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28.10.2008

Snow Patrol 2009

Hier ein paar Gründe, warum Snow Patrol zu den wichtigsten und größten Bands des letzten Jahrzehnts zählen: Im Verlauf ihrer inzwischen 15-jährigen Bandgeschichte hat sich das schottisch-irische Quintett von einer winzigen Möchtegern-Indie-Combo zu einer wahrhaftigen Institution des Rock gemausert, die in aller Welt Stadien füllt. Snow Patrol haben weltweit über 10 Millionen Alben verkauft, sind bei den Grammys und den BRITs nominiert worden und haben unterwegs noch den einen oder anderen Meteor-Music- und Ivor-Novello-Award eingesammelt.

Im Zentrum der Band steht Gary Lightbody, der Frontmann und wichtigste Songwriter von Snow Patrol. Für ihre fünf Studioalben hat der 33-Jährige sowohl herzergreifende Balladen als auch Festival-Hymnen geschrieben, bei denen man sich einfach umarmen muss; sowohl astreine Radiohits als auch Songs, die so persönlich sind, dass es fast schon wehtut. All diese Facetten ihres Sounds sind auf „Up To Now“ versammelt, einem aus insgesamt 30 Songs bestehenden Doppelalbum, auf dem neben Singleauskopplungen und Albumsongs auch Coverversionen vertreten sind.

„Die neue LP funktioniert gewissermaßen wie ein Fotoalbum“, sagt Lightbody. „Auf dem Album wird dokumentiert, wie wir an jenen Punkt gelangt sind, an dem wir heute stehen. Wir haben 15 Jahre lang harte Arbeit geleistet, schließlich ist das alles nicht einfach so von einem Tag auf den anderen gekommen. Die Idee war es, den Leuten damit ein absolut ehrliches Bild von dieser Entwicklung zu präsentieren – eine Art Bild also, auf dem selbst unsere Warzen zu sehen sind. Gewiss haben wir die Auswahl für dieses Porträt selbst getroffen, und natürlich haben wir dabei die eine oder andere Falte ein wenig abgedeckt, aber insgesamt habe ich das Gefühl, dass diese Kollektion ein absolut ehrliches Porträt von uns als Band ist.“

„Zunächst landeten wir bei 40 Songs, doch uns war klar, dass das immer noch zu viele waren. Ehrlich gesagt war es gar nicht so leicht, diese Vorauswahl weiter zu kürzen, weil wir ein paar Sachen rausnehmen mussten, die uns wirklich viel bedeuten. Letzten Endes kamen wir dann auf 30 Songs, die ein breites klangliches Spektrum abdecken: ganz frühe Aufnahmen und Singles, ein paar brandneue Songs und Coverversionen, unter anderem auch unsere Version von ‘Crazy In Love’.“

In erster Linie begegnet man auf „Up To Now“ einer Band, die mit jedem Jahr gewachsen ist – kontinuierlich und stets vor den Augen (und Ohren) ihrer Fans. Nach der Gründung im Jahr 1994 (zunächst noch unter Namen wie Shrug und Polar Bear), landeten Snow Patrol schon bald darauf ihren ersten Deal mit Electric Honey, um die EP „Starfighter Pilot“ zu veröffentlichen. Wenn man sich diese frühen Aufnahmen heute noch einmal anhört, die messerscharfen Gitarren des Titelstücks oder die noch etwas kantigen Texte auf sich wirken lässt, bekommt man einen guten Einblick in das Schaffen einer Band, die gerade ihre ersten Gehversuche macht.

