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21.03.2013

Es geht auch ohne Bass - Das neue Album und ECM- Debüt von Third Reel

Das italienisch-schweizerische Trio überrascht auf seinem ECM-Debüt nicht nur durch die ungewöhnliche Besetzung mit Saxophon, Gitarre und Schlagzeug, die natürlich Erinnerungen an das Trio von Paul Motian mit Bill Frisell und Joe Lovano wecken dürfte.

Third Reel, Es geht auch ohne Bass © Igor Ponti/ ECM Records

Third Reel stellt sich auf seinem Debütalbum für ECM in sechzehn lebhaft-expressiven Stücken als Trio vor, das nur so vor kreativem Potenzial strotzt. Der Italo-Schweizer Nicolas Masson und seine italienischen Partner Roberto Pianca und Emanuele Maniscalco sind engagierte Improvisatoren und gleichzeitig allesamt begabte Komponisten. Wobei jeder Einzelne eine klar erkennbare eigene Handschrift besitzt. Die daraus resultierenden Kontraste und das allen gemeinsame feine Gespür für Raum geben der Gruppe ihre klangliche Identität. “Oft umspielen wir die wunderbaren Melodien, die uns Emanuele vorlegt”, umschreibt Masson die verschiedenen Arbeitsweisen. “In Robertos Stücken geht es häufig um die Sondierung von Akkordfarben, und meine eigenen Kompositionen neigen dazu, kontrapunktisch zu sein.” Mit seiner ungewöhnlichen Besetzung mit Saxophon, Gitarre und Schlagzeug erinnert Third Reel natürlich - wenn auch nur sehr entfernt - an ein anderes Trio, das mit seinen Aufnahmen bei ECM für Furore sorgte: jenes von Paul Motian mit Bill Frisell und Joe Lovano.

Obwohl alle Mitglieder des Trios als Bandleader auch eigene Formationen unterhalten, ist die Zusammenarbeit in Third Reel momentan ihre Priorität. Zueinander gefunden haben sie auf sehr zeitgemäße Weise über soziale Netzwerke. “Das war die erste und auch einzige gute Sache, die ich meinem MySpace-Konto zu verdanken habe”, verrät Masson. Er nahm Roberto Pianca in seine “Freundesliste” auf, nachdem dieser seine Seite besucht hatte, und stattete im Gegenzug auch Piancas Seite eine Visite ab. Dabei stellte er fest, dass sie viele musikalische Gemeinsamkeiten hatten und hinterließ ihm eine Nachricht. Schon bald reiste Pianca von Lugano nach Genf, um mit Masson zu jammen. Das Trio wurde gleich zu Beginn ohne Bass konzipiert. “Das bedeutet, dass jeder Musiker mehr Verantwortung hat und wir auch größere Risiken eingehen.” Emanuele Maniscalo komplettierte Third Reel 2010, nachdem Masson und Pianca schon mit einer Reihe anderer Schlagzeuger experimentiert hatten. “Wir spielten ein fantastisches erstes Konzert, obwohl wir uns darauf kaum vorbereitet hatten”, erinnert sich Masson. “Wir improvisierten frei und wussten sofort, dass er der richtige Mann für die Band war.”

Der 1983 in Brecia geborene Emanuele Maniscalco ist ein weitgehend autodidaktischer Musiker. Mit acht Jahren begann er Piano zu spielen und wechselte vier Jahre später zum Schlagzeug. Enrico Rava entdeckte ihn, als er noch ein Teenager war, bei einem Konzert in Siena und holte ihn gleich in seine Workshop-Band. Zwischen 2004 und 2007 spielte Maniscalco regelmäßig mit Rava. Darüber hinaus arbeitete er oft mit Stefano Battaglia zusammen und gelegentlich mit anderen Größen der italienischen Jazzszene wie Stefano Bollani, Gianluca Petrella und Giovanni Guidi (zu hören ist er z.B. auf Guidis von der Kritik gefeiertem Trio-Album“Tomorrow Never Knows”). In letzter Zeit hat sich Maniscalco wieder mehr dem Klavier zugewandte und arbeitet nun teils als Pianist, teils als Schlagzeuger. Unter eigenem Namen hat er u.a. das Album “From Time To Time  - The Music Of Paul Motian” für El Gallo Rojo Records aufgenommen. Mit dem US-Bassisten Thomas Morgan unterhält er zur Zeit außerdem ein Duo.

Gitarrist Roberto Pianca bereichert Third Reel durch eine Klangpalette, die von verzerrten Post-Hendrix-Sounds bis zum delikaten, lyrischen Spiel à la Jim Hall reicht. Der 1984 geborene Pianca studierte zunächst an der Scuola di Musica Moderna in Lugano und am Amsterdamer Konservatorium, bevor er in New York bei Saxophonist John O’Gallagher und Pianist Russ Lossing Privatstunden nahm. Pianca ist heute in den unterschiedlichsten musikalischen Kontexten aktiv (Jazz, zeitgenössische Klassik, Folk, Rock) und spielte u.a. schon mit Joey Baron, Savina Yannatou, Sienna Dahlen und Yuri Goloubev.

Nicolas Masson ist Jahrgang 1972 und tauchte kopfüber in die Improvisationsszene ein, als er mit 20 Jahren in New York Cecil Taylor und den Schlagzeuger J. R. Mitchell kennenlernte und danach bei Frank Lowe und Makanda Ken McIntyre studierte. “Dadurch gewann ich Einsichten in die Beziehung zwischen dem freiem Spiel und der Jazztradition, die ich in Europa kaum hätte erlangen können.” Nach seiner Rückkehr nach Genf studierte er am Conservatoire Populaire de Musique und absolvierte Meisterkurse bei Lee Konitz, Dave Douglas und Misha Mengelberg.  Inzwischen ist Masson einer der führenden Köpfe der neuen Schweizer Jazzszene und arbeitete u.a. schon mit Kenny Wheeler, Josh Roseman, Colin Vallon, Patrice Moret, Ben Monder, Gerald Cleaver und Ted Poor zusammen.

 


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