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27.04.2012

Die Gefühle des Sängers – Roberto Alagnas „Pasión“

Roberto Alagna, Die Gefühle des Sängers © Felix Broede

Kuba, Mexiko, Argentinien – das sind Länder großer Melodien. Denn dort sind über die Jahrhunderte hinweg Klangwelten aufeinander getroffen, die sich zu neuen, eingängigen Traditionen verbunden haben. „All diese Lieder sagen uns spontan etwas. Es sind Lieder, die ich schon seit langer, langer Zeit kenne“, meint Roberto Alagna und schwärmt von seinem Projekt „Pasión“, das ihn von einer neuen Seite präsentiert.

Hits und Herzensdinge

Zum Beispiel „Bésame Mucho“. Offiziell stammt diese weltbekannte Liebeslied von der mexikanischen Komponistin Consuelo Velázquez, die es 1941 zu Papier gebracht haben soll. Allerdings bezog sie sich bereits auf eine Melodie ihres katalanischen Kollegen Enrique Granados und so handelte es sich um eine Art panatlantische Imagination des schönsten Augenblicks des Lebens, die der Legende nach der Komponistin vor allem so in den Sinn kam, weil sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie geküsst worden war. Jedenfalls avancierte „Bésame mucho“ in der Version der Sängerin Chela Campos schnell zu einem Hit im mexikanischen Radio, wurde daraufhin von den amerikanischen Nachbarn entdeckt, von Swing- und Show-Orchestern gecovert und selbst von Jazzmusikern ins Repertoire genommen. Seitdem gehört die molltrunkene Weise zu den Lieblingsliedern der Verliebten in aller Welt.

Mehr als Tango

Carlos Gardel gehört zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten des 20.Jahrhunderts. Für viele zählt er zu den Gründungsvätern des modernen Tangos, für andere ist er schlicht einer der größten Sänger, den Südamerika in den 1920er Jahren hervorgebracht hatte. Tatsächlich war Gardel bereits ein Weltstar, als er 1935 bei einer Flugzeugkarambolage in Kolumbien verunglückte und hinterließ viele beeindruckende Lieder, die bis heute die Interpreten herausfordern. Sein musikalischer Einfluss ging weit über Argentinien und Uruguay hinaus, reichte bis Kuba und Paris und seine melodramatisch und zugleich pfiffige Art zu singen, prägte den Gesangsstil vieler nachfolgender Kollegen.

Roberto Alagnas Wahl


Und so stand der französisch-italienische Star-Tenor Roberto Alagna angesichts des vielfarbigen Repertoires süd- und mittelamerikanischer Lieder vor dem Problem, was er denn für sein Album „Pasión“ weglassen solle. Schließlich gibt es von Kuba bis Argentinien und Uruguay derart viel Famoses zu entdecken, dass man damit eine ganze Box füllen konnte. Letztlich entschied er sich aber für die Lieder, die ihm selbst zu Herzen gehen, für Tangos und Boleros und großartige Melodien wie eben „Bésame mucho“, „El día que me quieras“, „Quizás, quizás, quizás“ oder auch „Cielito lindo“, das übrigens schon einmal als mexikanische Hymne bei Großereignissen wie dem FIFA World Cup gespielt wurde und sogar zum Repertoire von Luciano Pavarotti gehörte.

Die Leidenschaft im Populären

Dabei fasziniert Roberto Alagna vor allem die immense Kraft, die von populären Melodien jenseits des engen Opernrepertoires ausgehen kann. Damit knüpft er zum einen an frühere Programme wie „Sicilien“ oder „C’est magnifique! Roberto Alagna sings Luis Mariano“ an, geht aber auf der anderen Seite auch noch einen Schritt weiter. „Mit diesen Liedern ist alles im richtigen Rhythmus. Für jedes muss man die passende Klangumgebung finden, die zum Publikum spricht, während sie die Gefühle mitteilen. Dafür braucht man keine Stimme, die zu schwer und zu kraftvoll ist. Sie muss vielmehr wie ein wandelbares Instrument klingen. Sonst verändert man die Natur der Stile und verliert die Intimität“, erläutert der Künstler die besondere Herausforderung von „Pasión“. Für ihn jedenfalls ist es die Gelegenheit, viel mehr zu zeigen, als nur einen brillanten Rodolfo oder Cavaradossi. Denn es geht um ihn selbst, um seine eigenen Emotionen als einer der wichtigsten Sänger seiner Generation, die er unabhängig von den großen Partien der Operngeschichte dem Publikum mitgibt.


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