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Liveauftritte 2010
Die Ruhepause ist vorbei. Bald erscheinen Single sowie Album und ab sofort stehen zwei neue Termine für Liveauftritte 2010 fest:
18.03.10 Hamburg, Grüner Jäger
19.03.10 Berlin, Roter Salon
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Endlich ist es soweit, Roman Fischer geht mit seinem von der Kritik umjubelten selbstbetitelten Album im Oktober auf Deutschlandtour. Die neue CD ist das Tagebuch einer Befreiung geworden, das vier Jahre Arbeit bündelt, aber nicht nach vier Jahren klingt. Es ist das Album eines Musikers, der seinen eigenen Weg geht und sich nicht mehr davon einschränken lässt, was andere von ihm denken könnten.
Endlich steht auch Roman Fischers selbstbetiteltes Album in den Läden. Seine tollen Melodien und Beats liegen irgendwo zwischen Indie und Elektro - ohne aber dabei den großen Popmoment aus den Augen zu lassen. Zum Beispiel die Single "Into Your Head", die unbedingt auf die Tanzfläche gehört. In unserem Album Player kannst du jedes Stück der Platte probehören. Dafür bitte hier entlang!
Kurz vor der Veröffentlichung seines dritten, selbstbetitelten Albums "Roman Fischer" durfte ich den Ex-Augsburger als Gast der zweiten Bier- und Beerenprobe begrüßen und in ein Gespräch über Berlin-Exil sowie bislang ungeknüpfte Familienbande verwickeln. Zur musikalischen Untermalung sei dem getreuen Leser die als Hit geborene Vorab-Single "Into your head" empfohlen, die sich hoffentlich noch gegen den musikalischen Winterschlaf der WM-Songs behaupten wird.
"Von den vier Jahren, die du deinem neuen Album gegönnt hast, lebst du gut zwei Jahre in Berlin. Ist das jetzt eine bayrisch-preußische Co-Produktion?"
"Angefangen habe ich tatsächlich noch in Augsburg, aber seit ich hier bin, ist es noch etwas verwickelter: Für die Aufnahmen bin ich nach Schweden gefahren und habe dort auch meinen ersten Winter verbracht. Zur Abhärtung, weil ja immer alle vor dem Berliner Winter warnen. Den fand ich dann gar nicht so schlimm im Vergleich zu Stockholm, wo der Winter echt eine Katastrophe ist."
"Schade, da hätte ich noch ein Schwedisches Bier besorgen sollen. Stattdessen haben wir hier ein Kölsch. Weil es farblich so schön in diese blau gehaltene Bier-Auswahl gepasst hat. Es hat auch noch einen WM-Kronenkorken."
"Ja, da bin ich natürlich neugierig drauf. Die anderen beiden kenne ich ja schon."
Wir starten unsere Probe also mit Gaffel-Kölsch. Nicht ohne zu goutieren, dass auch das Schälchen mit dem blauen Kornblumenzucker sehr gut mit den Bier-Etiketten harmoniert.
"Ja…. schmeckt gar nicht so schlecht, das Bier mit dem schrecklichen Namen. Das klingt irgendwie bayrisch: Gaffel. Wie Graffel."
"Wie was?"
"Graffel bedeutet so was wie Zeug, Müll, Trash. Kennst du das gar nicht?"
"Nö. Vermutlich kennen die Gaffel-Leute in Köln das auch nicht… Aber dass du als geborener Bayer einem Kölsch von vorneweg eine Chance einräumst, ist schon mal generös, denke ich.”
"Sagen wir: unparteiisch."
Wir verlagern den Bier-Vergleich für einen kurzen Moment auf die Etiketten und stellen fest, dass bayrische Biere oft mit Mönchen und religiösen Personen in Verbindung stehen, Berliner Biere dagegen eher mit Soldaten und Königen. Ein Phänomen, an dessen Deutung sich andere abmühen mögen. Wir wenden uns hingegen Romans bereits üppiger musikalischer Vergangenheit zu:
"Nach einem Album mit 17 und einem mit 21 Jahren ist deine neue Platte ja die erste, bei der man nicht auf dein unglaublich junges Alter hinweisen wird."
"Oh, ja. Stimmt. Schön, dass du mich daran erinnerst, dass das jetzt vorbei ist."