„Wenn ich mir diese alten Aufnahmen so anhöre, denke ich auch: ‘Okay, das klingt schon ein wenig kindisch und irgendwie naiv, aber so war ich nun mal in jenen Tagen’“, berichtet Lightbody. „Heute kann ich meine Gefühle viel besser auf den Punkt bringen, und mir macht das Schreiben jetzt mehr Spaß denn je, weil ich über ganz andere Mittel verfüge und ganz andere Waffen in meinem Arsenal habe. Inzwischen kenne ich mich selbst viel besser und sehe die Dinge sehr viel klarer als damals.“

Auf „Starfighter Pilot“ folgten zwei Alben auf dem kleinen Label Jeepster („Songs for Polar Bears“ im Jahr 1998 und „When It’s All Over We Still Have To Clear Up“ von 2001), bis Snow Patrol schließlich einen Vertrag mit dem Polydor-Sublabel Fiction Records unterzeichneten und im Jahr 2003 jenen Longplayer veröffentlichten, mit dem ihnen der Durchbruch gelang: „Final Straw“, produziert von Jacknife Lee, verkaufte sich insgesamt knapp zwei Millionen Mal. „Nach dieser Veröffentlichung hatten uns plötzlich wahnsinnig viele Menschen auf dem Schirm“, sagt Lightbody.

Doch war das genau genommen noch ein relativ kleiner Schritt, zumindest verglichen mit dem, was danach kam: Mit der Veröffentlichung von „Eyes Open“ (Fiction, 2006) wurden Snow Patrol schlagartig in aller Welt bekannt. Aufgenommen von Lightbody, Bassist Paul Wilson (der das finale Line-Up komplettierte, nachdem Mark McClelland die Band 2004 verlassen hatte), Gitarrist Nathan Connolly, Schlagzeuger Jonny Quinn und Keyboarder Tom Simpson, war ihre unverwechselbare Mischung aus großen Gitarrenriffs, großen Emotionen und eingängigen Melodien offenbar für die Ewigkeit gemacht. Außerdem landeten sie mit der Singleauskopplung „Chasing Cars“ ihren ersten internationalen Mega-Hit.

‘Chasing Cars’ markiert definitiv einen Wendepunkt in unserer Karriere, weil wir damit international erfolgreich waren“, sagt Lightbody. „Wenn ich an die Zahlen denke, kann ich es manchmal kaum fassen: Allein in den USA haben 2,2 Millionen Menschen diesen Track heruntergeladen, und ich möchte gar nicht wissen, wie viele illegale Downloads man noch dazurechnen muss! So gesehen würde ich mal sagen, dass ‘Chasing Cars’ unser Vorzeigekandidat ist.“ In den britischen Top-75 hielt sich „Chasing Cars“ unglaubliche 91 Wochen lang (nur Sinatras „My Way“ verweilte noch länger in den Charts), und nachdem der Song in der Erfolgsserie „Grey’s Anatomy“ zu hören war, bescherte er Snow Patrol schließlich auch noch ihren ersten Top-5-Hit in den Staaten. Dazu kommt, dass der Zahn der Zeit noch kein bisschen an diesem „Vorzeigekandidaten“ genagt hat und er heute noch so frisch und eindringlich klingt wie am Tag der Veröffentlichung.

Doch natürlich sind auf „Up To Now“ diverse weitere Highlights versammelt: Der astreine Pop-Sound von „Chocolate“ zum Beispiel, das episch angelegte, sehnsuchtsvolle „Run“ oder auch der gewichtige Anflug von Melancholie, der bei „Set The Fire To The Third Bar“ mitschwingt. „Den Song habe ich übrigens für Martha Wainwright geschrieben“, erklärt Lightbody. „Sie besuchte uns und ich fiel gleich mit der Tür ins Haus: ‘Den habe ich über dich geschrieben.’ Zum Glück wurde sie deswegen nicht gleich verlegen und antwortete, dass ihr der Song wahnsinnig gut gefällt. Immerhin hätte sie auch sagen können: ‘Der klingt, als ob ein Vollidiot ihn komponiert hat. Vollkommen beschissen.’“

