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11.01.2011

Hampsons Füllhorn

Thomas Hampson ist nicht nur Amerikas bekanntester Bariton auf Opernbühnen, sondern auch ein gefragter Liedinterpret. Zum Jubiläumsjahr nimmt er sich Gustav Mahlers Orchesterlieder „Des Knaben Wunderhorn“ vor

Thomas Hampson, Hampsons Füllhorn © Marco Borggreve / Deutsche Grammophon

Gustav Mahler hatte eine Vision. Er wollte das Lied aus dem Rahmen der Klavierbegleitung herauslösen, um ihm im Klanggewand des Kammerorchesters neue Facetten zueignen zu können. Das war für seine Generation ein ungewöhnliches Vorhaben und gibt auch ein Jahrhundert später der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ eine besondere, stilistisch wegweisende Bedeutung. Die Text-Vorlagen waren allerdings für diese Vorhaben ein wenig sonderbar. Denn die Gedichte, die Clemens Brentano und Achim von Arnim zwischen 1805 und 1808 unter dem Titel „Des Knaben Wunderhorn“ herausgegeben hatten, gaben sich betont volkssprachlich und jovial. Sie trugen dazu bei, dass aus der zeitlichen Distanz ein verklärtes Bild von der deutschen Romantik sich in den Köpfen der Menschen festsetzte, das das schlichte Leben der einfachen Leute mit deren Freuden und Sorgen heroisierte.

Auf der anderen Seite inspirierte die Sammlung aber auch Künstler, sich mit den durch sie transportierten Sinninhalten zu befassen. Gustav Mahler sah die Sammlung als Möglichkeit, formal zu experimentieren. Die vergleichsweise einfachen Geschichten der Gedichte aus dem Land- und Soldatenleben, die beim Zuhören kaum Verständnisprobleme hervorriefen, ermöglichten es ihm, auf der Seite der Orchestrierung aufwändig und vielschichtig zu arbeiten. Er erfand für jeden der 14 Texte eine spezielle Klangfarbe, die dem episch-emotionalen Geschehen der Worte zu entsprechen versuchte. Genau genommen erfand er für jedes Lied ein eigenes Orchester mit gesonderter Besetzung, das mit den jeweiligen Inhalten korrespondierte.

Als Gustav Mahler am 29.Januar 1905 in den kleinen Brahms-Saal des Wiener Musikvereins zu einem „Liederabend mit Orchester“ lud und auf diese Weise zum ersten Mal seine Idee vom Kammermusikton der Ensemblebegleitung den Spezialisten vorstellte, waren die Meinungen durchaus geteilt. Inzwischen weiß man, dass die Wechselwirkungen zwischen seiner Sinfonik und den Liedgestaltungen vielfältig waren und „Des Knaben Wunderhorn“ als Zyklus Zeichen setzte für die Klangkunst der 20.Jahrhunderts. So gehört es neben Brahms und Richard Strauss zu den großen Werken des Übergangs zu einer neuen Tonsprache und ist auch für einen Bariton vom Schlage Thomas Hampsons eine Herausforderung, alles zu geben.

Dabei ist er bereits international etabliert als einer der zentralen Interpreten der Liedkunst und hat im Konzertsaal sich durchaus mit „Des Knaben Wunderhorn“ beschäftigt. Für die CD-Version allerdings vertiefte er sich abermals tief in die Geheimnisse der Partitur und wählte mit den Wiener Virtuosen, einen Teilbesetzung der Wiener Philharmoniker, ein Ensemble, das zu den erfahrensten im Umgang mit dem Oeuvre des Komponisten gehört. So konnte zum Jubiläumsjahr – im Mai 2011 wird dem 100.Todestag von Gustav Mahler gedacht – eine wegweisende Aufnahme entstehen, die gleich zu Beginn der Saison Maßstäbe der Interpretation setzt.

Hören Sie hier ein Gespräch über Mahler und das neue Album "Des Knaben Wunderhorn" zwischen Julia Kaiser und Thomas Hampson:


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