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10.09.2015

Der Himmel über Paris – Rufus Wainwright veröffentlicht eine Studio-Einspielung seines gefeierten Operndebüts Prima Donna

Was 2009 für ausverkaufte Häuser und stehende Ovationen in London, New York und Madrid sorgte, erscheint nun als Studio-Album: "Prima Donna" von Rufus Wainwright.

Rufus Wainwright, Der Himmel über Paris – Rufus Wainwright veröffentlicht eine Studio-Einspielung seines gefeierten Operndebüts Prima Donna © George Scott

2009 brachte der Indie-Popstar Rufus Wainwright mit "Prima Donna"seine erste Oper auf die Bühne. Nach der Premiere in Manchester erhielt der Zweiakter auch in London, New York, Toronto und Madrid stürmischen Applaus. Gesponsert von 2000 Fans, über die Musik-Plattform Pledge Music, hat Wainwright nun mit dem BBC Symphony Orchestra und Solisten eine Studio-Aufnahme von "Prima Donna" realisiert. Sie erscheint auf CD, digital und als Stream.

Jahrelang nahm Wainwright Anlauf zu diesem Projekt

Natürlich ist "Prima Donna" keine Rockoper wie "Tommy" oder "Quadrophenia"! Im Gegenteil: Die meisten seiner seit den 1990ern geschriebenen Songs wären der lange Warm-Up für dieses Melodram gewesen, betonte Wainwright, laut New York Times, immer wieder in jüngeren Interviews. Das klingt enorm – ist aber glaubwürdig. Nehmen wir die  grandiose Sentimentalität, den coolen Cabaret-Kitsch seines erfolgreichsten Albums Release "The Stars". 2007 nahm es den Tonfall einer Rufus-Oper vorweg, verneigte sich vor Verdi, Strauss und Wagner.

Kanadischer Folkpop-Aristokrat im Reiche der Oper

Seit siebzehn Jahren spielt der eigenwillige, brillante, pompöse Singer-Songwriter nach eigenen Regeln und entzieht sich jeder Kategorisierung. Auf sieben Studio-Alben hat er unnachahmlich den Glamour Hollywoods mit Indie-Pop und opernhaftem Drama kombiniert. Seine stilistischen Brückenschläge haben den Spross des Wainwright-Garrigle-Clans zum Konsens-Künstler und Liebling der Medien gemacht, er wurde für einen Grammy und einen Brit-Award nominiert. Wainwrights wundervolle Wandlungsfähigkeit zeigen seine Kollaborationen mit so unterschiedlichen Pop- und Rock-Größen  wie den Pet Shop Boys und Shirley Bassey, Elton John, Antony, Joni Mitchell, Lou Reed, Boy George, Mark Ronson und Robbie Williams.

Mit "Prima Donna" griff der damals 36-Jährige aber erst nach den Sternen, nach der sicher ehrgeizigsten musikalischen Ausdrucksform, die es gibt. Alles spricht dafür, dass Wainwright dieses Projekt aus purer Leidenschaft in die Hände nahm, es ist eine Oper über die Oper, eine Ode ans Genre, das er seit Teenagerzeiten anbetet.

Maria Callas lieferte die Vorlage zur Protagonistin von Prima Donna

Wainwright bekam die Idee zu dem Stück, als er Interviews mit der späten Maria Callas anschaute. Das französischsprachige Libretto (Co-Autorin: Bernadette Colelomine) handelt von einer alternden Opernsängerin, es hebt auf dramatischen Opernthemen wie Verlust und Eifersucht ab, malt schwärmerische Bilder.

Entsprechend verneigt sich die Musik, eingespielt vom BBC Symphony Orchestra unter Leitung Jayce Ogrens, unüberhörbar vor der romantischen Oper des (späten) 19. Jahrhunderts, lässt die Klangwelt Puccinis und Massenets aufleben. Im ersten Akt erklingt eine Arie aus Gaetano Donizettis Oper Rosmonda d'Inghilterra (die eng mit der Handlung verknüpft ist), gegen Ende scheinen ganz klar Madama Butterfly und der Rosenkavalier hindurch. Indes spannt Wainwright den stilistischen Rahmen bis ins frühe 20. Jahrhundert, stellenweise erinnert "Prima Donna" an Poulenc und Weill. Die Anspielungen seien "keinesfalls billige Klischees, sondern, meisterhaft in die Musik hinein gewoben", urteilte das Opernfachblatt Rhinegold.co.uk. Wainwright habe "ein Liebeslied an die Oper geschrieben, durchtränkt von den Stilen des goldenen Opernzeitalters", schrieb die Times. Als "entwaffnend schön" bezeichnete die New York Times das Werk.

Prima Donna knüpft an Wainwrights bisherige Musik an

Auch wenn sich Wainwright hier der Oper mit Wucht in die Arme wirft, so verleiht er Prima Donna dennoch seine Identität. Am stärksten zeigt dies die letzte Arie des Opus, wo die Hauptdarstellerin Regine (gesungen von der britischen Sopranistin Janis Kelly) auf ihrem Balkon stehend und ein Feuerwerk am Himmel über Paris anschauend akzeptiert, dass ihr großes, sehnlich erhofftes Comeback nicht mehr stattfinden wird. Die träumerisch vor sich hintänzelnde Melodie der Arie, mit ihrer behutsam-schlichten, repetitiven, dann pathetisch anschwellenden Orchestrierung – sie könnten direkt aus einem seiner Songs sein. Und so schafft es Wainwright, der seit drei Jahren kein Studio-Album mehr veröffentlicht hat (auch wenn er eigenen Angaben nach der Pop-Welt keinesfalls entsagen möchte), sich selbst im großen Genre-Sprung treu zu bleiben. Seine zweite Oper ist bereits in Auftrag gegeben und soll 2018 Premiere haben. 


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