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13.11.2011

Die Beethoven Gesamteinspielung von Riccardo Chailly und dem Gewandhausorchester Leipzig

Mit dem vorliegenden Beethoven-Zyklus setzen Riccardo Chailly und das Leipziger Gewandhausorchester Maßstäbe in der zeitgenössischen Beethoven-Interpretation.

Riccardo Chailly, Die Beethoven Gesamteinspielung von Riccardo Chailly und dem Gewandhausorchester Leipzig © Decca / Mat Hennek

Riccardo Chailly, seit sechs Jahren Chef des Leipziger Gewandhausorchesters, steht in der Ahnenfolge berühmter Amtsvorgänger, deren Namen sich wie ein Who-Is-Who der Dirigentenhistorie ausnehmen: Felix Mendelssohn, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler, Bruno Walter und Kurt Masur haben die musikalische Seele der Leipziger geprägt. Zudem kann sich kein anderes Haus rühmen, bereits zu Lebzeiten Ludwig van Beethovens den gesamten Zyklus der Symphonien des Meisters zur Aufführung gebracht zu haben. Seither hat hier jeder Dirigent einen eigenen Zyklus erarbeitet. „Gewandhauskapellmeister zu sein“, bedeutet für Chailly „Teil dieser grandiosen Tradition zu werden.” Der Sache des Symphonikers Beethoven in ihrer Gesamtheit auf den Grund zu gehen, ist für ihn ein Vermächtnis. Und die Antwort auf die Frage nach der musikalischen Relevanz dieses Leipziger Zyklus' fällt eindeutig aus.

Gefährlich leben mit Beethoven

Die Beethoven-Vision des 18. Gewandhauskapellmeisters fordert Hörgewohnheiten heraus. Denn in Bezug auf Temponahme und Agogik sind die freimütige Entschärfung halsbrecherisch anmutender Tempovorgaben Beethovens und der im Notentext oft nicht vorgesehene Einsatz effektvoller Temporücknahmeverläufe heute weit verbreitet. Riccardo Chailly dagegen verzichtet im Finale der 6. Symphonie auf den cremigen Bombast der hier üblich gewordenen raumgreifenden Rallentandos, denn die „Pastorale“ symbolisiere doch den Triumph der Einfachheit, des Unprätentiösen. Und ebenso schlüssig beharrt sein erster Satz der 5. Symphonie, gleichsam als Ausdruck der Unausweichlichkeit des Schicksals, auf einer unnachgiebigen Beibehaltung des Tempos. Im Finale der 8. treibt Chailly seine Musiker zu Rekordleistungen an. Schneller dürfte dieses „Allegro vivace“ bisher von keinem modernen Symphonieorchester gespielt worden sein. Dass es hier in so staunenswerter Artikuliertheit gelungen ist, entspricht ganz der künstlerischen Vision des Komponisten, nimmt man nur die Herausforderung seiner Metronomangaben an, so Chailly. Beethoven sei es immer um eine Erweiterung der Grenzen des Machbaren gegangen. Der Gewandhauschef verweist auf ein Wort John Eliot Gardiners, der 1994 einen wegweisenden Beethoven-Zyklus vorgelegt hatte: Die Aufführung eines Beethoven-Werks bedeute für einen Musiker stets, gefährlich zu leben.

Höhepunkt der Zusammenarbeit von Decca und Riccardo Chailly

In der exklusiven Zusammenarbeit von Decca und Riccardo Chailly stellt der vorliegende Beethoven-Zyklus zweifellos den bisherigen Höhepunkt dar. Dem Umstand angemessen liegt das Ergebnis nun in einer opulent aufgemachten Box vor, die fünf CDs und ein 80-seitiges Begleitheft enthält. Zusätzlich zu den in einem Aufnahmezeitraum von drei Jahren im Großen Saal des Leipziger Gewandhauses live mitgeschnittenen Symphonien enthält das Paket acht Overtüren. Und auch live kann man diesen Beethoven-Zyklus erleben. Am 6.10. beginnt die Aufführung der neun Symphonien in Leipzig. Danach begibt sich das Orchester auf Europa-Tournee mit Stationen im Wiener Musikverein, dem Pariser Salle Pleyel und im Londoner Barbican. Sie haben also die Gelegenheit, die Summe von 30 Jahren der Beschäftigung Riccardo Chaillys mit Beethoven und das Ergebnis von 200 Jahren der Beschäftigung des Gewandhausorchesters mit dessen Musik auf CD und im Konzertsaal zu erleben.


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