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07.10.2009

Renée Fleming: Die perfekte Marschallin

Renée Fleming, Renée Fleming: Die perfekte Marschallin © Andrea Kremper

Eigentlich wollte Richard Strauss eine Oper inspiriert von Casanovas Memoiren schreiben. Aber sein Librettist, der Bühnenautor Hugo von Hofmannsthal, kam damit einfach nicht voran. Stattdessen hatte jener die Idee für einen Plot, der im Wien Maria Theresias spielen sollte und nebenbei eine ganze Reihe von Freiräumen für kompositorische Ideen eröffnete. Strauss ließ sich überzeugen und so entstand um 1910 seine bekannteste Oper „Der Rosenkavalier“. Sie wurde international zum Dauerbrenner der großen Bühnen und hat weiterhin das Potential, die Menschen zu Begeisterungsstürmen hinzureißen – insbesondere dann, wenn Stars wie die Sopranistin Renée Fleming und der Dirigent Christian Thielemann an einer Umsetzung beteiligt sind, die nun nach den Erfolgen auf der Bühne auch auf DVD zu erleben ist.

Es war eine Art von Rückkehr zum Traditionellen. Mit „Salome“ und „Elektra“ hatte Richard Strauss die Grenzen des Musiktheaters neu definiert, mit dem „Rosenkavalier“ jedoch wandte er sich wieder einer mozartesken, ganz und gar unwagnerianischen Ausdrucksform einer heiteren Oper zu. Unterstützt von seinem kongenialen Librettisten Hugo von Hofmannsthal gestaltete er ein Intrigenspiel mit neobarocker Oberfläche, das allerdings in seinen tieferen Aussagen durchaus auf dem philosophischen Stand seiner Zeit war. Trotzdem war der „Rosenkavalier“, der am 26. Januar 1911 in Dresden uraufgeführt wurde, Ausgangspunkt für zahlreiche ablehnende Äußerungen bis hin zu Otto Klemperers Diktum, der die Musik abschätzig als „Zuckerwasser“ bezeichnete. Dabei übersahen sie Kritiker geflissentlich, dass genau darin die eigentliche Provokation bestand. Strauss und Hofmannsthal hatten die Handlung in das Wien von 1740 zurückversetzt.

Im Zentrum stand der junge Graf Octavian, der von seinen Leidenschaften getrieben von der Affäre mit der erfahrenen Feldmarschallin in die Liebe zur jungen Sophie stolpert, der aber nach üblichem Procedere zahlreiche gesellschaftliche Grenzen im Wege stehen. Letztlich wird sie nur möglich, weil sich zum einen ein Teil der Beteiligten – der Graf Ochs und seine Entourage – als intrigante und erbschleicherische Aristokratenrunde herausstellt und auf der anderen Seite die Feldmarschallin in Reflexion der Vergänglichkeit ihrer Schönheit den jungen Liebhaber in die neue Liaison entlässt. So gibt es zwar ein Happy End, aber doch eines, das erst durch eine Reihe von Regelbrüchen ermöglicht wird. Das war Fin de Siècle pur, das Alte, nicht mehr wirklich Funktionierende an der Grenze zum Neuen, von dem noch keiner weiß, wie es denn aussehen könnte. Hugo von Hofmannsthals schrieb ein unterhaltsames Lustspiel der Intrigen und Richard Strauß schuf eine erstaunliche Musik, die er mit Querverweisen auf die vergangenen zwei Jahrhunderte versah.

Obwohl sie an manchen Stellen operettenhaft zu erscheinen vermag, bliebt sie im Kern eine flirrende, energiegeladene Kontrastfolie zum vermeintlich burlesk-galanten Bühnengeschehen. Sie ist daher eine Herausforderung für einen Dirigenten wie Christian Thielemann, der sie der drohenden Klischeehaftigkeit entreißen und ihre tatsächliche Kraft in der Vordergrund stellen will, ebenso wie für Solisten wie die Sopranistin Renée Fleming, die als Feldmarschallin brillant mit den Attitüden des Aristokratischen spielt. In der Inszenierung, die Herbert Wernicke ursprünglich 1995 für Salzburg entwickelt hatte und die nun rasant mit famosen Solisten wieder aufgenommen wurde, mimt und singt sie eine brillante über den Dingen stehende Frau, die Baron Ochs (Franz Hawlata) und Octavian (Sophie Koch) letztlich in der Hand hat. Aufgenommen wurde die gefeierte Aufführung, bei der auch Star-Tenor Jonas Kaufmann in einer Nebenrolle zu erleben ist, im Januar 2009 im Festspielhaus in Baden-Baden nach dem neuesten Stand der Technik von dem Opernfilm-Spezialisten Brian Large und dessen Team, so dass dieser soeben erschienene „Rosenkavalier“ im DTS 5.1 Surround-Sound zum großen Opernerlebnis im eigenen Wohnzimmer wird.

Weitere Informationen über Renée Fleming erhalten Sie auf der Künstlerporträtseite der Sopranistin bei KlassikAkzente.


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