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15.08.2017

Sunrise Avenue, "Heartbreak Century", 2017

Wir leben in modernen Zeiten. In einer Ära des technischen Fortschritts und der Mega-Erfindungen, in der alles ständig verfügbar, alle ständig erreichbar und rund um die Uhr miteinander vernetzt sind: Menschen aus aller Welt kommunizieren online miteinander übers World Wide Web und per Smartphone steuern wir einen großen Teil unseres täglichen Lebens. Eigentlich ironisch, dass wir im Jahrhundert der vermeintlichen Sorglosigkeiten trotzdem immer noch an einer scheinbar banalen Krankheit leiden: Herzschmerz. Die finnischen Poprock-Superstars von Sunrise Avenue analysieren auf ihrem fünften Studioalbum, warum wir offenbar verlernt haben, glücklich und zufrieden zu sein. Willkommen im "Heartbreak Century"!

Gut vier Jahre sind vergangen, seitdem die finnische Truppe um den charismatischen Frontmann und beliebten "The Voice Of Germany"-Coach Samu Haber mit dem Gold- und Platin-prämierten Top 3-Album "Unholy Ground" ihren bisher höchsten Chartentry seit der Bandgründung im Jahr 2002 verbuchen konnte. Und auch die restlos ausverkauften Headlinertouren der skandinavischen Super-Rocker gestalteten sich als wahre Triumphzüge durch europäische Stadien. Genau der richtige Zeitpunkt für Samu, sich nach so viel Dauer-Trubel eine kleine (beziehungsweise: große) Auszeit zu nehmen, um den Kopf wieder für neue Ideen frei zu bekommen. "Mir wurde klar, dass ich dringend Abstand brauchte", erinnert sich der 41-jährige Sänger und Songwriter. "Abstand von Finnland, von der Band und von meinem bisherigen Leben. Also habe ich mir meine Gitarre geschnappt und bin zweieinhalb Jahre ganz alleine durch die halbe Welt gereist." Australien, Los Angeles, London, Kopenhagen, Göteborg, Stockholm, Helsinki, Berlin – verschiedenartigste Einflüsse, die sich heute auf dem Sound von "Heartbreak Century" wiederfinden, auf dem deutlich eine ganz neu gewonnene Freiheit zu spüren ist: Neben den klassischen, sofort wiedererkennbaren Sunrise Avenue-Soundtrademarks wie hoch ansteckenden Harmonien, rockigen Gitarren und Samu Habers unverwechselbarem Gesang haben diesmal moderne Urban Folk-Elemente Einzug gehalten, die dem Quartett eine bisher unbekannte, frische und unbeschwerte Klangnuance verleihen. Akustische Instrumente verbinden sich mit treibendem Rock zu einem organischen Mix, wie Sunrise Avenue schon auf der ersten Vorabsingle "I Help You Hate Me" demonstrieren.

"Eineinhalb Jahre lang ist absolut nichts passiert", so Samu weiter. "Ich habe für diese Platte insgesamt über 100 Songs geschrieben, die sich zwar ganz okay angefühlt haben, aber letztendlich doch nicht 'richtig' klangen. Wir waren immer ehrlich zu unseren Fans; das Publikum merkt sofort, wenn etwas nicht authentisch ist. Ich habe mir irgendwann eine Frist gesetzt: Ich würde so lange an neuen Stücken arbeiten, bis ich selbst zufrieden wäre. Und wenn es zehn Jahre dauern sollte. Doch eines Tages ist der Knoten dann mit 'I Help You Hate Me' geplatzt. Manchmal ist es schwierig, sich diese kindliche Neugierde und Begeisterungsfähigkeit aus Anfangstagen zu bewahren. Mit dieser Platte haben wir sie definitiv wiedergefunden. Nach langer Zeit herrschte wieder dieses alte Gang-Feeling im Studio; wir alle hatten unfassbar viel Spaß. Ich denke, das hört man den Songs auch deutlich an!" Gemeinsam mit drei verschiedenen Produzenten haben Samu Haber (Gesang, Gitarre), Raul Ruutu (Bass) Sami Osala (Drums) und Riku Rajamaa (Gitarre) fast zwölf Monate an "Heartbreak Century" gearbeitet: Neben dem langjährigen Stammproducer Jukka Immonen wurden die Stücke unter der Ägide des Deutschen Nicolas Rebscher (Adel Tawil, Alice Merton) und des 25-jährigen Schweden Victor Thell (Alessia Cara, Alexander Brown) in Berlin, Helsinki und Stockholm aufgenommen. 

