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03.11.2016

Thomas Azier, "Rouge", 2017

Es ist nur folgerichtig, dass Thomas Aziers zweites Album "Rouge" einen französischen Titel bekommen hat. Dafür sollte man wissen, dass der 29-jährige niederländische Künstler sich nach fast einem Jahrzehnt in Berlin nun in Paris niedergelassen hat, was sicherlich auch etwas mit dem Erfolg seines ersten Albums Hylas in Frankreich zu tun hat. Außerdem ist der Einfluss großer französischer Künstler und Songwriter, ganz im Gegensatz zum Debüt, in vielen Songs des neuen Albums offenkundig. Der Albumtitel selbst ist inspiriert von dem französischen Ausdruck "le fil "Rouge"" ("der rote Faden"), was Aziers künstlerische Intention ganz gut auf den Punkt bringt. Denn er hatte sich zum Ziel gesetzt, ein ganzheitliches Album zuwege zu bringen, bei dem sich Text und Musik thematisch fortlaufend aufeinander beziehen. "Ich bin geradezu besessen von Alben mit einem roten Faden", gesteht Azier, "und ich bin noch faszinierter von dem Umstand, dass mehr als nur ein Faden in einem Werk verwoben sein kann."

Thomas Azier ist mit 19 Jahren nach Berlin gezogen, um sich künstlerisch zu verwirklichen. Doch auch wenn die deutsche Hauptstadt als Paradies für Künstler gilt, empfand Azier die raue Wirklichkeit der Metropole, die immer wieder auftauchende Trostlosigkeit, mitunter als erdrückend. Seine Erfahrungen in Berlin flossen nicht nur in das Album ein, sie bildeten förmlich die Essenz des Albums. Entstanden war das musikalisch überzeugende Hylas in der kühlen Umgebung eines Fabriklofts, in dem sich Azier eingerichtet hatte und das den Sound des Albums ebenso prägte wie dessen intim-detailreichen Songtexte.

Aber trotzdem war Thomas Azier nicht vollkommen zufrieden. Obwohl er sein Debüt noch immer "als fantastisches erstes Ausrufezeichen" betrachtet (Kernaussage: "Ich bin hier! Das ist, was ich mache!"), räumt er rückblickend ein, dass es ihn in gewisser Weise als recht distanzierten Menschen präsentierte, was vor allem daran lag, dass er sich von seiner Umgebung entfremdet fühlte. Heute, so Azier, ist er nicht nur gereifter, sondern auch warmherziger, gelassener und mit sich selbst im Reinen. "Ich habe viel Zeit damit verbracht nachzudenken, aber um zu schreiben, muss man leben. Man muss ausgehen und Spaß haben."

Für Azier geht es vor allem darum, sich selbst treu zu bleiben – und zu diesem Zweck haben ihm bei der Albumproduktion zwei Menschen ausschlaggebend geholfen: der Musiker und Produzent Dan Levy (The Dø) sowie sein Bruder Isa, die er humorvoll als seine "bullshit detectors" bezeichnet, die also tunlichst darauf achteten, dass er keinen Bockmist verzapfte.

Es ist jedoch letztendlich Thomas Aziers formidable Stimme, die dem Album mit seiner beachtlichen Bandbreite und Intensität würdevollen Glanz verleiht und der eigentliche Herzschlag von "Rouge" ist. Nicht umsonst bewundert er Crooner wie Scott Walker und Roy Orbison. So betont er: "Der rote Faden, der fil "Rouge" in allen Songs bin ich, ist meine Stimme, meine Persönlichkeit. Ich mag es, wie man Platten über lange Zeit betrachten kann, wie etwa die von Gainsbourg. Ich will auch alle Filter ausblenden und ziele direkt auf das Gefühl, denn für mich geht es immer um Kommunikation. Ich habe keine Angst davor, mich auf extreme Art und Weise auszudrücken, denn für mich bedeutet Künstler zu sein, dass man auch mal bestimmte Aspekte der Persönlichkeit unter die Lupe nimmt. Manchmal gehe ich mit meiner Stimme bis an die Schmerzgrenze, denn schließlich denke ich nicht an Gesangstechnik, sondern nur an das Gefühl. Eigentlich denke ich dabei gar nicht! Ich möchte nur Popsongs machen, die Menschen tief berühren. Ich möchte nichts umständlich machen, um klug daherzukommen. Alles muss so einfach wie möglich sein und ich versuche, mir selbst treu zu bleiben. Aber manchmal schieße ich auch über das Ziel hinaus: Boom! Dann spüre ich, dass ich lebe."


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