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02.10.2007

Traumstart

Rafal Blechacz, Traumstart

Die Musik von Frédéric Chopin ist noch immer ein Wagnis für jeden Pianisten. Denn sie ist trügerisch, deutet nahe liegende Emotionslagen an, die aber häufig nur der Ausgangspunkt für ein Verständnis sind, das weitaus tiefer geht, als das romantische Salonideal impliziert. In Chopin ist nahezu die komplette alterierte Harmonik des folgenden Jahrhunderts zugrunde gelegt, ebenso das Spektrum der dynamischen Differenzierung, der Ausdrucksnuancen, sogar vieles, was die Rhythmik bestimmen sollte. Mit anderen Worten: Chopin spielen gehört zum Schwersten, was überhaupt am Klavier möglich ist, so man denn den Anspruch hat, mehr als nur die Wiederholung des schon Gesagten zu bieten. Schon deshalb ist die Klassikwelt in Aufruhr, seitdem Rafał Blechacz die Bühne betreten hat. Denn der junge Pole erweist sich als überzeugender Individualist, der offenbar die Musik seines Landsmanns von innen heraus versteht.

Jerzy Zurawlew hatte einen Traum. Anno 1927 organisierte der polnischen Pädagoge und Pianist zum ersten Mal den Warschauer Chopin-Wettbewerb mit dem Ziel, zum einen das Andenken des zuweilen als Leichtgewicht diskreditierten Komponisten und Namensgebers zu pflegen, auf der anderen Seite nach jungen Talenten zu forschen, die dessen Musik würdig spielen konnten. Das Vorhaber erwies sich als Erfolg. Trotz kriegsbedingter Zwangspausen, trotz ideologischer Oppressionen durch die sozialistischen Bruderstaaten, hatte es der alle fünf Jahre stattfindende Warschauer Wettbewerb bereits nach wenigen Ausgaben geschafft, international als eine der wichtigsten Veranstaltungen ihrer Art zu gelten. Das lag an der Musik, die natürlich ihren Charme entwickelte und ihre Qualität bewies, aber auch an den enormen Entdeckungen, die durch die vergebenen Plätze den Sprung auf die internationalen Konzertbühnen schafften. 1955 zum Beispiel war Vladimir Ashkenazy gleich nach Adam Harasiewicz zu hören. Maurizio Pollini startete ein Jahrfünft später von Warschau aus seine Karriere und 1965 empfahl sich Martha Argerich durch den ersten Platz. Während der folgenden Ausgabe schaffte es Mitsuko Uchida auf Rang zwei, anno 1975 war Krystian Zimerman der strahlende Gewinner und erst unlängst mit Yundi Li (2000) ein Virtuose zu bewundern, der zu den wichtigsten jungen Kennern der pianistischen Chopin-Materie gehört. Welche Bedeutung der Wettbewerb hat, kann man auch daran ermessen, dass selbst der spektakuläre Ausschluss eines Kandidaten, wie 1980 im Fall des sehr spät angemeldeten Ivo Pogorelich, zum Sprungbrett für eine Karriere werden kann.


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So ist der Chopin-Wettbewerb immer für eine Überraschung gut. Und eine besondere hatte er während seiner jüngsten Ausgabe 2005 zu bieten. Denn da gewann der gerade 20jährige Rafał Blechacz nicht nur mit Bravour den ersten Platz. Zum ersten Mal überhaupt konnte ein Solist gleich vier Sonderpreise für sich verbuchen, für die beste Mazurka, die beste Polonaise, das beste Konzert und die beste Sonate. Außerdem wurde kein zweiter Platz vergeben, mit der Begründung, dass der nötige Abstand zu seinem Ausnahmetalent auch in der Preisvergabe sich ausdrücken müsse. Aber was ist so besonders an dem, was Rafał Blechacz spielt? Was faszinierte die Juroren und seitdem bereits zahlreiche Kritiker und Zuhörer seiner Konzerte? Es ist die Authentizität dieses Künstlers.  Rafał Blechacz spielt, als sei er der Komponist persönlich, als habe Frédéric Chopin seine Musik nur für diesen jungen Mann geschrieben. Die Intensität, die er darzustellen vermag, diese unglaubliche Dichte der Gefühle bei gleichzeitiger atemberaubender Spieltechnik ist singulär. Das transportiert sich selbst über das distanzierte Medium CD, mit dem Rafał Blechacz sich nun mit seiner Version der "24 Préludes op.28" vorstellt, einem Zyklus übrigens, der seiner Meinung nach zu einem der Zentren von Chopins Schaffen gehört: "[Die Préludes] verlieren nie ihre Faszination, in ihrer Vielfalt enthalten sie so viele unterschiedliche Ideen. Ich habe versucht, die Miniaturen von Opus 28 zu einer einzigen Einheit zu formen, die ihre eigene innere Spannung und Dramatik hat. Und die Nocturnes op.62 sind mir schon lange vertraut ... Mit diesen beiden Stücken war Chopin im Hinblick auf Harmonik und Klangfarbe seiner Zeit weit voraus". In dieser Hinsicht ähneln sich wiederum Komponist und Interpret. Denn auch Rafał Blechacz hat die meisten seiner Konkurrenten bereits mit seinem Debüt für die Deutsche Grammophon abgehängt.

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