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04.11.2009

Musikalischer Seelenbalsam

Rickie Lee Jones, Musikalischer Seelenbalsam © Greg Allen

Die amerikanische Sängerin und Songschreiberin Rickie Lee Jones meldet sich immer nur dann mit einem neuen Album zu Wort, wenn sie ihrem Publikum etwas Neues mitzuteilen hat. In den dreißig Jahren ihrer Karriere tat sie das bislang nur dreizehn Mal. Nun veröffentlicht sie mit "Balm in Gilead" bei Fantasy Records ihr vierzehntes Album, das eine außergewöhnliche Kollektion von sehr emotionalen, ausdrucksvollen und liebenswerten Songs ist, von denen viele in den beiden letzten Jahrzehnten in ihr herangereift sind.

"Diese Platte ist einzigartig, weil ich den Großteil der Songs im Laufe der letzten zwanzig Jahre geschrieben habe", erzählt Rickie Lee Jones. "Bei all meinen anderen Alben schrieb ich das Material immer in den ein, zwei oder drei Jahren, die zwischen der Veröffentlichung zweier Alben verstrichen. Es gibt auf dem Album zwar auch ein paar kürzlich geschriebene Songs, aber viele hatte ich bereits vor Jahren begonnen und erst jetzt fertiggestellt. Beispielsweise 'Wild Girl': mit dem Lied, das nun von meiner Tochter erzählt, hatte ich schon vor 'Flying Cowboys' [dieses Album erschien 1989] begonnen. Und es wartete all die Jahre bis jetzt darauf, endlich beendet zu werden. In meinen Augen ähnelt 'Balm in Gilead' einem Debütalbum. Denn eigentlich nimmt man sich nur für sein erstes Album die Zeit, jahrelang an einem Song zu basteln."

Die Songs von "Balm In Gilead" reflektieren das Lebenswerk einer Künstlerin, die innerhalb des Singer/Songwriter-Genres eine ganz eigene Nische gefunden hat - so wie vielleicht nur noch Joni Mitchell. Zum Gelingen dieses fabelhaften neuen Albums trugen auch ein paar ganz besondere Gäste bei: Ben Harper, Jon Brion, Vic Chesnutt, Bill Frisell, Victoria Williams und Alison Krauss.

"Noch in ihren dunkelsten Momenten wirken diese Songs wie reines Balsam für die Seele", meint Rickie Lee Jones. "Sie geben einem das Gefühl: Wenn es eine Sonne gibt, dann werde ich sie aufgehen sehen." Die Musik ist erfreulich optimistisch und die Songs sind schmeicheln sich dem Hörer um einiges leichter ins Ohr, als es die etwas zu anspruchsvollen Stücke der letzten Alben taten. Obgleich jedes Album von Rickie Lee Jones anders klingt, gibt es auf allen doch eine Konstante: die unverfälschte Emotionalität und stets ausdrucksvolle Stimme der Sängerin. Allerdings wirkt ihre Stimme hier besser und klarer als zuvor, vielleicht sogar besser und klarer denn je.

Zu den reizvollsten Nummern des Albums gehört sicherlich der mit Rhythm'n'Blues-Elementen durchwirkte Opener "Wild Girl", der die alte Rickie Lee Jones, die 1979 mit "Chuck E.'s In Love" schlagartig die Szene eroberte, zurückzubringen scheint - nur ein wenig älter und weiser. In "The Gospel Of Carlos, Norman And Smith" nimmt die Sängerin die Rassismus, Ungleichbehandlung der verschiedenen Rassen in der Gesellschaft und die damit verbundenen tiefgreifenden Probleme aufs Korn. Das im Duett mit Ben Harper vorgetragene fast schon gospelige "Old Enough" mit seinen unwiderstehlichen Bläserriffs ist auch wieder ein geradezu klassischer Rickie-Lee-Jones-Song, während die nostalgisch-jazzige Ballade "The Moon Is Made Of Gold" klingt, als wäre sie bei einer Session von Django Reinhardt mit Madeleine Peyroux entstanden. Tatsächlich wurde das Stück aber von Jones' Vater Richard für Rickie Lee und ihre Geschwister geschrieben, als diese noch Kinder waren. Weitere Highlights sind das herzerweichende "Bonfires", das herrlich atmosphärische "His Jeweled Floor" (bei dem Rickie Lee Jones alle Instrumente außer Baß und Akkordeon selber spielt) und die prachtvolle Instrumentalnummer "The Blue Ghazel", die Rickie Lee Jones von ihrer verspielten und abenteuerlustigen Seite zeigt.

Besuchen Sie auch die Künstlerseite von Rickie Lee Jones auf JazzEcho.


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