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III

(2015 Edition)

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03.12.2008

Take That - „The Circus“ (VÖ: 28.11.2008)

Zweifellos war es das Pop-Ereignis des Jahres, eine Sensation, die alle anderen großen Pop-Ereignisse verdammt klein erscheinen ließ; ein unwahrscheinlicher Triumph, der alle anderen unwahrscheinlichen Erfolge in den Schatten stellte. Als Gary Barlow, Howard Donald, Jason Orange und Mark Owen im November 2006 mit „Patience“ die erste Single nach ihrer Wiedervereinigung veröffentlichten, waren über zehn Jahre seit der tragischen Auflösung von Take That vergangen. Gerade deswegen schien die Welt wieder bereit für ihren Sound zu sein. Mehr noch: auch wenn es manch einer bis dahin vielleicht gar nicht bemerkt hatte, fehlte ihr Sound in der internationalen Pop-Landschaft. Die Rückkehr von Take That an die Spitze der Charts war definitiv das absolute Highlight des Jahres...

Einerseits klang „Patience“ überragend, es war eine echte Hymne, doch zugleich zeichnete sich ihre Single durch leidenschaftliche Emotionalität und klassisch-britische Pop-Elemente aus. So gesehen war es kaum verwunderlich, dass die Single Take That im Handumdrehen den neunten Nummer-Eins-Hit in England bescherte und in ganz Europa an die Spitze der Charts ging. Kein Wunder auch, dass sie damit bei den BRIT Awards 2007 den Preis in der Kategorie „Best British Single“ gewannen. „Beautiful World“, das Album, das zwei Wochen nach der Single-Veröffentlichung in die Läden kam, verkaufte sich allein in Großbritannien über 2,5 Millionen Mal. Und „Shine“, die zweite Auskopplung – eine unglaublich ansteckende Pop-Nummer, bei der Mark die Lead-Vocals übernahm –, ging ebenfalls schon in der ersten Verkaufswoche auf Platz #1. Bei den diesjährigen Ivor-Novello-Awards gewannen sie für „Shine“ den Preis in der „PRS Most Performed Song“-Kategorie, um gleich darauf bei den BRITs noch eine „Best British Single“-Auszeichnung in Empfang zu nehmen. Als dritte Single erschien übrigens „I’d Wait For Life“.

Im Oktober 2007 veröffentlichten Take That dann „Rule The World“, das als Titelsong des Films „Der Sternwanderer“ fungierte, um bereits im Winter die „Beautiful World“-Tour anzutreten – ihre bislang größte und erfolgreichste Tournee überhaupt, in deren Rahmen sie allein in Großbritannien über 30 ausverkaufte Konzerte spielten. Wenn man nun noch einen weiteren BRIT-Award („Best British Live Act“) und den Preis für die „Tour of the Year“ bei den Vodafone Live Music Awards einberechnet, liegt auf der Hand, dass ihr Comeback ein größerer Erfolg nicht hätte sein können. Die Welle der Begeisterung über ihre Reunion nahm kein Ende, Publikum und Kritiker waren gleichermaßen aus dem Häuschen – und all das hatte eine Gruppe ausgelöst, die alle (auch ihre Mitglieder) schon längst abgeschrieben hatten...

„Keiner von uns hätte mit diesem Erfolg gerechnet“, sagt Mark über die Rückkehr von Take That. „Ich würde nicht einmal sagen, dass wir davon geträumt haben. Schließlich war es keinesfalls so, dass wir uns jahrelang gegenseitig angerufen haben und uns damit in den Ohren lagen, endlich wieder zusammen Musik zu machen. Das war ehrlich gesagt so gut wie ausgeschlossen. Aber dann ist es doch passiert.“

„Unsere Geschichte klingt unwahrscheinlicher als jedes Märchen“, meint Gary. „Sie ist komplett verrückt, wenn du mich fragst. Kann schon sein, dass wir alle etwas länger gebraucht haben, um das alles überhaupt fassen zu können, aber inzwischen sind wir alle einfach nur glücklich, dass es so gekommen ist. Das ist mir persönlich am wichtigsten, schließlich war das damals nicht immer der Fall. Das und unsere Fans, denn ich bin fest davon überzeugt, dass keine andere Band eine so treue Fangemeinde hat. Wir hatten sie schon auf unserer Seite, ohne überhaupt einen Ton von uns gegeben zu haben.“

