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Violin Sonatas - Franck, Grieg, Janácek

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17.10.2007

Liebeserklärung an das Leben

Vadim Repin, Liebeserklärung an das Leben

Ein junges Orchester braucht auch junge Vorbilder. Als der Dirigent Riccardo Muti im vergangenen Jahr nach einem Solisten suchte, den er mit dem von ihm gegründeten italienischen Jugendorchester kombinieren könnte, kam er auf Vadim Repin, einen der versiertesten Geiger unserer Tage. So entstand eine  Zusammenarbeit, die nach dem pädagogischen Auftakt zunächst mit Tschaikowskys Violinkonzert und den New Yorker Philharmonikern und nun auch mit den Wiener Philharmonikern fortgesetzt werden konnte. Diese enge Verbindung zwischen Dirigent und Solist ist wesentlich für die Entstehung einer herausragenden Einspielung, schließlich muss jeder ahnen können, was der andere für Schwerpunkte zu setzen vermag. Das Resultat der intensiven Kooperation ist nun mit dem vielleicht wichtigsten Klassiker des Genres zu erleben: dem Violinkonzert von Ludwig van Beethoven. Es ist nicht nur ein Glanzpunkt der Diskografien beider Künstler, sondern darüber hinaus auch das Solo-Debüt Vadim Repins für die Deutsche Grammophon.

Die meisten Instrumentalkonzerte entstanden für eine bestimme Person. Beethoven schrieb sein Violinkonzert auf Bitten und Anregung seines Freundes Franz Clement, der als Primgeiger des Orchesters des Theaters an der Wien zu Weihnachen 1806 ein Vorzeigestück brauchte. Es entstand derart überstürzt, dass der Virtuose einen großen Teil vom Blatt spielen musste, denn Beethoven hatte es nur mit Ach und Krach geschafft, die Noten rechtzeitig abzugeben. Für die Druckfassung 1808 verfeinerte der Komponist das Konzert noch um einige Details. Den Durchbruch in der Publikumsgunst allerdings schaffte es erst 1844, als sich der Geiger Joseph Joachim gemeinsam mit Mendelssohn-Bartholdy als Dirigent dem Werk annahm. Demgegenüber erstaunt die Perfektion der kompositorischen Gestaltung, die bis in die Nuancierungen der Töne reicht. "Das Werk ist von kindlicher Schlichtheit und zugleich von großer spiritueller Reife", meint Vadim Repin und konkretisiert seine Vorstellung davon folgendermaßen: "Ich verstehe es als eine Liebeserklärung an das Leben. Der zweite Satz ist wie eine Beichte in der Kirche, die Streicher in der Eröffnung klingen wie ein leiser Chor. Er weist den Weg in die Selbstfindung, lässt einen trennen zwischen schönem Schein und dem, was wahr ist im Leben. Spielt man dieses Werk, ist man vollkommen entblößt, verletzlich. Der Interpret kann nichts verbergen. Er enthüllt sein Wesen".
 
Das wiederum bedeutet aber, dass gerade jemand wie der russische Stargeiger Vadim Repin, der präzise auf die Wirkung und Perfektion seiner Kunst Wert legt, sich dieses Konzert für einen besonderen Moment aufhebt. "Ich habe es für den richtigen Zeitpunkt aufgespart. Wenn ich es früher aufgenommen hätte, müsste ich es jetzt noch einmal tun. Eine Aufnahme ist ein Dokument, das bleibt, aber sie gibt nur meine Auffassung an jedem Tag wieder - sie hält nur diesen Augenblick fest." Wobei allerdings die Auseinandersetzung das Resultat eines ausführlichen Reflexionsprozesses ist: "Die ganze Zeit über haben sich neue Aspekte der Interpretation eröffnet. Die Suche hört nie auf, jeder Takt ist eine Erfahrung für sich. Es gibt tausende kleiner Töne, die man zuerst gar nicht wahrnimmt, aber wenn man sie erst einmal beachtet und durchlebt, wird jeder von ihnen bedeutungsvoll. Das ist nur bei diesem Konzert so, es gibt kein vergleichbares Werk". Und es gibt auch kein vergleichbares Orchester, denn gerade die Fähigkeit, bei allem Volumen und aller Wärme die Klarheit zu behalten, ist eine der Spezialitäten der Wiener Philharmoniker. Riccardo Muti versteht es, diese Nuancen aus dem ensemble heraus zu locken und schon deshalb ist die Neuaufnahme des Beethoven'schen Violinkonzertes ein musikalisches Ereignis - ganz abgesehen von dem Differenzierungsvermögen und der grandiosen emotionalen Präsenz des 37-jährigen Solisten. Die Singularität des Werkes ist übrigens auch ein Grund, weshalb Repin sich entschlossen hat, es mit keinem anderen Konzert, sondern mit einem strukturell verschiedenen Stück, der allerdings ebenfalls famosen "Kreutzersonate" gemeinsam mit seiner langjährigen musikalischen Partnerin Martha Argerich am Klavier zu kombinieren. Rundum also ein faszinierendes Debüt, dem Niveau und Stil des herausragenden Geigers angemessen.


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