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06.07.2016

ScHoolboy Q, "Blank Face LP", 2016

Der in Wiesbaden geborene und in L.A. aufgewachsene Rapper ScHoolboy Q gilt, zusammen mit seinem Black-Hippy-Kollegen Kendrick Lamar, längst als Speerspitze der neuen Hip-Hop-Generation. Gründe dafür gibt’s viele: In seinen intelligenten Raps schimmern sowohl die eigene Vergangenheit als Schulüberflieger, als auch seine Erfahrungen als Teil der Crips durch, knallharte East-Coast-Einflüsse treffen auf hautnah erlebte West-Coast-Anekdoten, etablierte Gäste (z.B. Pharrell, Raekwon) treffen auf die Next Generation des Hip-Hop und den lässigen Flow eines 29-Jährigen – kein Wunder also, dass sein letztes Album „Oxymoron“ (2014) sogar für einen Grammy nominiert wurde. Am 8. Juli meldet er sich mit seinem vierten Album zurück.

Natürlich darf bei ScHoolboy Q auch eine Twitter-Klarstellung nicht ohne großes H auskommen: „Sorry for tHe delay but album drops...“ am 8. Juli 2016, wie es im Tweet des Rappers hieß. Obwohl es noch immer keinen Titel gibt, wird das vierte Album von ScHoolboy Q, der bürgerlich Quincy Matthew Hanley heißt, schon seit Monaten als eine der wichtigsten Hip-Hop-Veröffentlichungen des Jahres 2016 gehandelt.

Einen ersten Vorgeschmack hatte er schon im Mai mit der Single „THat Part“ vom Stapel gelassen, für die er Kanye West als Gast an seine Seite holte: Als grandios „düster“ (US-Rolling Stone), minimalistisch und „heavy-hitting“ (Rap-up) wurde die Produktion von Cubeatz, YeX und Cardo postwendend gefeiert, über deren zischenden Hi-Hats ein zurückgelehnter ScHoolboy kurzerhand klarstellte, was Realness für ihn bedeutet („Me no conversate with the fake“), während Kanye nach vielen, vielen „Okays“ auch seinen Respekt vor seiner besseren Hälfte zum Thema machte („Wifey gonna kill me, she the female OJ“). Auch von Complex, Pitchfork und Stereogum wurde der ultragedrosselte Track gefeiert, der postwendend in die Top-20 (#17) der US-iTunes-Charts ging. Schon davor hatte ScHoolboy die Single „Groovy Tony“ (laut Stereogum „awesome and hard-as-fuck“) als Vorgeschmack auf das noch namenlose Album veröffentlicht.

Kaum zu glauben eigentlich, dass Hip-Hop für ScHoolboy Q lange Jahre eher nur der Soundtrack zu ganz anderen Erlebnissen war: Nachdem er in Wiesbaden zur Welt gekommen war – seine Eltern waren dort stationiert –, verbrachte Q die ersten Jahre seines Lebens in Texas, um schließlich in L.A. zu landen. Dort versuchte er, die Balance zwischen Hobbys (Sport!), Schule, Drogen und Gangkontakten zu finden: „Es gab gute Sachen in meinem Leben, schlechte Sachen und dann auch noch richtig schlechte Sachen“, erzählt ScHoolboy Q, der seinen Namen der Tatsache verdankt, dass er stets gut war in der Schule, auch nur die besten davon besuchte, es aber trotzdem nicht lassen konnte, mit seinen Gangkollegen von den Crips irgendwelche Dinger an der Straßenecke zu drehen. „Natürlich bin ich häufiger in Schwierigkeiten geraten, und inzwischen bereue ich auch einige Sachen, die ich damals gemacht habe. Aber andererseits bin ich nur dadurch der Typ geworden, der ich heute bin.“

An der Ecke Figueroa/51. Straße aufgewachsen, war das Staples Center keine 10 Minuten entfernt – jener Ort, an dem Kobe Bryant und die Lakers ihre Erfolge feierten –, und so liebäugelte auch Q lange Zeit mit einer Karriere als Sportler: Er spielte Football, Baseball, Basketball... zwischenzeitlich war er sogar im Schwimm-Team seiner High School recht erfolgreich. Doch sollten die Drogenverkäufe an der Ecke ihm auch durch diese Rechnung einen Strich machen, und so landete er schließlich sogar im Knast. „Bis 2007 wusste ich echt nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte“, meint er rückblickend. „In dem Jahr kam mir auch erst die Idee, mich ernsthaft auf meine Rap-Skills zu konzentrieren.“

Die Widersprüche, die sowohl in seinem Namen (School vs. Hool) als auch im Titel seines zuletzt veröffentlichten Albums „Oxymoron“ anklingen, lassen sich auch auf seine Wurzeln als Rapper übertragen: Indem er nämlich Jay-Z, 50 Cent und Nas als wichtigste Einflüsse aufzählt, passt er auch nicht in die klassische Westküsten-Schublade. „Trotzdem basieren meine Tracks in der Regel auf persönlichen Erfahrungen, auf Dingen, die mir in L.A. passiert sind“, so Q. „Manches ist vielleicht ein bisschen überzogen dargestellt, aber im Kern sind das schon alles meine Geschichten, meine Erlebnisse.“

Seit 2007 entpuppt sich diese Geschichte zunehmend als echte Success-Story: Sein erstes Mixtape „Schoolboy Turned Hustla“ brachte schon 2008 seine bisherige Vita ganz gut auf den Punkt; wenig später war er schon Teil des Black-Hippy-Kollektivs, zu dem auch Kendrick Lamar, Jay Rock und Ab-Soul gehören. Auch „Gangster & Soul“, der nächste Mixtape-Release, sorgte für einen Hype im Untergrund, bis 2011 mit „Setbacks“ sein erster offizieller Release anstand, der postwendend in die Top-25 der US-Rap/R&B-Charts einstieg. Der Nachfolger „Habits & Contradictions“ landete ebenfalls in den Top-25 von besagten Charts, woraufhin er für Album #3, „Oxymoron“, sogar mit Gästen wie Raekwon, 2 Chainz, Kendrick und Tyler, the Creator arbeitete – und mit der Deluxe-Version Platz 1 der iTunes-Charts in UK, den USA und Kanada eroberte. Auch in den offiziellen US-Billboad-200 landete sein Major-Debüt postwendend auf Platz 1 und ging obendrein in die Top-5 der britischen R&B-Charts.

Ende April 2016, kurz nach der Veröffentlichung von „Groovy Tony“, hatte ScHoolboy Q via Twitter erklärt, dass sein viertes Album schon sehr bald erscheinen dürfte: „U Neva kno wHen it will drop.“ Jetzt allerdings wissen wir’s: am 8. Juli ist es soweit.

ScHoolboy Q veröffentlicht viertes Studioalbum am 8. Juli 2016


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