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12.03.2004

Nachklänge

Thomas Quasthoff, Nachklänge

Selten waren sich Publikum und Kritik so einig. Thomas Quasthoff ist einer der wichtigsten Sänger seiner Generation. Ob Schubert, Schumann, Brahms oder Mahler - kaum einer sonst kann mit seiner Stimme derart intensiv und ungekünstelt die Emotionen in der Musik herausarbeiten. Dafür wurde er inzwischen zum zweiten Mal mit einem Grammy belohnt. Und das setzt er nun mit seinem romantischen Recital "Widmung / A Romantic Songbook" fort.

Hochschulen können grausam sein. Als Thomas Quasthoff sich in jungen Jahren zum Studium bewarb, bekam er Ablehnungen mit dem zynischen Bescheid, dass er nicht Klavier spielen könne. Doch er ließ sich nicht entmutigen und machte weiter. Seit seinem 14.Lebensjahr bekam der 1959 in Hildesheim geborene Sänger Privatunterricht, Gesang bei Charlotte Lehmann, Musiktheorie und -geschichte bei Ernst Huber-Contwig. Er ging seinen Weg, auch wenn die körperlichen Handicaps manches erschwerten. Er ließ sich nicht entmutigen und so schaffte es Quasthoff, einen Fuß in die Tür des internationalen Geschäfts zu bekommen. 1988 gewann er den 1.Preis des angesehenen ARD-Wettbewerbs, acht Jahre später den Schostakowitsch-Preis in Moskau und den Hamada Trust / Scotsman Festival Price in Edinburgh. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Anfänge als Sprecher beim Norddeutschen Rundfunk längst hinter sich gelassen. Nach seinem gefeierten Oregon-Bach-Festival Debüt 1995 war er bereits auf dem Weg ein internationaler Star zu werden. Er machte die Runde bei den Festivals, sang 1999 Schuberts "Winterreise" in New York und wurde bald darauf von den Juroren des Grammy zum besten Sänger für die Interpretation von Mahlers "Des Knaben Wunderhorn" (2000) gekürt. Auch die akademische Welt kehrte reuevoll zu ihm zurück und machte ihn 1996 zum Professor an der Musikhochschule Detmold, wo sich Quasthoff seitdem intensiv um den musikalischen Nachwuchs bemüht.

 

So ist Quasthoff rundherum eine Ausnahmegestalt. "1,34 Meter groß, kurze Arme, sieben Finger - vier rechts, drei links - großer, relativ wohl geformter Kopf, braune Augen, ausgeprägte Lippen. Beruf: Sänger", charakterisierte er sich selbst für ein TV-Portrait von Radio Bremen und überging damit schelmisch, dass er eine der schönsten Stimmen der Gegenwart hat. Das neue Recital "Widmung / A Romantic Songbook" knüpft an seine Erfahrungen mit den Liederzyklen des 19.Jahrhunderts an und stellt gemeinsam mit Justus Zeyen am Klavier einen sorgfältig ausgewählten Querschnitt romantischen Repertoires vor. Lieder von Schubert und Schumann sind dabei, von Mendelssohn und Hugo Wolf, aber auch von Carl Loewe und Richard Strauss. Quasthoff konzentriert sich darauf, ein möglichst breites und buntes, stellenweise sogar ironisiertes Spektrum empfindsamer Melodien darzubieten. Da hat es tragisch-dramatische Momente mit Schumanns "Belsatzar", Pathetisches wie Loewes "Odins Meeresritt", kokette Passagen wie in Wolfs "Storchenbotschaft" oder einfach wunderbare Klassiker wie Schuberts "Heideröslein". Quasthoffs warmer, flexibler Bassbariton, seine brillante Artikulation und die Gabe, aus poetischen Texten in enger Kommunikation mit dem Klavier ein emotional erfahrbares Klangereignis zu gestalten, machen aus den 24 Liedern von "Widmung" ein faszinierendes Kompendium musikalischer Intensität.


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