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10.09.2010

Ein Musikalischer Wirbelsturm: Trombone Shorty

New Orleans gilt als musikalischer Schmelztiegel. Aus den besten Ingredienzien der lokalen Szene hat der Senkrechtstarter Trombone Shorty für sein Verve-Debütalbum “Backatown” nun einen höllisch scharfen Musik-Gumbo gekocht

Trombone Shorty, Ein Musikalischer Wirbelsturm: Trombone Shorty © by Steven Haberland

Mit Wirbelstürmen hat man in New Orleans so seine Erfahrungen. An den tiefen Wunden, die Katrina 2005 schlug, leckt die Metropole am Mississippi-Delta noch heute. Jetzt ist in Big Easy, wie die Einwohner ihre Stadt gerne liebevoll nennen, ein neuer Wirbelsturm aufgetaucht. Der sorgt aber glücklicherweise auf ganz andere Art für weltweite Furore: Dieser Wirbelsturm hört auf den Namen Trombone Shorty, ist - wie der Name schon erahnen lässt - ein furioser Posaunist, aber zugleich auch ausdrucksvoller Sänger und Trompeter sowie ein gewitzter Songwriter. Mit seiner Band New Orleans Avenue gehört er - obwohl erst 24 Jahre jung - schon seit einer halben Ewigkeit zu den Helden der lokalen Musikszene. Und mit seinem Verve-Debütalbum “Backatown” sorgt er nun dafür, dass dieser Ruf auch in den Rest der Welt hinausgetragen wird. Das Album enthält einen hochexplosiven Stilmix aus Funk, Rock, Rhythm’n’Blues, Jazz und HipHop, den Shorty selbst einfach “Supafunkrock” nennt. Aufgenommen hat er es mit seiner eingespielten Band und Gästen wie Lenny Kravitz, New-Orleans-Legende Allen Tousaint und dem Bayou-Soul-Musiker Marc Broussard.

1986 in New Orleans geboren, wuchs Troy Andrews (so Trombone Shortys wirklicher Name) in einer Gegend im Stadtteil Treme auf, die von den Einheimischen “Back of Town” oder “Backatown” genannt wird. Treme gilt als das “musikalischste Viertel der musikalischsten Stadt der USA”, und das Herz dieses Viertels ist wiederum der legendäre Congo Square. Zu den Musikern, die in Treme das Licht der Welt erblickten, gehören u.a. der kreolische Jazzklarinettist Alphonse Picou und Trompeter Kermit Ruffins. Und auch die Rebirth Brass Band hatte dort ihre Wiege. In dieser von Musikern jeglicher stilistischer Couleur bevölkerten Gegend wuchs Troy Andrews auf und marschierte, kaum dass ihn seine Beine trugen, mit den allgegenwärtigen Brassbands durch die Nachbarschaft. Den Spitznamen Trombone Shorty verpasste ihm sein älterer Bruder James, als er den vierjährigen Troy bei einer solchen Straßenparade mit einer Posaune herumhantieren sah, die zweimal so groß war der kleine Blasebalg.

Seither erregte er immer wieder großes Aufsehen und begeisterte sein Publikum, wo immer er auftauchte. Selbst der sonst eher etwas steife und konservative Wynton Marsalis, wie Shorty ein Sprössling der musikalischen Stadt, nennt sich “sein größter Fan”. Um diesen Titel kann er sich aber gleich mit einer Reihe anderer prominenter Musiker streiten: Rock-Superstar Lenny Kravitz, der Trombone Shorty schon auf eine seiner Welttourneen mitnahm und gerade sein aktuelles Album (Arbeitstitel: “Negrophilia”) mit ihm aufnimmt, nennt den 24jährigen ein musikalisches Genie. U2s Bono und The Edge gehören zu seinen Bewunderern, seit sie den damals zwölfjährigen Shorty in einem Club in New Orleans live erlebten und zu seiner mitreißenden Musik auf den Tischen tanzten. Auch Allen Toussaint, der Doyen der lokalen Musikszene, ließ sich nicht zweimal bitten, als ihn Trombone Shorty einlud, für “Backatown” gemeinsam eine neue Version seines Klassikers “On Your Way Down” aufzunehmen. Hinterher lobte Toussaint den Youngster überschwänglich: “In New Orleans geht musikalisch wirklich eine ganz Menge ab. Aber keiner ist besser als Trombone Shorty.”

Den Beweis dafür liefert das spritzige Album “Backatown”, das in den USA neun Wochen lang an der Spitze der Billboard-Charts stand.


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