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23.04.2004

In der Ruhe liegt die Kraft

Rebekka Bakken, In der Ruhe liegt die Kraft

Die Jazz-Sängerin Rebekka Bakken erhält den JazzAward.

 

Sie musste irgendwann einmal da raus. Aus dem kleinen norwegischen Nest Lier, das 40 Autominuten von Oslo entfernt liegt. Und 1995 war sie bereit für den ganz großen Sprung. Mit Sack und Pack machte sie sich nach New York auf, wo sie immerhin acht Jahre blieb. Seit 2003 hat das alte Europa Rebekka Bakken wieder, lebt sie heute in Wien.

"Wien ist eine sehr schöne Stadt, sehr angenehm und sehr still und ruhig, selbst wenn es gleichzeitig eine große Stadt ist." Für Rebekka Bakken ist die österreichische Hauptstadt daher zurzeit fast wie ein Paradies. In das kann sie sich dann immer wieder zurückziehen, kann sie sich sammeln und ihre Batterien wieder aufladen. Denn seit 2003 ticken die Uhren für Rebekka Bakken endgültig neu und anders. Seitdem sie mit "The Art Of How To Fall" ihr erstes Solo-Album herausgebracht hat, ist sie mehr als nur das norwegische Fräulein Jazz-Wunder, dem man auch optisch schnell erliegen kann.

 

Ihr Debüt mit den 11 Songs hat sich zur regelrechten Jazz-Droge entwickelt - dank Bakkens verführerischer Stimme, mit der sie ihre selbst komponierten Jazz-Standards zum Balsam für die Ohren und die Seele gemacht hat. Und das eben mit jenem Erfolg, der sich für sie nicht nur in überall ausverkauften Konzerten auszahlt. Jetzt verleiht ihr der Deutsche Phonoverband für ihre in kürzester Zeit zum Bestseller gewordene CD "The Art Of How To Fall" den begehrten JazzAward, der in der Jazz-Branche als Goldene Schallplatte gilt. Solche Ehrungen machen Rebekka Bakken natürlich immens stolz. Schließlich hat sie lange genug an ihrem Durchbruch gearbeitet, ohne jemals ihre Karriere per Rechenschieber geplant zu haben. "Ich ging nach New York, um dort Musik zu machen.", blickt sie zurück. "Und bekam einen Schock, weil mich niemand anrief, um mich zu einem großen Star zu machen. Also wanderte ich durch die Stadt und putzte fünfmal täglich meine Wohnung. Bis ich merkte, dass ich etwas dafür tun muss, wenn ich etwas in meinem Leben will." So begann plötzlich nun die Komponistin und Texterin Rebekka Bakken aufzublühen. "Ich schrieb, weil es mir Spaß machte. Nicht, weil ich es anderen zeigen oder vorlesen wollte, sondern nur, weil ich mich und meine Gedanken schreibend "erforschen" wollte", sagt sie. "Es ist so, dass ich mich dem Song zur Verfügung stelle, mich ihm öffne. Ich forciere nichts, lasse es einfach geschehen. Die Dinge kommen zu mir, und ich singe sie."

 

Und so war es nur noch eine Frage der Zeit, wann jemand auf diese Jazz-Chanteuse hellhörig werden sollte. Zuerst war es in New York der österreichische Jazz-Gitarrist Wolfgang Muthspiel, der von ihr nicht mehr loskam und sofort die beiden Duo-Alben "Daily Mirror" und "Beloved" aufnahm. Ähnlich fasziniert war auch die Berliner Pianistin Julia Hülsmann von diesem vokalen Juwel Rebekka Bakken, als sie ihr zum ersten Mal in New York begegnete: "Sie fing an zu singen und nach zwei Minuten bin ich fast umgekippt. Ich habe gleich zu einem Freund gesagt: Für die muss ich etwas schreiben." Heraus kam das gemeinsame Trio-Album "Scattering Poems". Und in Bakken war die die Gewissheit gereift, dass sie fortan mit ihrer mühelos drei Oktaven bewältigenden Stimme Fenster aufreißen kann, um faszinierende und einzigartige Ausblicke in ihre Welt des Jazz-Songs zu ermöglichen. Es sind diese wärmenden Melodien, diese melancholischen Swing-Anleihen und ihr facettenreicher Sprechgesang, mit denen sie ihre Balladen zu einer aufregenden Gartwanderung zwischen Jazz und Pop macht. Und das mit einem Edel-Quintett feat. Eivind Aarset & Dieter Ilg, das ihr alle Gedanken, Sehnsüchte und Wünsche von der Stimme abliest. "Immerhin ist das Album ein gutes Abbild meiner Selbst im Hier und Jetzt. Wenn ich nicht in mir selbst ruhe, fühle ich mich unwohl - ich strebe dann zu diesem Pol zurück." Dass Rebekka Bakken mit "The Art Of How To Fall" genau diesen Pol gefunden hat, ist schlicht unüberhörbar.


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