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15.11.2006

Rundum bezaubernd

René Pape, Rundum bezaubernd

Über die "Zauberflöte" ist im Laufe der Jahrhunderte viel gerätselt worden. Hat Mozart sie als vordergründiges Komödienspiel konstruiert, bei dem zwei Männer über verschiedene Umwege zu den idealen Frauen finden? Oder war es doch eher ein verschlüsseltes Freimaurer-Epos, das die Werte des geheimen Bundes unter die Leute bringen wollte? Was versteckt sich hinter den Figuren des Sarastro und der Königin der Nacht, hinter dem tugendhafte, aber ein wenig farblosen Tamino und dem naiven, aber offenbar glücklichen Papageno? Die Ergebnisse der Forscher sind verschieden, fest steht allerdings: die "Zauberflöte" ist nicht nur eine der populärsten, sondern auch eine der raffiniertesten Opern der Musikgeschichte. Und so muss man sie mit viel Elan und Ideen angehen, um nach mehr als 200 Jahren Bühnenerfolg noch neue Facetten der Interpretation zu präsentieren. Im Rahmen des Salzburger "M22"-Projektes ist ein solcher Kunstgriff gelungen. Denn die Inszenierung aus Amsterdam, die der Intendant Peter Ruzicka ins Große Festspielhaus geladen hatte, umfasste alles, was man sich für eine zeitgemäße Umsetzung wünschen konnte: künstlerischen Ernst und darstellerischen Witz, pfiffige Bühnen- und Konstümideen und ein ausgezeichnetes Ensemble.

Mozart kannte Emanuel Schikaneder bereits aus den Jahren, bevor dieser sich in Wien niedergelassen hatte. Damals war der Kulturnomade Leiter eines Wandertheaters, das sich vor allem durch spektakuläre Inszenierungen mit allerlei Klamauk einen Namen gemacht hatte. Daraufhin jedoch war er in Wien sesshaft geworden und die Stadt hatte es ihm gestattet, vor ihren Toren eine eigene Spielstätte, das Freihaustheater auf der Wieden, einzurichten. Dort hatte Schickaneder bereits zwei Opern Mozarts in deutscher Sprache unter die Leute gebracht, die "Entführung aus dem Serail" und den "Don Giovanni". Für die "Zauberflöte" nun entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit von Komponist und Librettist resp. Theaterdirektor, wobei das Libretto durchaus den Vorstellungen des unterhaltungsfreudigen Wiens entsprach. Da gab es Zaubergestalten und Helden, Exotismus und Leidenschaft, Schwank und Läuterung, aber auch eine einfache Ethik nach dem Schema 'Gut besiegt Böse durch Tugend'. Das wiederum passte auch zur der auf Toleranz und Humanität basierenden Geisteshaltung der Bruderschaft der Freimaurer, zu der sich Mozart zählte. So waren die Voraussetzungen gut, dass aus dem guten Stück ein Hit werden konnte. Die Uraufführung der "Zauberflöte" fand am 30. September 1791 statt. Tatsächlich wurde die Oper zunächst mit verhaltener, dann mit wachsender Begeisterung aufgenommen und entwickelte sich zu einem Stück clever verpackter musikalischer Aufklärung in Form eines "allumfassenden Welttheaters", vollgepackt mit Melodien, die den Zuhörern nicht mehr aus dem Sinn gingen.

Das ist bis heute so geblieben. Auch jemand, der kaum etwas mit Oper zu tun hat, ist in der Lage, den "Vogelfänger" zu erkennen und wohlmöglich nachzusingen. Die "Zauberflöte" steckt voller Hits und das macht es um so schwieriger, sie zeitgemäß umzusetzen. Die Inszenierung von Pierre Audi aus Amsterdam stützte sich daher auf zwei Pfeiler: zum einen auf eine möglichst klare Personenführung und Charakteristik, um die Stringenz der Geschichte nicht zu gefährden, auf der anderen Seite aber auf die Kraft des Bühnenbildes des Künstler Karel Appel und des Kostümbildners Jorge Jara, denen es gelang eine ausgewogenen Mischung aus Pop und Abstraktion, Oberfläche und Hintersinn zu entwerfen. Kritik und Publikum jubilierten, zumal mit Christian Gerhaher (Papageno), Genia Kühmeier (Pamina), Paul Groves (Tamino), Diana Damrau (Königin der Nacht), René Pape (Sarastro), Irena Bespalovaite (Papagena) und den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Riccardo Muti ein hervorragendes Team zur Verfügung stand, um die künstlerischen Ideen musikalisch und szenisch perfekt umzusetzen. Eine grandiose Aufführung, die nun in opulentem Surround-Sound (wahlweise PCM Stereo) und unter der erfahrenen Bild-Regie von Brian Large als Referenz auf einer Doppel-DVD vorliegt.


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