Backstage
Ray Charles BACKSTAGE EXCLUSIV

Aktuelles Album

Facebook

News

17.06.2009

Ray Charles - Modern Sounds In Country And Western Music, Vols 1 & 2

Ray Charles, Ray Charles - Modern Sounds In Country And Western Music, Vols 1 & 2

Obwohl Ray Charles 1962 eine ganze Reihe von Leuten mit der Veröffentlichung seiner beiden “Modern Sounds In Country And Western Music”-Alben überraschte und schockierte, hatte sich seine Faszination für diese Sorte Musik nicht über Nacht entwickelt. Schon als Kind hatte er in Florida jeden Samstagabend gebannt vorm Radio gesessen, wenn die Country-Sendung “Grand Ole Opry” aus Nashville/Tennessee über den Äther ging. Als er fast volljährig war, spielte er einige Monate lang bei den Florida Playboys - einer Hillbilly-Band aus Tampa - Klavier. Bei den Proben für eines seiner ersten Atlantic-Alben hatte Charles bereits in den frühen 50er Jahren Bill Monroes “Kentucky Waltz” gespielt [die Aufnahme wurde erst später in der Rhino-Box “Pure Genius: The Complete Atlantic Recordings (1952-1959)” veröffentlicht]. Und eine seiner letzten Hit-Singles für Atlantic Records war 1959 eine Coverversion von Hank Snows “I’m Movin’ On” gewesen.

Insofern waren wirkliche Ray-Charles-Kenner 1962 schon längst mit dem etwas ungewöhnlichen Country- und Western-Faible des schwarzen Sängers und Pianisten vertraut. Die beiden “Modern Sounds In Country And Western Music”-Alben waren also nicht das Ergebnis eines Versuchs der Marketingabteilung seiner Plattenfirma, dem Künstler ein neues großes Publikum zu erschließen, sondern das letztendlich unvermeidliche Produkt von Brother Rays langer und aufrichtiger Leidenschaft für diese “weiße” Musik.

“Die Idee zu diesen Alben war ganz und gar auf seinem Mist gewachsen”, bestätigte einst David “Fathead” Newman, der Tenorsaxophonsolist dieser Aufnahmen. “Das war etwas, was er unbedingt machen wollte.” “Er wußte, was er wollte. Die Projekte waren immer seine eigene Kreation”, berichtete auch der 2006 gestorbene Sid Feller, der seinerzeit A&R-Direktor bei ABC-Paramount Records gewesen war.

Nachdem Ray Charles Ende 1959 zu ABC-Paramount Records gewechselt war, nahm er  thematische Alben auf: eines mit Songs über Reiseziele (“Genius Hits The Road”, 1960) und eines mit Frauennamen in den Titeln (“Dedicated To You”, 1961). Mit einer Country-Platte hatte er schon seit Jahren geliebäugelt. Nun setzte er dieses Vorhaben endlich in die Tat um. Was in der Szene allerdings für ein mittelschweres Beben sorgte, war, wie Ray die von ihm ausgewählten Country-Kamellen neu definierte. Seine soulgetränkte Stimme unterschied sich natürlich deutlich von denen der Country-Legenden Ernst Tubb und Webb Pierce. Auch zwischen dem Klang traditioneller Country-Fideln und den von Marty Paich arrangierten kosmopolitischen Streichern der beiden Ray-Charles-Alben lagen Welten. Und wenn Ray die mächtige Bläsersektion seiner kurz zuvor gegründeten (und von Gerald Wilson geleiteten) Bigband von der Leine ließ, lernten sogar diese Country-Evergreens das Swingen.

Mit den derart neu eingekleideten 24 Songs der beiden Alben konvertierte Ray Charles seine Fans gleich reihenweise zu begeisterten Country-Hörern. Auch danach machte er bei diesem Genre immer wieder mal Repertoireanleihen. So coverte er 1963 Johnny Cashs Hit “Busted” (und erhielt dafür einen Grammy) sowie in den Mittsechzigern Buck Buck Owens’ “Crying Time” und “Together Again”. Und wie stets interpretierte er diese Stücke mit seiner einzigartigen Stimme so, daß sie schlichtweg klangen, als wären sie eigens für ihn geschrieben worden.

“Er erzeugte mit seiner Stimme mehr Dinge als jeder andere Sänger, von dem ich in meinem Leben je gehört habe”, meinte Sid Feller einmal. “Genau diese Kreativität machte ihn in meinen Augen zu so einem Genie.” Und dieses Genie durchdrang auch die beiden “Modern Sounds In Country And Western Music”-Alben, die nun auf einer CD zusammen vorgelegt werden.

Mehr Informationen zu Ray Charles finden Sie auf seiner Künstlerseite.


KOMMENTARE

Kommentar speichern