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09.08.2006

Biografie: PET SOUNDS 40th Anniversary

BEACH BOYS
"Pet Sounds" - 40th Anniversary Edition

"It was Pet Sounds that blew me out of the water. First of all, it was Brian's writing. I love the album so much. I've just bought my kids each a copy of it for their education in life - I figure no one is educated musically 'til they've heard that album. Pet Sound was our inspiration for Sgt. Pepper.
Paul McCartney

"Hearing Pet Sounds gave me the kind of feeling that raises the hairs on the back of your neck and you say, 'What is that? It's fantastic!' It gives you an elation that is beyond logic." Sir George Martin

"Pet Sounds" gilt unter Kritikern nicht nur als das musikalisch beste Album der Beach Boys. Das 1966 veröffentlichte Meisterwerk zählt auch zu den wichtigsten und einflussreichsten Alben der gesamten Rockgeschichte. Anlässlich des 40-jährigen Albumjubiläums erscheint dieser Meilenstein jetzt in einer aufwendigen CD & DVD-Edition.

Bis zur Produktion ihres Opus magnum hatten die Beach Boys, angeführt von Brian Wilson, dem Mastermind der kalifornischen Gruppe, mit wenigen Ausnahmen ("In My Room") nette, unbeschwerte Surfhymnen am laufenden Band veröffentlicht; Songs, die immer nach dem gleichen Muster gestrickt waren. Über eine einfache instrumentale Grundlage türmte man mehrstimmige Harmonien, eine Hauptmelodie, in die sich jeder sofort vernarrte und Texte, die puren Optimismus verbreiteten. Mochten Lieder wie "Surfin' USA", "I Get Around", "California Girls" oder "Barbara Ann" mit ihrem Lobgesang auf Sonne, Strand und Mädchen auch noch so naiv und simpel sein, dank eines individuellen Sounds und fantastischer Vokalparts klangen sie dennoch alle wie harmonische Erleuchtungen.

Aber Brian Wilson, der das damals seltene Privileg genoss, seine Songs selbst produzieren zu dürfen, wollte mehr. Seit "Summer Days (And Summer Nights)" (1965) gab er sich mit genialen Melodie-Einfällen allein nicht mehr zufrieden. Angespornt durch Phil Spector, dessen legendäre Wall-of-Sound-Produktionen er bewunderte, und inspiriert durch das Beatles-Album "Rubber Soul", das ihn nach eigener Aussage glatt umgehauen hatte, begann er zusammen mit seinem Co-Autor Tony Asher mit den Arbeiten an einem Album, das Musik für die Ewigkeit bieten und das Pop-Genre als eigenständige Kunstform etablieren sollte.

Die Produktion stellte alles in den Schatten, was bis dahin an produktionstechnischem Aufwand betrieben worden war. Zehn Monate bastelte Wilson an nie zuvor gehörten Sounds und vertrackten Arrangements. Manchmal tüftelte er einen ganzen Tag am Klang einiger weniger Noten herum. Er legte unterschiedlichste Instrumente übereinander, verwendete Unkonventionelles von Waldhörnern bis Cola-Dosen, Plastikflaschen und Fahrradklingeln. Er ließ Glocken läuten und Hunde bellen, Streicher und Flöten jubilieren, und die Harfen erklingen, als würden sie von Engeln gespielt. Insgesamt waren rund 80 Personen an den Aufnahmen beteiligt, darunter die besten Studiomusiker von Los Angeles wie Larry Knechtel, Hal Blaine, Glen Campbell und Barney Kessel sowie ein komplettes Orchester. Die klangliche Perfektion übertrug sich auch auf die anderen Beach Boys, die, gerade zurückgekommen von einer Tournee, im Studio gesangliche Höchstleistungen ablieferten.

Gleichwohl ist es nicht allein die revolutionäre Produktion, der "Pet Sounds" den Titel "Jahrhundertwerk" verdankt - man bedenke, dass die Studiotechnik Mitte der 60er noch in den Kinderschuhen steckte und Instrumente, Stimmen, Effekte oder die kompletten Klangarrangements mehr oder weniger live auf Tape gebannt wurden. "Pet Sounds" gilt auch als erstes Konzeptalbum der Rockhistorie. Mit Ausnahme des Traditionals "Sloop John B." (US #3, UK #2, D #1) handeln alle Songs vom Erwachsen werden, vom Verlust der Unschuld und der ewigen Suche nach Liebe und Glück. Brian Wilson kleidete diese bittersüße Thematik "in die poetischste Musik, die je von einem Popmusiker erdacht wurde" (Rolling Stone). Mehr noch: Er schuf Songs, denen die Zeit nichts anhaben konnte. Ganz gleich, ob "Wouldn't It Be Nice" (US Charts #8), "You Still Believe In Me", "Don't Talk (Put Your Head On My Shoulder)", "Let's Go Away For Awhile" oder "God Only Knows" (US #39, UK #2), das zu Paul McCartneys All-Time-Favorites gehört ("bei der Nummer krieg ich immer einen Kloß im Hals"), alle Songs klingen auch heute noch neu und frisch wie an jenem 16. Mai 1966, als "Pet Sounds" veröffentlicht wurde.

40 Jahre später erscheint das "greatest album of all time" (Mojo Magazine) in einer exquisiten Jubiläumsedition mit CD und DVD. Auf der CD finden sich die 13 Originalsongs jeweils in Mono und in Stereo und der Bonus-Track "Hang On To Your Ego". Die DVD enthält ein "Making Of Pet Sounds" inklusive Interviews mit allen Beach Boys, die Dokumentation "Pet Stories" mit aktuellen Interviews, eine Fotogalerie und selten gezeigte Promotion-Streifen aus den 60ern sowie unter dem Titel "Rhythm Of Life" einen bislang noch nie gezeigten Film über das Zusammentreffen von Brian Wilson mit dem Beatles-Produzenten Sir George Martin. Zudem kann man auf der DVD auch das Originalalbum im 5.1-Surround-Sound hören - ein ganz besonderer Genuss, bei dem sich die ganz Pracht dieses ersten Gesamtkunstwerks der Popmusik komplett entfaltet. Für LP-Fans erscheint "Pet Sounds" auch als edel aufgemachtes Doppelalbum mit Klappcover und farbigem Vinyl.

Mit dem schönsten und bewegendsten Album, das die Beach Boys je produziert haben, erreichte Brian Wilson den Zenit seiner Schaffenskraft. Zugleich bescherte "Pet Sounds" der Gruppe den Durchbruch in Europa und inspirierte die Beatles zu ihrem Meilenstein "Sgt. Pepper". Diverse Singleauskopplungen stürmten die Charts und mit dem Megasong "Good Vibrations", der im Anschluss an "Pet Sounds" in mehrmonatiger Produktionszeit entstand, und der jetzt zusammen mit weiteren Versionen und der originalen Single-B-Seite als 6-Track-EP ebenfalls wiederveröffentlicht wird, erreichten die Beach Boys auf beiden Seiten des Atlantiks den ersten Platz der Charts. Ende 1966 waren sie die erfolgreichste Gruppe der Welt. Selbst im Jahrespoll der englischen Popbibel NME belegte die Band vor den Beatles und den Rolling Stones den Spitzenplatz.

August 2006

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