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18.07.2008

Rosenstolz - Das große Leben

Manche nennen es Sabbatical, andere Auszeit oder einfach nur Pause – für Rosenstolz war das vergangene Jahr lebensnotwendig. Nach 13 Jahren Musik ohne Unterbrechung, nach dem unglaublichen Erfolg von ›Herz‹ und der noch unglaublicheren Tour danach, die überhaupt kein Ende nahm, weil so viele Menschen Rosenstolz sehen wollten, nach zig Interviews und TV-Shows und noch mehr Interviews und Anfragen und Wünschen und Begeisterung und Sprachlosigkeit über all die Energie und und und... musste einfach Ruhe sein. Denn irgendwann begreift man das alles nicht mehr und muss dringend auf den Boden und in das eigene Leben zurück.

Deswegen also Rückzug. Ein Jahr lang zumindest. Raus aus allem, weg von der Bühne, rein ins Leben, fallen lassen, abstürzen und genießen. AnNa und Peter mussten sich verabschieden, um sich wieder neu zu finden. Aber jetzt be-
ginnt es von vorn, das große Leben, das einzigartig und viel zu kostbar ist, um es zu verschwenden.

Und es begann ziemlich langsam. Wie das meistens so ist, wenn man Zeit hat, über die Dinge nachzudenken. Wenn man genießt und hinterfragt. Wenn man die Leere nach dem Rausch durchwandert. Wenn man mal nicht nach vorne
drängen will, ohne nach hinten schauen zu dürfen. Ausgeruht? Oder doch eher bedacht, reflektiert? Satt? Auf keinen Fall. Da ist doch noch was. Da sind Melodien, da sind Wörter, Sätze, Bilder... ›Das bin ich. Ich bin jetzt. Ich bin hier. Ich bin ich. Das allein ist meine Schuld.‹

›Ich glaube, das ist unser privatestes Album‹, sagt Peter Plate. ›Denn in diesem Jahr konnten wir zu uns selbst zurückfinden und dann mit den neuen Liedern das erste Mal formulieren, was so wichtig ist und doch so schwer fällt – zu sagen: Ich liebe mich selbst. Mit allen Zweifeln.‹

Rosenstolz sind musikgewordene Lebenshilfe. Das waren sie schon immer und doch noch nie so souverän und kultiviert wie auf DAS GROSSE LEBEN. Niemand sonst bohrt so hartnäckig am Gefühlsnerv, niemand sonst führt so schonungslos Lebens-Tagebuch, niemand sonst hebt dich mit einem Lied so sehr auf, wenn du am Boden bist – ohne Hintergedanken, einfach so.

Und jetzt, nach einer langen Zeit der Besinnung, scheuen sie sich auch nicht, ihre Tiefen einzugestehen. Aus Schmerz erwacht Mut. Und davon haben sie den Menschen eine Menge zu geben. ›Gehör ich hier denn noch dazu, oder bin ich
längst schon draußen... Bin doch gestern erst geborn, und seit kurzem kann ich gehn, hab mein Gleichgewicht verlorn, und kann trotzdem gerade stehn!‹ Sie schreiben diese Zeilen aus der tiefsten Melancholie heraus. Selbstzweifel
in der Zeit, wo sie wieder ganz sie selbst sein dürfen, sich selbst als Mensch im Spiegel sehen und sich ihrer eigene Schwächen schmerzhaft bewusst werden.

›Wir hätten eigentlich glücklich sein können – mit den vielen Erfolgen im Rücken. Aber plötzlich fühlten wir uns ganz nackt, klein und so unendlich verletzlich. Plötzlich haben wir alles in Frage gestellt. Aber die Antwort fanden wir in uns
selbst: Wir sind, was wir sind und wer wir sind. Und dafür stehen wir!‹

›Sich selbst in Frage stellen, sich selbst nicht mehr zu lieben, sich zu vernachlässigen oder von der Liebe einfach vergessen oder gar ausgelacht zu werden... Wir haben all das gefühlt, es hat in uns gebrannt. Wir therapieren uns selbst, indem wir so viel von uns preisgeben. Sätze wie ›Ich hatte schon immer Schwierigkeiten mit dem Leben, ich hatte schon immer Schwierigkeiten das auch zuzugeben‹ hätten wir sonst nicht schreiben können.‹

Auch deshalb wird ›Anders als geplant‹ zu einem Schlüsselsong für DAS GROSSE LEBEN. Ein Lied über Freundschaft, über das Miteinander, das Füreinander da sein: ›Lass nicht los. Ich halte dir deine Hand. Lass nicht los.‹
Denn es gibt die Angst. Natürlich gibt es sie. Aber: da ist jemand, der hat die gleiche Angst wie du. Und auf einmal ist die Angst nur noch halb so groß. ›Wieso war ich traurig‹ fragt AnNa mit der letzten Zeile von ›Anders als geplant‹.
Musikgewordene Lebenshilfe, so einfach und so schön kann das sein.

DAS GROSSE LEBEN klingt wieder ganz nach Rosenstolz. Und das ist nach einem Doppelplatin-Album wie ›Herz‹ so verdammt schwer – sich zu entwickeln und zugleich sich wiederzufinden. Da sind die unwiderstehlichen Melodien, da sind Zeilen zum Mitsingen und doch ist diese Musik anders, ist neu. Alles ist akustisch, analog, richtig elegant aufgenommen. Und reduziert, sparsam, weil jedes Element so sein soll, wie es ist. Und weil es stimmig ist.

›Wir wollten irgendwie wieder ganz zurück zur Ursprünglichkeit und haben deshalb alles ganz altmodisch auf Bändern aufgenommen. Das knarrt vielleicht manchmal oder rauscht, aber es ist so warm und echt, wie wir uns unsere Musik
immer gewünscht haben. Die Musiker haben alles parallel eingespielt und AnNa dazu gesungen, um eine Live-Atmosphäre zu schaffen. Fast wie bei einem Konzert also. Es war so intensiv, dass wir emotional völlig außer Rand und Band gerieten. Und da war es uns auch plötzlich egal, dass die Texte so privat geworden sind, dass wir uns so tief in die Seele blicken lassen. Wir haben keine Angst, uns so zu zeigen, wie wir sind – mit allen Abgründen, die in uns stecken.‹

Da hört man ein wenig den Einfluß des modernen französischen Chansons. Und ›...unseren 1, 2, 3, 4-Sound‹, wie Peter das ganz besondere Rosenstolz-Pop-Gespür nennt. Und man hört die Band. Und dann spürt man schon fast das Klatschen, die Spannung, die Atmosphäre eines Live-Konzertes. DAS GROSSE LEBEN schreit nach Bühne.

Rosenstolz sind zum richtigen Zeitpunkt wieder da. Sie feiern ihr 15-jähriges Jubiläum. Und wie so oft haben sie mit ihrem Sein und ihrem Tun vorweggenommen, was dieses Land und seine Menschen erst allmählich zu leben beginnen.

DAS GROSSE LEBEN BEGINNT JETZT!
Und so nah am Leben waren Rosenstolz noch nie.

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