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11.02.2009

Bio 2008 "Fearless"

Wie war das noch mit der Krise der Musikindustrie? War es nicht so, dass man Musik bestenfalls noch als Hobby machen kann und es große Hits schon längst nicht mehr gibt? Offensichtlich hat irgendwer vergessen, Taylor Swift von diesen Entwicklungen zu berichten.

Die in Pennsylvania geborene Überfliegerin hat in den letzten zwei Jahren in den USA Millionen von Fans begeistert und Brücken zwischen unterschiedlichen Genres geschlagen, während sie ganz beiläufig zur ultimativen Teenager-Sensation avanciert ist. Jetzt ist sie bereit, eine ganz andere Art von Brücke zu errichten: die über den Atlantik nämlich. Mit "Fearless" erscheint im März ihre erste internationale Albumveröffentlichung auf Universal Music.

Auf dem Album präsentiert Taylor ihre unwiderstehlichen Smash-Hits "Our Song", "Teardrops On My Guitar" und "Should've Said No" endlich auch dem Rest der Welt, wobei auch ihr neuster Hit "Love Story" natürlich auf der LP vertreten ist. Letzterer Track stürmte in nur zwei Wochen in die Top-5 der Billboard-Hot-100 und hat mit über einer Million Downloads bereits Platinstatus erreicht.

Einen ersten Vorgeschmack auf Taylors internationales Debütalbum gab’s bereits, als sie im September 2008 ein atemberaubendes Konzert in London spielte – ein Abend, den nicht nur sie selbst "brillant" fand (dazu muss man wissen, dass "brillant" eines ihrer Lieblingswörter ist). Zu behaupten, sie hätte das Publikum für sich gewonnen und das Haus in einen Hexenkessel verwandelt, wäre noch untertrieben.

"Es fühlt sich fantastisch an, nach Europa zu kommen und noch einmal von vorne zu beginnen. Hier kann ich mich einem ganz neuen Publikum vorstellen", sagt sie. "Das alles ist echt wahnsinnig spannend. Und ich hoffe, dass meine Musik auch hier als das akzeptiert wird, was sie ist: frei von Scheuklappen und jenseits von Genres."

Wenn man Taylor Swift sprechen hört – eloquent, schlagfertig und wahnsinnig charmant –, könnte man ohne weiteres vergessen, dass nur drei Wochen gefehlt haben, und sie wäre in den neunziger Jahren geboren. Allerdings genügt ehrlich gesagt auch ein Blick auf ihre Errungenschaften der letzten zwei Jahre, denn die sprechen ebenfalls eine klare Sprache.

Immerhin haben wir es hier mit einer Sängerin zu tun, die bereits im zarten Alter von 17 die US-Charts auf den Kopf stellte und nacheinander fünf Hits landete, von denen alle auf Platz #1 der iTunes-Charts gingen, während zwei von ihnen zugleich die Spitzenposition der Billboard-Charts einnahmen und das dazugehörige Album ihr gleich dreifaches Platin bescherte. Das allein ist ein Kunststück, das so junge Talente nur höchst selten vollbringen, aber Swift hat dem noch einen draufgesetzt, weil sie ihr Quintett aus Hit-Singles entweder komplett selbst geschrieben oder aber als Co-Autorin verfasst hat, um schließlich von einem Album, bei dem ihr niemand reingeredet hat, drei Millionen Einheiten zu verkaufen – das hatte es so noch nicht gegeben.

Als Taylor auf der Suche nach einem geeigneten Label war, schnappte sie sich kurzerhand ihre Gitarre und spielte einen Showcase im berühmten Bluebird Café in Nashville. Zwar hatte sie schon nach diesem einen Auftritt diverse Angebote auf dem Tisch liegen, aber sie überstürzte trotzdem nichts und wartete auf einen Deal, der ihr genügend kreativen Freiraum geben würde. "Nachdem ich die ersten Gespräche mit unterschiedlichen Labels geführt hatte, wurde mir schon sehr bald klar, dass sie gar nicht daran interessiert waren, dass ich das Album selbst schreibe", berichtet sie. "Das war definitiv ein herber Rückschlag."

Doch dann traf sie Scott Borchetta, der Swift von seinem Plan erzählte, ein neues Independent-Label namens Big Machine in Nashville zu gründen. "Er sagte. 'Ich träume schon länger davon, ein Label zu gründen, und ich würde dich gern als erste Künstlerin im Boot haben.' Allein die Art und Weise, wie er mir dieses Angebot machte, signalisierte mir, dass er mich das machen lassen würde, was mir vorschwebte, ohne mir reinzureden. Und so kam es, dass er das Label tatsächlich gründete und ich eine der ersten Künstlerinnen auf dem Label war; insofern lief das alles ziemlich gut." Wie unschwer zu erkennen, ist auch sie nicht schlecht im Tiefstapeln.

Wenn man sich mit Taylor über ihre Kindheit und Jugend unterhält, wird ziemlich schnell deutlich, dass es für sie weitaus mehr als nur ein Traum war, Musikerin zu werden – sie fühlte sich regelrecht berufen: "Für mich war Musik schon immer das Wichtigste", sagt sie. "Wenn in einem Raum ein Gespräch stattfindet und nebenbei Musik läuft, dann konzentriere ich mich voll und ganz auf die Musik. Das war schon immer so."

"Meine Großmutter war Opernsängerin; sie war selbst in Puerto Rico und Singapur eine ziemlich große Nummer. Früher hat sie jeden Sonntag in der Kirche gesungen, und sie jede Woche bei ihrer Performance zu sehen, hat mich davon überzeugt, dass Auftritte keine große Sache sind – man geht halt auf die Bühne –, insofern hat mir das sicherlich geholfen."