"Wie gern spielst du noch Lieder von deinem ersten Album?"
"Live spielen wir aktuell so ein, zwei Stücke. So direkt danach war’s mir vielleicht mal ein bisschen unangenehm, die erste Platte zu spielen. Aber dann habe ich mir das angehört und es toll gefunden, weil sie genau das ausdrückt, was ich damals war. Im Nachhinein sehnt man sich eher zurück danach, wie leichtfüßig man war und was für eine lebhafte Bildsprache man hatte, weil so etwas echt verloren geht über die Zeit."
"Hast du es mal als Problem wahrgenommen, so sehr jung zu sein? Ich meine, hast du bemerkt, dass dir manche Leute deine Songs nicht so abnehmen wollten wie jemanden, der einige Jahre älter ist? Du schreibst ja schon melancholisch-nachdenkliche, auch mal ins Trübsinnige gehende Texte."
"Aus meiner Perspektive hat mir mein Alter eher Vorteile und Komplimente eingebracht, als dass es negativ aufgenommen worden wäre. Obwohl es vermutlich beide Seiten gegeben hat. Ein bisschen verwirrt hat mich nur dieses Wort “Indie-Posterboy”. Der Begriff war mir vorher nie geläufig."
"Stimmt. Den habe ich auch direkt in der Google-Liste entdeckt. Vermutlich gibt es den Begriff ohnehin nur in Zusammenhang mit dir. Du bist übrigens mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die berühmteste Person ohne Wikipedia-Eintrag."
"Wirklich? Das wusste ich gar nicht. Ist ja traurig."
"Ich dachte, das sei ‘ne Art von Luxus."
"Ja, ja. Da steht natürlich ein Plan hinter."
"Mit dem Nachnamen Fischer ist es googlemäßig ja eine ziemliche Herausforderung, sich durchzusetzen!?"
"Nun, unter "Roman Fischer" bin ich gut zu finden. Obwohl es ja auch den Fischer-Verlag gibt, der Romane herausbringt. Da steht dann immer Roman Fischer drauf."
"Großartig. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Aber auch in der Musik gibt es ja ein paar Fischers: Gotthilf Fischer…"
"Oh, ja. Letztens kam mal eine Frau zu mir, die ganz fasziniert war von dem Gedanken, ich könnte mit Tim Fischer verwandt sein."
"Mit welchem anderen Fischer wärst du denn gerne verwandt? Joschka Fischer?"
"Hä! …ich trink’ noch was."
Es geht zurück zu den Wurzeln: Das bayrische Bier wird zur Degustation in Glas Nr. 2 ausgeschenkt. Als Preuße bin ich etwas überrumpelt:
"Pöh. Ich finde, das schmeckt jetzt total… unerwartet?!"
"Neutraler als das erste. Ich mag das ja, wenn etwas nur seinen Zweck erfüllt, so: Alkohol ist drin, aber man merkt es gar nicht. Es ist halt eher harmlos. Das hätte ich jetzt auch nicht erwartet."
"Wir sollten nicht allzu viel Negatives über bayrisches Bier sagen. Du hast ja noch Familie dort? Sonst müssen wir dich womöglich tatsächlich von einem anderen Fischer adoptieren lassen."
"Wer wäre da noch im Angebot?"
"Naja. Vielleicht dieser Schachweltmeister, der dann etwas abgedriftet und nach Island verschwunden ist. Bobby Fischer. Ich glaube aber, der ist tot."
"Aha. Muss ich auf jeden Fall mal später nachschlagen."
"Oder Klaus Fischer. Der Miro Klose der 80er. Hat Fallrückzieher gemacht."
"Kenne ich gar nicht. Mag daran liegen, dass ich erst ’85 geboren bin?!"
"Dann würde das mit dem Sohn aber gut passen…!"
"Eigentlich fällt mir niemand ein, mit dem ich gerne verwandt wäre."
"Apropos: Dein Album hat in mir viele Erinnerungen an alte Helden wachgerufen. Vielleicht empfinde ich das aber nur so und du bist gar nicht mit jedem von mir hineingedeuten Einfluss einverstanden?"
"Ah, du hast die Platte schon gehört?"
"Ja, natürlich, hab’ ich sehr genossen. Ich fand das lustig."
"Lustig? Das freut mich. Wie meinst du das?"
