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12.08.2005

Der Menschenfreund

Sir Peter Ustinov, Der Menschenfreund

Roger Willemsen kann wunderbar schwärmen. Wenn er einmal in Fahrt gekommen ist, dann perlen ihm die Worte nur so aus dem Munde und formen Elogen, die sonst kaum ein Journalist hierzulande in ähnlicher Eleganz zu bieten vermag. Insofern ist schon das Vorwort zu Peter Ustinovs Die Reise geht weiter ein Genuss. Denn Willemsen verehrte den Weltenbummler und Menschenfreund, sah in ihm einen der wahren Humanisten des ausgehenden Jahrhunderts und fand daher die passenden Formulierungen, um das Hörbuch mit Reisereportagen und Reflexionen auf angemesse euphorische Weise einzuleiten. Für die Texte Ustinovs selbst wiederum fand Anke Engelke den richtigen Ton - eine ausgewogene Mischung aus Nähe und Distanz.

Peter Ustinov kam am 16. April 1921 im Londoner Swiss Cottage als Sohn eines Journalisten russischer Abstammung und einer französischen Mutter mit äthiopisch-italienischen Vorfahren zur Welt. Er besuchte drei Jahre lang die Westminster-Schule, wandte sich daraufhin einer Schauspielausbildung zu, die bald erste Erfolge zeigte. Seine Theaterkarriere startete 1938 beim Barn Theatre von Shere und präsentierte Usitnov nicht nur als Darsteller, sondern auch als Autor selbst verfasster Stücke und humoristischer Szenen ("The Bishop Of Limpopoland", 1939). Bald entstanden weitere Bühnenwerke, die durch gestalterische Eigenwilligkeit, ausgefeilte Dialoge, zuweilen herbe Komik und surreale Elemente auffielen ("The Banbury Nose", 1945; "Photo Finish", 1962). Im Jahr 1942 wurde er eingezogen und so konnte die eigentliche Künstlerlaufbahn erst nach seiner Militärzeit starten. Ende der Vierziger Jahre schaffte Ustinov den Sprung zum Film, zunächst als Regisseur ("School for Secrets", 1946; "Vice Versa", 1948) und bald auch als Schauspieler. Der Durchbruch gelang ihm mit Mervyn LeRoys Monumentalfilmepos "Quo vadis?" (1951), wo er in der Rolle des debil vertrottelten Kaisers Nero brillierte. Bald darauf folgten Michael Curtiz' "We're No Angels" (1955), Stanley Kubricks "Spartacus" (1960), Jules Dassins "Topkapi" (1964) oder auch die Verfilmung von Agatha Christies "Tod auf dem Nil" (1981), die ihm mit dem Meisterschnüffler Hercule Poirot eine weitere Paraderolle bot.

Doch Ustinov gab sich nicht mit dem Erfolg als Schauspieler zufrieden. Er arbeitete außerdem als Opernregisseur, Sonderbotschafter der Unicef und Rektor der Universität Dundee (1968-1974), darüber hinaus als Autor von Romanen, Kurzgeschichten, Anekdoten und Reiseberichten. Im Jahr 1977 erschienen seine Lebenserinnerungen "Dear Me", 1983 eine Ergänzung dazu unter dem Titel "My Russia", 1998 wiederum sein erster Roman "Monsieur René". Von 1990 an durfte er sich "Sir" nennen, was ihm allerdings kaum etwas bedeutete. Ustinov starb am 28. März 2004 nach schwerer Krankheit und hinterließ ein umfangreiches und vielfältiges Lebenswerk voller Überraschungen. Einen kleinen, pfiffigen Ausschnitt daraus präsentiert die Hörbuch-Doppel-CD "Die Reise geht weiter".

 

Sie stellt Ustinov, den Globetrotter, in den Mittelpunkt, der mit präziser Genauigkeit die Feinheiten festhielt, die ihm während zahlreicher Reisen durch ferne Lande auffielen. Ob in Irland oder Sibirien, Indien oder Tschetschenien, überall begegneten ihm beeindruckende Menschen oder ereigneten sich kuriose Erlebnisse, die er mit dem ihm eigenen spitzfindigen Humor kommentierte. Für die Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Anke Engelke, die selbst über reichlich journalistische Erfahrung verfügt, war es daher ein besonderer Genuss, sich die geistreichen Reflexionen von Ustinov auf der Zunge zergehen zu lassen. Nüchtern, aber zugleich teilnahmsvoll folgt sie ihm auf seine Streifzüge über den Globus und ruft noch einmal einen genialen Zeitgenossen in Erinnerung, dem immer das Wohl der Menschen am Herzen gelegen war.


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