"In den Songs herrscht ein ganz neues Feeling. Obwohl viele akustische Instrumente zu hören sind, ist doch ein gewisser urbaner Geist vorhanden", beschreibt Samu den frischen Sound-Wind auf "Heartbreak Century". "Fast kann man die Vibrationen der Straßenbahn zwischen den Songs spüren, die vor dem Studio vorbei fuhr. An anderen Stellen hört man Studiogeräusche und teilweise auch Spielfehler, die wir einfach drin gelassen haben. Vieles ist sehr roh und unbearbeitet, wodurch alles einen ganz besonderen Charme bekommt". Eine Art von Imperfektionismus, die den Songs erst ihren besonderen Charakter verleiht. Zwei Stücke wurden sogar erst ganz knapp vor der allerletzten Deadline fertig: "Unser Schlagzeuger Sami nahm die Drum-Parts in seinem Homestudio im Norden Helsinkis auf, während die Producer Nicolas und Victor in Berlin und Stockholm den Rest zusammenfügten. Ich habe alles bei mir Zuhause am Rechner im Süden von Helsinki zu koordinieren versucht. Wir haben also zeitweise parallel in drei verschiedenen Städten in drei verschiedenen Ländern gearbeitet"; dem Internet sei Dank. Wobei wir auch schon bei der "dunklen" Seite unseres hochmodernen Lebens wären.

"Can Lovers ever last in this Heartbreak Century?" - eine Frage, die sich in verschiedenen Formen durch das ganze Album der Finnen zieht, auf dem sich Sunrise Avenue inhaltlich den vier großen Ls widmen: Love, lust, lies & loss. Was hat in einem schnelllebigen Zeitalter wie diesem noch Bestand? Einer High-Tech-Ära der ständigen Updates, in der echte Gefühle scheinbar zu einem nicht mehr kompatiblen Relikt aus vergangenen Tagen geworden sind. "Es geht in den Songs um Herzschmerz, der aber nicht unbedingt immer mit Liebe zu tun hat. Manchmal kann es auch sehr weh tun, wenn man mit seinem generellen Leben unzufrieden ist. Obwohl wir heute die größten Annehmlichkeiten seit Menschengedenken genießen, werden wir immer unglücklicher. Alle hetzen nur noch durchs Leben auf der Suche nach dem perfekten Partner, dem perfekten Body, dem perfekten Job. Wir sind nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen, weil wir unbegrenzte Auswahlmöglichkeiten haben, die uns immer unersättlicher machen. Wir sind global besser vernetzt, als je zuvor und haben gleichzeitig Liebeskummer, weil wir einsam sind. Statt das Leben zu genießen, jagen wir ihm virtuell auf Smartphone-Displays hinterher."

Eine anerkannte Zivilisationskrankheit, der Sunrise Avenue musikalisch auf "Heartbreak Century" zu Leibe rücken: Die Rückkehr zu echten Werten, zu echten Gefühlen und zu echtem, handgemachten Poprock. "Ich habe beim Songwriting zum ersten Mal wirklich gespürt, was für eine unglaubliche heilende Wirkung meine Musik auf mich hat", fährt Haber fort. "Über diese Dinge zu sprechen, war fast wie eine kleine Therapie. Alles, was ich singe, ist sehr intim und reflektiert persönliche Erlebnisse oder Beobachtungen. Ich habe noch nie so tief in mir gegraben, wie auf den neuen Liedern. Einfache, unverschnörkelte Worte, die direkt aus meinem Inneren kommen." So wie auf der schon erwähnten Single "I Help You Hate Me", die als erster Track des Albums die stilistische Neuausrichtung des skandinavischen Quartetts vorgibt. "Unser Producer Victor sang mir eines Morgens eine Melodie vor und improvisierte die Zeile 'falling out the window' aus dem Stehgreif. Mir gefiel dieser irgendwie völlig übertriebene Ansatz auf Anhieb so gut, dass ich ihn nach einigem Zureden überzeugen konnte, einfach mal einen nicht ganz so ernst gemeinten Trennungssong aufzunehmen. Das war der Schlüsselmoment für dieses Album - plötzlich ergab alles einen Sinn! Der Sound von Sunrise Avenue war immer sehr harmonisch und leicht zugänglich, während ich oft einen gewissen Sinn für Humor in den Texten vermisst habe. Das ändert sich jetzt! Zwar singe ich von einer Trennung, aber doch sehr augenzwinkernd."

Eine Kerbe, in der Sunrise Avenue auch mit dem Stück "Let Me Go" schlagen, dessen Arbeitstitel ehemals "Unlove Me" lautete und einen Wink in Richtung Sozialer Netzwerke darstellt. Mit dem eindringlichen "Beautiful" hat die Band eine bilderstarke Mutmacher-Hymne speziell für alle weiblichen Fans aufgenommen, während im Titeltrack des Albums der uralte Flügel zu hören ist, den sich Samu Haber extra für die Aufnahmen zugelegt hat. Gemeinsam mit den akustischen Gitarren und der sofort ins Ohr gehenden Gesangsmelodie wird hier die neue stilistische Ausrichtung Sunrise Avenues besonders deutlich. Mit seinen berührenden Gitarren und einem Gospelchor endet das Album mit "Home" schließlich auf einer versöhnlichen, harmonischen Note. "Der Text erzählt von einem Menschen, der sich ganz alleine in der großen, weiten Welt herum treibt. Doch wenn er die Augen schließt, sieht er sein Zuhause deutlich vor sich. Wobei ich beim Wort 'Home' nicht von einem konkreten Ort, sondern einer ganz besonderen Person spreche: Ob es sich um den Partner, einen guten Freund oder um seine Eltern handelt. Wir alle brauchen einfach einen Fels in der Brandung. Einen sicheren Hafen, der uns in diesem 'Heartbreak Century' Geborgenheit bietet."


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