"Lustig im Sinne von Freude daran haben, Dinge wiederzuerkennen und Erinnerungen aufblitzen zu lassen. Bei "Out of control" habe ich zum Beispiel an Elliott Smith gedacht."
"Na, Elliott Smith finde ich schon mal super."
Das bleibt mein einziger Treffer. Aber jeder möge in dieser Hinsicht das Album "Roman Fischer" für sich selbst erkunden. Dabei trifft man erstmalig auch auf ein paar deutsche Liedzeilen.
"Das war für mich eigentlich immer ein absolutes No-Go, Deutsch und Englisch zu vermischen. Jedes Mal, wenn ich "All night all day" höre, kommt der Moment, da denke ich: Krass, dass du das gemacht hast! Es war erst mehr so ein Spaß, aber am Schluss fand ich es enorm wichtig, dass das Stück mit auf die Platte kommt. Weil es mich daran erinnert, dass man sich nicht fortwährend in Tiefe beweisen muss, dass es auch dieses Trash-Moment geben darf, in dem man sich ausprobiert und voll über die Zwölf schlägt. Wir hatten einfach einen riesigen Spaß bei dem Stück."
"Das erklärt, dass der deutsche Text so klingt, als wenn du Mühe hättest, einen englischen Akzent zu unterdrücken?"
"Ja, eben. Die hatte ich in dem Moment wohl auch."
Wir wechseln das Thema und das Geschirr. Und probieren die Beeren. Mit drei Zuckersorten. Was mich auf meine gastgeberischen Lücken aufmerksam macht:
"Warte, ich hole mal Servietten! Deine Vorgänger waren mit dem Zucker eher die Tunker. Du bist wohl eher ein Streuer."
"Aha? Sehr interessant. Was sagt das wohl verhaltenstheoretisch aus? Ich spiele mit meinem Essen herum und bilde Straßen… Aber sehr lecker übrigens!"
"Oh, das freut den Koch! Ich war sehr gespannt auf diesen Kornblumenzucker. Nicht, dass man je Kornblumen im Zucker vermisst hätte, aber der schmeckt wirklich hübsch nach Zuckerwatte."
"Ja, auch optisch ist das schon mal klar der Sieger!"
"Und wie sieht’s bei den Beeren aus?"
"Ich finde die Stachelbeeren extrem gut, aber die roten Johannisbeeren sind meine Favourites. Weil mit dem Zucker hier – ist das schon sehr, sehr gut!"
Fehlt noch das Bier-Urteil. Und die letzte Probe: Potsdamer Rex Pils.
"Das ist fein. Aber ich muss sagen, eindeutige Entscheidung: Das Erste fand ich am Besten, das Zweite auf dem dritten Platz, das Dritte auf den Zweiten."
"Also wird das Kölsch zum Sieger gekürt? Von einem Bayer, der in Berlin wohnt? Ich stimme da mit dir überein – ist nur die Frage, ob wir das so veröffentlichen sollten… Ihr geht ohnehin jetzt auf Tour?"
"Das wird noch so bis August/September dauern wegen der Sommermonate und weil die Clubs wohl nicht eher aufmachen werden, nur weil ich ein neues Album veröffentlicht habe und Konzerte geben möchte. Aber das wird zum ersten Mal so eine richtige Mammuttour."
"Wo liegt für dich die Grenze? Fünf Wochen Tour am Stück – oder wär’ dir das zu viel?"
"Ich bin selber mal gespannt. Es ist ehrlich gesagt, seit ich in Berlin bin, das erste Mal in meinem Leben so, dass ich immer auch ein Stück weit Heimweh hab’, wenn ich unterwegs bin. Ich hab’ hier jetzt wirklich ein Zuhause und das fehlt mir dann auch. Das finde ich aber auch total schön."
"Na, und wenn die Veranstalter dieses Interview lesen, wird man dich vielleicht regelmäßig mit Kölsch und Johannisbeeren in Kornblumenzucker überraschen?!"
"Ja. Muss aber nicht sein."
Ab sofort kann wieder abgestimmt werden: In dieser Woche ist auch Roman Fischer mit seinem Song "Not For Everyone" als Neuvorstellung in den Campus Charts vertreten. Unterstütze ihn jetzt mit deiner Stimme!
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