellen wollten, änderte sich die Situation drastisch zu seinen Ungunsten. Der Mentor war im Begriff, seine Unterstützung zu streichen, als Giordano von einem Freund einen Stoff nahegebracht bekam, der ihn zu einer neuen Oper inspirierte. Es ging um eine frei adaptierte Geschichte des Dichters André Chénier, der erst als Befürworter der Revolution glühende Verse schmiedete, dann aber als einer der Skeptiker des Terrors von den Schergen Robbespierres zur Guillotine verurteilt wurde. Die Feder ging Giordano leicht von der Hand, bereits im Januar 1896 hatte er die Partitur fertig gestellt. Sein Verleger allerdings war wenig davon begeistert, denn er hielt das Stück mit seinen vielen Chören und komplexen Figuren für unaufführbar. Quasi in letzter Minute sprang ein prominenter Fürsprecher Giordanos in die Bresche, der seit seiner "Cavalleria Rusticana" zum Starkomponisten avancierte Pietro Mascagni, und riet dem zweifelnden Geschäftsmann zu. Sein Gespür für das in dem Stück schlummernde Potential sollte ihn nicht trügen. Als Andrea Chénier am 28. März 1896 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde, wurde sie als großartiger Wurf gefeiert und Giordano rückte vor in die Liga der hoch geschätzten Komponisten der italienischen Nation.

Dabei hatte er sich nur entfernt an die tatsächliche historische Gestalt gehalten. Giordanos Chénier trat zwar am Anfang als flammender Redner in einer Adelsrunde an, akkommodierte sich aber in den Akten 2 und 3 durchaus mit den revolutionären Machthabern, bis er schließlich durch die Liebe zur verkleideten Adelstochter Madeleine und den Verrat durch deren ehemaligen Kammerdiener Charles Gérard zum Feind der Revolutionäre wurde und gemeinsam mit seiner Angebeteten auf dem Richtplatz endete. Die große Herausforderung dieser Oper war dabei von Anfang an die Titelrolle, die nur dann wirklich zur Geltung kommt, wenn sie von einem herausragenden Tenor gesungen wird.

Anno 1981 war das an der Wiener Staatsoper der Fall, als Plácido Domingo für den Chénier gewonnen werden konnte. Es wurde eines seiner gefeierten Gastspiele, wie im ersten Akt sogar zwischen den Szenen umjubelt. An seiner Seite war Gabriela Benackova als Madeleine und Peiro Cappuccilli als Charles Gérard zu erleben. Die Inszenierung stammte von Theaterprofi Otto Schenk im Bühnenbild von Rolf Glittenberg, Chor und Orchester des Hauses leiteten Helmuth Froschauer und Nello Santi. Das ganze Spektakel stellte sich als derartiger Erfolg heraus, dass schließlich das Fernsehteam des ORF anrückte und noch im selben Jahr die Oper für den Bildschirm festhielt. So kommt es, dass dieser große Moment an der Wiener Staatsoper auf DVD veröffentlicht und nun wahlweise in PCM Stereo oder dem remasterten DTS / Dolby Digital 5.0 Surround Sound genossen werden kann.


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