Dabei ist natürlich keine Geschichte so unkompliziert, wie es jetzt klingen mag, und die Story von Take That ist besonders komplex: Schließlich hatten die Mitglieder der erfolgreichsten britischen Pop-Gruppe der Neunziger knapp zehn Jahre getrennt verlebt; sie hatten sich nur sporadisch gesehen und in manchen Fällen so gut wie gar nicht miteinander kommuniziert. Jeder von ihnen hatte von den Erfahrungen mit Take That seine Wunden davongetragen – sehr unterschiedliche Wunden wohlgemerkt, und nicht alle waren wirklich schlimm –, und dann waren da natürlich noch jede Menge Erfahrungen, die sie individuell nach dem Ende des Boyband-Höhenflugs gesammelt hatten. Während sich Robbie zum größten britischen Solo-Entertainer entwickelte, ging auch Garys Karriere zunächst durch die Decke, bis er irgendwann in einer Sackgasse landete. Marks Karriere dauerte schon etwas länger, aber ein durchschlagender kommerzieller Erfolg blieb ihm weitestgehend verwehrt. Howard kehrte zu seinen musikalischen Wurzeln zurück und legte als DJ Dance-Musik auf. Jason versuchte sich als Schauspieler und reiste viel. Jeder von ihnen hatte seine Probleme, aber es gab auch immer wieder Lichtblicke. Außerdem wurden Gary, Howard und Mark Familienväter, und alle vier entwickelten sich mit der Zeit zu Individuen, die sich ganz gut an das Leben nach der Boyband gewöhnt hatten...

Ihr erstes Zusammentreffen im neuen Jahrtausend fand im Jahr 2005 statt; und eigentlich wollten sie bei dieser Gelegenheit nur über ein geplantes „Greatest Hits“-Album diskutieren. Dann wurde ihnen vom Sender ITV ein Angebot für eine Dokumentation unterbreitet, in der das Leben der Bandmitglieder zehn Jahre nach der Auflösung porträtiert werden sollte. Als selbst Robbie für dieses Projekt zusagte, konnten die anderen es kaum glauben – allerdings wollte er sich dann doch nicht gemeinsam mit ihnen filmen lassen...

Der Doku-Streifen schlug ein wie eine Bombe: Allein in UK schalteten sieben Millionen Zuschauer ein, was zur Folge hatte, dass Gary, Mark, Howard und Jason am 25. November 2005 eine offizielle Pressekonferenz einberiefen und ihre erste Reunion-Tournee ankündigten. 560.000 Tickets waren in Rekordzeit verkauft, die Tour ging von April bis Juni 2006 und brachte die Band – wie bereits angedeutet – in 32 Arenen und Stadien in Großbritannien. Robbies Auftritt fand wiederum nur virtuell statt: Sein Hologramm, sechs Meter hoch, wurde während die Band „Could It Be Magic“ spielte an die Bühnenrückseite projiziert. Alles in allem haben Take That seit ihrer Wiedervereinigung vor knapp einer Million Menschen gespielt...

„Ich denke, dass wir nach dieser Tour einfach ein Album aufnehmen mussten; uns blieb gar keine andere Wahl“, gibt Mark zu bedenken. Folglich unterzeichneten Take That am 09. Mai 2006 einen Drei-Millionen-Pfund-Deal mit Polydor und suchten sich mit Jonathan Wild einen neuen Manager, der sich um ihre Geschäfte kümmern sollte.

Schon im Sommer des Jahres flogen sie nach Los Angeles, um dort „Beautiful World“ zu schreiben und aufzunehmen, wobei ihnen mit John Shanks eine echte Produzentenlegende zur Seite stand. Spätestens jetzt hatten Take That ein neues Kapitel derjenigen Geschichte begonnen, die alle an und für sich schon längst ad acta gelegt hatten.

Nachdem der Erfolg von „Beautiful World“ erneut alle Erwartungen übertroffen hatte, kam die Band im April 2008 in den SARM Studios in Notting Hill zusammen, um dort die Arbeit am neuen Album zu beginnen. Sie setzten sich einfach nur zu viert in einen Raum und tauschten ihre Ideen aus. Als John Shanks dann im Sommer in London ankam, um wiederum den Aufnahmeprozess zu leiten, hatten sie bereits 25 neue Songs geschrieben.

„Die Energie im Studio war einfach unbeschreiblich, es war fantastisch, einfach nur zu viert an den ersten Demoversionen zu arbeiten“, berichtet Mark. „Als es dann darum ging, die eigentlichen Aufnahmen zu machen, wollten wir genau diese Stimmung einfangen. Daher klingt die Platte auch alles andere als glatt. Sie klingt großartig, das auf jeden Fall, aber zugleich ist der Sound wahnsinnig natürlich und unbehandelt. Ich denke, es ist uns gelungen, den ursprünglichen Geist der neuen Stücke zu bewahren. Und dann hat die LP auch noch etwas ausgesprochen Britisches an sich. Man hört ganz deutlich, dass es sich um ein Album aus England handelt.“

Wenn überhaupt, kam der Druck, mit der neuen LP den Erfolg von „Beautiful World“ zu wiederholen, von Take That selbst. „Wir haben ein ums andere Mal bewiesen, was wir können und wie erfolgreich unsere Musik sein kann“, setzt Jason an. „Daher zählt inzwischen nur noch, ob wir einen Song mögen oder nicht. Schließlich wollen wir Songs aufnehmen, hinter denen wir stehen können, und die zeigen, wer wir sind und wo mir momentan stehen. Die Musik muss authentisch sein.“

