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18.07.2006

Biografie: Es ist wie es ist


"Es ist wie es ist"

In einer so erfolgreichen Band wie PUR verhält es sich ganz ähnlich wie in einer gut funktionierenden Familie: Ein optimales harmonisches Miteinander ist nur gegeben, wenn es gelegentlich etwas gesunde Distanz gibt. Hartmut Engler und seine vier Mitstreiter haben das beherzigt und nach dem letzten gemeinsamen Album respektive dem darauf folgenden Bühnenspektakel und Mammutunternehmen PUR klassisch eine kreative Pause eingelegt, in der jeder Musiker seine eigenen Wege ging, sowohl privater als auch professioneller Natur. Umso gewinnbringender gerieten die Aufnahmesessions für das neue Studiowerk "Es ist wie es ist". "Da haben wir sofort wieder gespürt, was wir aneinander haben", konstatiert der Frontmann, Leadsänger und Texter Hartmut Engler, "wenn man sich an einen gewissen Luxus gewöhnt hat, dann empfindet man den manchmal nicht mehr als solchen." Die Mischung aus Neugier und Vertrautheit, aus Spaß und Ernsthaftigkeit bildet denn auch die künstlerische Basis für das neue Werk von fünf Musikern, die sich menschlich wie musikalisch eng miteinander verbunden fühlen.

Grundlage für jedes Album von PUR ist auch das blinde Verständnis zwischen dem Komponisten und vielseitigen Keyboarder Ingo Reidl, dem Poplyriker und Sänger Hartmut Engler und Martin Ansel, dem kongenialen 6. Mann von PUR, welcher als Arrangeur, Produzent und Mitmusiker tätig ist. In dieser Kombination hat sich in all den Jahren des gemeinsamen Schaffens ein Autorenteam allererster Klasse entwickelt. Ergänzend sind Joe Crawford, Rudi Buttas und Roland Bless unverzichtbar, wenn es gilt, den musikalischen Rahmen von PUR zu vervollständigen. Zusammen harmonieren diese Musiker als eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Bands Deutschlands.
"Es ist wie es ist", das erste Studioalbum seit drei Jahren, haben PUR diesmal von Anfang bis Ende, von den ersten Entwürfen bis zu den finalen Arrangements, in heimischer Umgebung eingespielt. Ein glänzendes Heimspiel in vertrauter Umgebung und auch das mag sehr viel zu der intimen Nähe beigetragen haben, die die insgesamt vierzehn neuen Songs ausstrahlen. Im Frühjahr dieses Jahres war bereits die Benefizsingle "S.O.S." erschienen, mit der PUR als Schirmherren den Bau eines SOS Kinderdorfs in Nigeria tatkräftig unterstützt haben; auch die Einnahmen des Songs aus den Albumverkäufen werden diesem humanitären Anliegen zugeführt. Nach ihrer Reise vor Ort haben die Musiker von PUR für jeweils eines der Kinder die Patenschaft übernommen.

Die aktuelle Single "Weil Du bei mir bist" ist eines von drei sehr persönlichen Liebesliedern, die Hartmut Engler als bekennenden Romantiker und schlichtweg glücklichen Menschen zeigen, der es versteht, ganz ohne Pathos und Kitsch Herzensangelegenheiten in wahre Poesie zu kleiden. "Wunderschön", ein Loblied auf die Schönheit, bezieht sich auf den ersten Blick auf rein äußerliche Attribute, ist aber auch ein klares Statement, dass wahre Schönheit von Innen strahlt. "Bis der Morgen kommt" rundet diese lockere Trilogie mit einer sinnbetörenden und seelenvollen Ode an eine Liebesnacht ab - eine körperliche Pianoballade, die bei den Fans mit Sicherheit schnell in den Kanon der Kerzenlicht- und Kuschelhymnen aufgenommen werden wird. Im Überschwang der positiven Gefühle, die Hartmut Engler beim Schaffensprozess durchströmt haben, hat er sich auf drei weitere Gesten besonnen, in denen eine besondere Liebe zu Mitmenschen ihren Ausdruck findet: Das durch ein eindringliches Pianomotiv hervorstechende "Mit dir" ist ein Ingo Reidl gewidmetes Hohelied auf ihre langjährige Freundschaft und gemeinsame Arbeit, "Rolf rockt" eine mitreißende Hommage an einen verstorbenen Jugendfreund und einstigen Mitmusiker und "Danke" all jenen Fans gewidmet, die PUR über Jahrzehnte treu geblieben sind.

