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18.06.2008

Fest der Leidenschaft

Plácido Domingo, Fest der Leidenschaft

Spanien es für Plácido Domingo nicht nur eine Heimat. Es ist eine Leidenschaft, die sich in vielen kleinen Details tagtäglich manifestiert und die vor allem seine musikalische Welt entscheidend geprägt hat, von der Zarzuela seiner Mutter bis zum Flamenco, dem Kunst gewordenen Ausdruck der andalusischen Volksseele. Kein Wunder also, das sich der Meistertenor nun auch seinen musikalischen Wurzeln zuwendet. "Pasión española" ist ein Tribute an die Natürlichkeit und den Charme der Coplas, der Gesänge, die Domingo von Kindesbeinen an umgaben. Und es ist ein besonderes Album, dessen intimer Charme den Hörer mit wunderbaren Melodien umgarnt.

Plácido Domingo stammt aus Madrid. Geboren 1934 als Sohn einer Zarzuela-Sängerin, ist er von Kindesbeinen an von Musik umgeben und findet auf diese selbstverständliche Weise zu seiner künstlerischen Berufung. Im Jahr 1949 zieht seine Familie nach Mexico City. Am dortigen Konservatorium beginnt Domingo seine musikalische Laufbahn und studiert Klavier, Gesang und Dirigieren. So gibt er sein Bühnendebüt 1957 in Mexico City in einer spanischen Zarzuela-Aufführung, übrigens zunächst als Bariton. Da ihm die Lage ein wenig tief erscheint, wechselt er bald darauf zum Tenor und lässt sich unter anderem von Igor Markevitch weiter ausbilden. Das eigentliche Bühnendebüt als Tenor findet daher erst 1960 in Monterey als Alfredo in Verdis "La Traviata" statt. Das allerdings gestaltet Domingo derart eindrucksvoll, dass er bald darauf nach Dallas als Arturo in Donizettis "Lucia di Lammermoor" und Partner der großen Joan Sutherland eingeladen wird. Ein Startschuss mit Folgen, denn von da an geht es zügig voran, an die Met, die großen Opernhäuser dieser Welt, als einer der Drei Tenöre sogar in die Stadien.
 
So ist Domingo heute einer der berühmtesten Sänger seines Fachs und noch dazu einer, der sich mehr und mehr auf seine Wurzeln besinnt. "Pasión española" widmet sich daher einem besonderen Kapitel der spanischen Musikgeschichte, den coplas, die als volksmusikalisches Erbe bereits den jungen Sänger umgaben. Es sind melodramatische Lieder über die Liebe und den Alltag, über historische Ereignisse und Humorvolles, was den Menschen vor allem der 1930er Jahre widerfuhr. "Die copla", meint der Künstler selbst, "ist immer eine Geschichte, eine Geschichte von 3 oder 4 Minuten. Ich nenne sie eine 'Mini-Oper', deren Text und Musik die Menschen ergreifen soll. In der Geschichte muss man die Leidenschaft spüren, und man muss sie mit Temperament, Feuer und Verstand singen. Gehalt und Sinn der Worte sind sehr wichtig. Der argentinische Tango, der portugiesische fado, das mexikanische ranchera und die spanische copla ... ich bin Opernsänger, aber ich genieße all diese Genres, in denen der Gesang wichtig ist und die einen ausdrucksstarken Text haben, der dem Publikum mit einem besonderen Gefühl dargeboten werden muss".
 
Plácido Domingo steht dabei in einer lange Tradition. Viele große Komponisten haben sich in dieser kleinen Form engagiert, die Wurzeln reichen in die mittelalterliche Poesie, aber auch in die Folklore Andalusiens des 18. und 19,Jahrhunderts zurück. Dichter nahmen sich ihr an und sorgten dafür, dass die copla auf dem Weg in die Gegenwart vom ländlichen zu einem städtisch-urbanen Phänomen wurde, mit Live-Musik und Klängen aus dem radio, die eben bereits den kleinen Plácido umgaben. Und so konnte der Tenor aus der Fülle des Materials eine sehr persönliche Zusammenstellung gestaltet, die er mit der für ihn typischen, strahlend mitreißenden  Stimme anstimmt. Aufgenommen hat er diese musikalischen Miniaturmelodramen in seiner Heimatstadt mit dem Orquesta de la Comunidad de Madrid unter der Leitung von Miguel Roa und mit "Pasión española" ein Kabinettstück des Sentiments geschaffen, das den genialen Interpreten in faszinierend unmittelbarem Klangambiente präsentiert.


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