„Als wir uns im April im Studio trafen, fühlte sich das wie eine vollkommen neue Band an“, fügt Gary hinzu. „Wir alle waren wahnsinnig motiviert, und jeder war einfach nur glücklich darüber, dass es endlich wieder losging. Insgesamt fühlte es sich wie der richtige Moment für ein weiteres Album an.“

„Ich hatte dieses Mal unglaublich viel Spaß“, berichtet Howard. „Ich war auch viel intensiver am kreativen Prozess beteiligt. Das alles lief so locker und entspannt, was man auch auf der Platte deutlich raushören kann. Man sagt ja immer, dass es schwierig ist, ein zweites Album aufzunehmen, aber bei uns war genau das Gegenteil der Fall.“

Zudem meint Howard, dass er und seine Kollegen dieses Mal ganz anders an die Sache herangegangen sind. Die Grundstimmung war eine andere. „Als wir 2006 unser Comeback hatten, lag immer auch ein Gefühl der Unsicherheit in der Luft“, sagt er. „Wir fragten uns andauernd, ob wir auch alles richtig machen. Werden wir wie Idioten aussehen? Oder denken die Leute vielleicht, dass wir zu alt für so ein Comeback sind? Wie werden sie überhaupt auf Take That im neuen Jahrtausend reagieren? Mir persönlich sind solche Fragen nach wie vor ausgesprochen wichtig. Denn mir liegt viel daran, dass die Fans unsere Musik mögen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich noch nie so stolz darauf war, ein Teil von Take That zu sein. Überhaupt glaube ich, dass wir alle den Erfolg heute viel mehr zu schätzen wissen.“

„Mich hat schon immer die Dynamik der Band interessiert“, meint Jason. „Das ist auch heute noch so: vier Typen, die zusammen Musik machen – das hat fast schon etwas von einer Beziehung. Wir alle entwickeln uns weiter, und wir lernen uns mit den Jahren immer besser kennen. Es macht letzten Endes einfach nur unglaublich viel Spaß, und es fühlt sich toll an, mit den Jungs zu arbeiten und Teil einer kreativen Gang zu sein. Wir müssen andauernd über irgendetwas lachen, auch wenn wir manchmal angespannt oder übermüdet sind. Trotzdem fühlt sich das alles genau richtig an.“

Da wären wir also: Take That sind ein erstes Mal zurückgekehrt. Und jetzt kehren sie ein weiteres Mal zurück. Und nun rate mal: Sie haben wiederum einen draufgesetzt, haben „Patience“ und „Beautiful World“ übertroffen – und nun muss sich keiner mehr fragen, ob sie „Back for Good“ sind oder ob ihre Rückkehr vielleicht doch nur von kurzer Dauer sein wird. Denn momentan tut das alles ehrlich gesagt nichts zur Sache.

„Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, in einer richtigen Band zu sein“, sagt Mark. „Ich bin sehr stolz auf die neue LP, weil sie so schlüssig ist. Ich denke auch, dass das neue Album besser ist als `Beautiful World´; es ist ein Album für echte Musikliebhaber, die losziehen, um spannende Platten zu finden. Und ich denke, dass Take-That-Fans das neue Album lieben werden, und dass auch andere Leute, die gerne gute Musik hören, ebenfalls auf ihre Kosten kommen werden.“

Die Songs, die auf „The Circus“ versammelt sind, knüpfen nahtlos an den klassischen Take-That-Sound an und markieren zugleich einen gewaltigen Schritt auf kreatives Neuland. Es sind Breitformat-Songs, überdimensionale Hymnen, die fürs Stadion gemacht sind – und zugleich es sind einfühlsame, aufrichtige Balladen; sie sind inhaltlich anspruchsvoll und musikalisch abwechslungsreich, theatralisch und doch bodenständig, angenehm naiv und doch auffallend erwachsen, einfach gestrickt und doch episch umgesetzt.

„Ich bin jeden Morgen dankbar dafür, dieses Leben führen zu können“, sagt Gary abschließend. „Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man nichts tut. Und ich liebe es, mich wieder voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren. Ich brauche das einfach. Wenn ich mal keine Zeit dazu habe, dann leide ich richtig darunter. Darum versuche ich auch jeden Tag so intensiv wie möglich zu genießen. Und ich fühle mich so gut dabei, weil sich auch die anderen so viel besser als je zuvor damit fühlen. Ich bin ganz in meinem Element. Und ich denke, dass das auf jeden von uns zutrifft.“

Demokratisch entstanden, unerschrocken und lebhaft umgesetzt, ist „The Circus“ der Sound von vier Männern, die ganz genau wissen, was sie tun – und das vielleicht zum ersten Mal in ihrer Karriere. Wie heißt es noch so schön in dem Song? „Learn To Listen“. Lerne zuzuhören. Take That haben auf sich gehört und liegen damit absolut richtig.

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