Während sich die Band musikalisch auf gewohnt hohem Niveau bewegt, hat Hartmut Engler auf dem neuen Album erkennbar ein ums andere Mal innegehalten und ist in sich gegangen. Dabei sind neben den zuvor genannten Songs auch Titel wie "Glauben" entstanden. "Woher kommt die Kraft, die für uns das Lebens- und das Liebenswerte schafft?", heißt es in dem Refrain in Anlehnung an ein berühmtes Zitat aus Goethes "Faust". PUR hatten schon immer ein feines Gespür für die Philosophie des Alltags, aber auch für menschliche Psychologie. Das findet seinen Ausdruck in einem potentiellen Stimmungsmacher wie "Der arme graue Kater", einer der ausgelassenen Songs des Albums, der mit Lust und Laune Rockgitarren à la Queen aufjaulen lässt. Dieses humorvolle und durchaus selbstironische Porträt eines in die Jahre gekommenen Aufreißers wäre vor einigen Jahren vielleicht noch nicht denkbar gewesen. PUR sind in vielerlei Hinsicht reifer und weiser geworden. Antworten auf alle Fragen finden sie deswegen noch lange nicht. Im Gegenteil: "Immer wieder", das dramatische Psychogramm einer vereinsamten Alkoholikerin, lässt viele Fragen des Warum und Weshalb offen. Und "Streiten" zeigt eher die gegenseitige Betroffenheit und den enormen Energieverlust einer unglücklichen, wenn nicht unheiligen Liaison auf.

Wie schicksalsergeben wir durch unser Leben gehen, wie wenig Einfluss wir auf bestimmte Dinge haben, die uns widerfahren, diesem Umstand spürt der Titelsong nach. "Es ist wie es ist" entstand, nachdem Hartmut Engler sich urplötzlich einer ernsten Stimmbanderkrankung ausgeliefert sah. Am Ende ist zwar alles glimpflich verlaufen und der Zukunft dieses Ausnahmesängers steht nichts mehr im Weg, nichtsdestotrotz darf dieser zentrale Song des Albums als Ansporn gesehen werden, aus jeder Lebenssituation das Beste herauszuholen und Schicksalsschlägen mit Optimismus zu begegnen. Zudem wartet "Es ist wie es ist" mit einem der komplexesten Arrangements in der Bandhistorie auf. Dass bei aller Ernsthaftigkeit auch mal die Zeit kommt, wo man einfach nur Party im Kopf hat und sich gehen lassen will, auch wenn der berühmt berüchtigte Morgen danach grausam ist, auch darüber haben PUR mit "Nächstes Mal" einen passenden Song im Programm.

Apropos gute Vorsätze, appellieren PUR zu guter Letzt mit dem zwingend swingenden "Streng Dich an" an all jene Zweckpessimisten und Miesmacher, die in unserem Land für notorisch schlechte Stimmung sorgen. Die Fußballweltmeisterschaft, von der kompletten Band mit Begeisterung verfolgt, hat schließlich gezeigt, dass es hierzulande auch ganz anders gehen kann. PUR halten für nichts und niemanden Patentrezepte parat, gehen aber in vielerlei Hinsicht mit gutem Beispiel voran. Ihr 25-jähriges Bandjubiläum hängt die Band erst gar nicht an die große Glocke, freut sich dafür umso mehr über ein rundum gelungenes Album, das so wie es ist verdammt gut ist. "Es ist wie es ist" fügt sich nahtlos in das schillernde Gesamtwerk einer Band, die immer wieder dann zur absoluten Hochform aufläuft, wenn sie bei den Konzerten von ihren Fans gefeiert wird. Bis zur Hallentournee im Herbst, die selbstverständlich wieder einige akustische und visuelle Überraschungen bereithalten wird, ist es ja nicht mehr lang hin.

Juli 2006


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