Und dann kamen die Platten. "Mit sechs konnte ich nur noch an Musik denken. Ich war besessen: Nachdem ich meine erste LP von LeAnn Rimes gekauft hatte, war ich süchtig. Mit zehn wollte ich dann auch unbedingt selbst Musik machen. Ich bettelte meine Eltern an, beim Kindertheater mitmachen zu dürfen, und da man immer die Erwachsenen spielen muss, wenn man groß ist, spielte ich schließlich die ganzen Hauptrollen und lernte zweistündige Stücke auswendig. Dadurch gewöhnte ich mich auch schon ziemlich früh an die Bühne und überhaupt an Auftritte."

"Doch dann bemerkte ich irgendwann, dass ich bei den Partys hinter der Bühne am meisten Spaß hatte, weil man da Karaoke singen konnte. Also konzentrierte ich mich aufs Singen und trat bei Festivals, Volksfesten und Wettbewerben auf. Mit elf bearbeitete ich meine Eltern noch einmal, weil ich unbedingt nach Nashville wollte. Also mieteten wir ein Auto und fuhren die Music Row rauf und runter: Ich klingelte bei diversen Labels und präsentierte den Leuten eine CD, auf der Karaoke-Aufnahmen von mir waren. Meistens bin ich einfach rein und hab gesagt: 'Hey, ich bin Taylor, ich bin 11, und ich hätte gerne einen Plattenvertrag. Ruft mich einfach an.'"

Lustigerweise rief niemand bei ihr an. Doch entdeckte Taylor durch diesen Abstecher nach Nashville ihre Faszination für die Musikindustrie und erkannte, wie wichtig es ist, eigene Songs zu schreiben und diese irgendwann auch zu veröffentlichen. "Als meine Familie schließlich nach Nashville zog, war ich 13. Sofort nach dem Umzug klopfte ich bei diversen Musikverlagen an, bis ich eine Firma gefunden hatte, die mich unter Vertrag nahm. Ich war die jüngste Songschreiberin, die jemals einen Vertrag mit Sony Publishing hatte."

"Ich nahm die Sache von Anfang an sehr ernst. In der Schule erledigte ich zwar jeden Tag meine Aufgaben, aber gleichzeitig dachte ich an 10-15 Ideen für neue Songs, die ich am Nachmittag umsetzen wollte. Zugleich entwickelten sich während dieser Zeit gute Freundschaften mit anderen Songschreibern, und ich wurde schon damals von vielen Leuten respektiert, weil ich so fokussiert bei der Sache war."

Und wenn wir jetzt – im Schnellvorlauf sozusagen – noch einmal den Erfolg betrachten, den Taylor seit zwei Jahren in den Staaten hat, wird einem klar, dass er größtenteils darauf zurückzuführen ist, wie glaubwürdig ihre Texte sind. Stücke wie „Our Song“ und „Should’ve Said No“ waren (und sind!) Songs, an die jeder glauben konnte. Irgendwann haben alle so sehr an diese Songs geglaubt, dass Taylor damit einfach an der Spitze der Charts landen musste.

"Meine ersten Songs handelten nur von persönlichen Dingen, die mich gerade beschäftigten", erinnert sie sich. "Ich schrieb sie in so einem rasanten Tempo, dass ich gar nicht erst auf die Idee kam, mich von anderen Musikern oder Melodien inspirieren zu lassen. Mir ging es immer nur darum, wie schnell ich eine Idee zu Papier bringen konnte."

Besagte Songs hat sie in den letzten Jahren im Rahmen von über 200 Konzerten vor insgesamt weit über einer Million Zuschauern gespielt. Jedoch klingen die neuen Stücke der mittlerweile fast 19-Jährigen deutlich reifer: Da wäre zum Beispiel das optimistische "Love Story" ("ein Stück, das auf der Geschichte von Romeo und Julia basiert, allerdings ist es eine moderne Variante davon"), das nachdenkliche "Fifteen" oder das für ihr Alter viel zu einsichtige "White Horse", das kürzlich in einer Folge von "Grey’s Anatomy", übrigens ihre Lieblingssendung, zu hören war.

Und als ob das nicht schon genug wäre, hat Taylor Swift ihre Fühler auch schon in Richtung Kinoleinwand ausgestreckt: Gerade erst hat sie einen Gastauftritt im "Hannah Montana"-Film gehabt, der 2009 in die Kinos kommt, und für ein geplantes 3D-Filmprojekt der Jonas Brothers stand sie auch schon vor der Kamera.

Momentan dreht sich Taylor Swifts Leben natürlich in erster Linie darum, die unglaublichen Dinge zu genießen, die ihr passieren – doch vergisst sie dabei nie, den Erfolg mit dem nötigen Abstand zu betrachten. Auch wenn sie in Kürze sicherlich zu viel Zeit im Flugzeug verbringen wird, um mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen, tut sie letzten Endes genau das, während sie obendrein die Tatsache genießt, dass es ihr Job ist, das zu machen, was sie am liebsten tut.

"Ich brauche jeden Tag Musik. Nichts geht ohne sie. In der Musik können Menschen zeigen, wie sie sich fühlen. Manchmal wissen wir doch gar nicht, wie es uns eigentlich geht, bis jemand daherkommt und das Gefühl genau auf den Punkt bringt – wenn das passiert, hast du einen neuen Lieblingssong. Das ist etwas ganz Besonderes, und es ist mir eine Ehre, Musik zu machen, die möglicherweise zum Lieblingssong eines anderen Menschen werden kann."

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