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18.03.2005

Der Musketier

Heutzutage hätte sich der Mann auf den Tisch eines Chirurgen begeben und die Nase einfach abschneiden lassen. Aber im Frankreich des 17. Jahrhunderts waren solche Schönheitskorrekturen noch nicht gefahrlos möglich und so musste Cyrano de Bergerac leiden und glücklos zugrunde gehen, nur weil es die Natur mit ihm besonders gut gemeint hatte. Und so wurden Geschichten über den traurigen Musketier ersonnen, an der sich Startenöre wie Roberto Alagna bewähren können.

Manchmal ist das Schicksal ungerecht. Anstatt alle Menschen mit gleichen Qualitäten zu bedenken, schenkt es dem einen eine schöne Gestalt, aber ein schlichtes Gemüt, dem anderen wiederum einen hässlichen Zinken im Gesicht, doch reichlich Talent im Dichten und im Fechten. Mit dieser von Edmond Rostand erdachten Grundkonstellation musste der Librettist Henri Cain nicht weit ausholen, als ihn Franco Alfano um eine Textvorlage für eine Oper bat. Er vereinfachte die Handlung ein wenig, konturierte das Männer-Duo Cyrano und Christian kontrastreich um die Liebe zur schönen Roxane und ließ zur Abwechslung mal nicht die Hauptdarstellerin, sondern die beiden Männer sterben. Drum herum gruppierte er viele bunte Details, Festessen und Fechtkämpfe, Menschentrubel und Schlachtfeldgetümmel und so hatte das bereits Mussolini-geprägte Italien seine Freunde daran, als 1936 in Rom die Oper uraufgeführt wurde. Da es Alfano nicht nur gelang, mühelos an den Historismus der Vorbilder aus dem vorangegangenen Jahrhundert anzuschließen, sondern er darüber hinaus das Werk mit einer effektvollen Kombination von Pathos und eingängigen Melodien versah, gehört Cyrano de Bergerac noch immer zu den beliebten Bühnenstoffen großer Schauspielhäuser. Im französischen Montpellier zum Beispiel wagte man sich im Juli 2003 an eine pompöse, kostümfreudige Inszenierung und verpflichtete einen Star der Opernszene für die Hauptrolle. Denn den mal feinsinnigen, mal ungestümen Degenhelden sang und spielte Roberto Alagna, einer der gefragtesten Tenöre der Generation nach Pavarotti.

Und er machte seine Sache gut, so gut, dass Lévon Sayan beschloss, die Aufführungen durch eine Opern-DVD zu verewigen. Die Aufnahmen entstanden im Sommer 2003, brachten neben Alagna auch ausgezeichnete Kollegen des Ensembles wie Richard Troxell (Christian) und Nathalie Manfrino (Roxane) auf die Bühne, die vom Orchestra National de Montpellier unter der Leitung von Marco Guidarini und dem Chor des Hauses eindrucksvoll gerahmt wurden. Wie begnadet der in Frankreich als Sohn sizilianischer Eltern geborene Tenor gerade das Repertoire des 19. Jahrhunderts umzusetzen versteht, wird auch auf einer zweiten DVD deutlich, mit der die Deutsche Grammophon Alagna vorstellt. Denn Live In Paris präsentiert ihn in klassischem Programm-Ambiente als Charmeur und Connaisseur, der mit faszinierender Präsenz große Arien der Operngeschichte darbietet. Der Abend führt ihn von Mozart über Rossini, Donizetti, Puccini und Leoncavallo bis hin zu Massenet und Bizet und ruft viele wunderbare Melodien in Erinnerung, die Alagna zusammen mit Anton Guadagno und dem Orchestre des Concerts Lamoureux anstimmt. Die Aufnahmen entstanden im Januar 2001 im Salle Gaveau und sind ein Ohrenschmaus für alle, die die alte Schule des gefühlvollen, melodiösen und unterhaltsamen Gesangs der italienischen Operntradition bevorzugen.


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