Daneben ist auf dem Album eine neue Version von „An Olive Grove Facing The Sea“ vertreten, jenem frühen Song, der nach wie vor zu den Höhepunkten ihrer Konzerte zählt: „Bei Konzerten spiele ich dieses Stück ganz allein“, kommentiert Lightbody. „Als Jacknife Lee eines Tages meine Soloversion hörte, sagte er nur: ‘Wow, das müssen wir genau so mal im Studio aufnehmen.“ Was wir dann auch taten: nur ich und meine E-Gitarre. Verglichen mit dieser minimalistischen, neuen Aufnahme für ‘Up To Now’ ist die Originalversion das exakte Gegenteil: Da stehen gewaltige Bläser und Chorgesänge im Vordergrund, und die Gitarren, ein ganzer Berg davon, klingen wie eine überdimensionale Wand.“

„Up To Now“ ist die ultimative Fundgrube für Fans: Auf der insgesamt dreistündigen Bonus-DVD befinden sich diverse Live-Aufnahmen und Dokumentationen. Zudem ist auf den beiden CDs je ein Song von ihrem Seitenprojekt The Reindeer Section vertreten („Cartwheels“ und „You Are My Joy“), jener schottischen Indie-Supergroup, bei der unter Lightbodys Anleitung unter anderem auch Mitglieder von Mogwai, Idlewild, The Vaselines, Belle and Sebastian und Teenage Fanclub mitwirken.

„Zwischenzeitlich waren The Reindeer Section sogar größer als Snow Patrol“, berichtet Lightbody. „In Japan haben uns die Leute sogar auf der Straße verfolgt. Hoffentlich können wir mit der Neuauflage dieser Songs das Interesse an diesem Projekt neu erwecken.“

Die drei brandneuen Songs auf „Up To Now“ beweisen zudem, dass Snow Patrol derzeit in Bestform sind: Das unterstreichen bereits das auf Balearic Beats basierende „Just Say Yes“ und das wahnsinnig persönliche „Dark Roman Wine“, das Lightbody allein auf einem alten Harmonium eingespielt hat.

„Wir haben zwischenzeitlich Bands wie Passion Pit und MGMT gehört“, berichtet er. „Der Song ‘Just Say Yes’ ist definitiv davon inspiriert. Überhaupt war elektronische Musik schon immer eine zentrale Inspirationsquelle für uns: Besonders Tom und ich stehen z.B. voll auf Bands wie LCD Soundsystem, Liquid Liquid, Vitalic und Friendly Fires, weil wir beide auch oft als DJs unterwegs sind, aber so deutlich wie bei ‘Just Say Yes’ war dieser Einfluss in unserem Sound wohl noch nie erkennbar. Sicherlich war das ansatzweise schon auf ‘The Lightning Strike’ vom ‘A Hundred Million Suns’-Album zu hören, aber eben nicht so deutlich wie in diesem Fall.“

‘Dark Roman Wine’ zählt ganz klar zu den besten Songs, die ich jemals geschrieben habe. Einfach nur ein Harmonium, ein paar Bläser und meine Stimme, was zusammen schon ein ganz schön schräges Arrangement ergibt.“

Abschließend betont Lightbody auch noch, dass die Veröffentlichung von „Up To Now“ ihm und seiner Band eine gute Gelegenheit gibt, sich neu zu erfinden...

„Wir werden bestimmt schon sehr bald unser nächstes reguläres Studioalbum veröffentlichen, aber ehrlich gesagt bin ich mir noch gar nicht so sicher, in welche Richtung die Reise eigentlich gehen wird. Mir gefällt der Gedanke, dass uns an diesem Punkt alle Wege offen stehen. Und ich kann es kaum abwarten, noch bessere Alben aufzunehmen. Was diese Compilation jedoch betrifft, fühlt es sich erst mal gut an, den Hügel zu besteigen und einen Blick zurückzuwerfen. Wir wollten in die Vergangenheit schauen, sehen, wie weit wir schon gekommen sind und einfach nur die Aussicht ein wenig genießen.“


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