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Valentina Lisitsa BACKSTAGE EXCLUSIV

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05.07.2012

Youtube-Phänomen Valentina Lisitsa triumphiert in der Royal Albert Hall

Pianistin Valentina Lisitsa hat den herkömmlichen Karriereweg der Klassikszene auf den Kopf gestellt. Der Erfolg ihrer Online-Videos ebnete ihr den Weg in eines der bedeutendsten Konzerthäuser der Welt, die Royal Albert Hall.

Valentina Lisitsa, Youtube-Phänomen Valentina Lisitsa triumphiert in der Royal Albert Hall © Stephen Frak

Valentina Lisitsa hat sich mithilfe des Internets in die Herzen eines Millionenpublikums gespielt und das Aufsehen der internationalen Kritiker und Konzertveranstalter erregt. 2007 veröffentlichte die aus der Ukraine stammende Pianistin, deren Karriere bis dahin unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle einer größeren Öffentlichkeit verlaufen war, einen Videoclip mit der Aufnahme einer Einspielung der Etüde op. 39 Nr. 6 von Sergeij Rachmaninoff auf der Videoplattform Youtube. "Die Bildqualität war niedrig, der Klang alles andere als großartig - doch wir stellten es ins Internet, weil es nichts kostete! Und aus irgendeinem Grund gefiel es den Leuten", rekapituliert Lisitsa die Initialzündung zum erfolgreichen Neustart ihrer musikalischen Laufbahn.

50 Millionen Youtube-Klicks

Die in der Folge auf Youtube veröffentlichten Videos ihrer Einspielungen der Etüdensammlungen op. 10 und 25 von Frédéric Chopin fanden in Form einer von Lisitsa in Eigenregie produzierten DVD den Weg zum Online-Versandhaus Amazon, wo sie prompt zum Bestseller wurden. "Und das ganz ohne Besprechungen in den einschlägigen Magazinen und ohne jedes Marketing", so die Pianistin. Aktuell nähert sich die Zahl der Aufrufe ihrer Videos der sagenhaften 50 Millionen-Marke und nahezu 56.000 Menschen weltweit sind als Abonnenten ihres Youtube-Kanals registriert. Valentina Lisitsa repräsentiert damit ein in der Klassikwelt bislang beispiellos erfolgreiches Modell der Selbstvermarktung. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass es mir gelungen ist, einen neuen Weg aufzuzeigen. Täglich erhalte ich Emails von Menschen, die mir mitteilen, dass ich ihnen Hoffnung mache - weil mein Beispiel beweist, dass man es ohne eine riesige Menge Geld oder eine angesagte PR-Firma schaffen kann, allein durch Mund zu Mund-Propaganda."

Wider die Perfektion in der Musik

Gegenüber ihrer Anhängerschaft zeigt Lisitsa zudem eine Offenheit und Bodenhaftung, die in deutlichem Gegensatz zum elitären Habitus des Klassik-Establishments steht. So gewährt sie auf ihrem Youtube-Kanal auch Einblicke in die Mühsal, die einer perfekt erscheinenden Aufnahme vorausgehen kann. Man kann sehen, dass die Virtuosin auch einmal daneben greift und kann mit ihr darüber lachen, dass sie für die Aufnahme von Rachmaninoffs vertrackten Études-tableaux einen neuen Anlauf nach dem anderen nehmen muss. "Musik ist eine flüchtige Kunst und ein Moment lässt sich nicht festhalten und in Stein meißeln", erklärt Lisitsa. "Ich kämpfe gegen die Idee der Perfektion in der Musik, denn die heute aufwachsende Generation ist perfekte Einspielungen auf CD gewohnt und hält das Gehörte für authentisch."

Decca präsentiert das Debüt in der Royal Albert Hall

Ihren Einstand im Künstlerstamm des Hauses Universal gab Lisitsa als Klavierpartnerin der Geigerin Hilary Hahn auf der im Januar 2012 auf Deutsche Grammophon erschienenen Aufnahme der Violinsonaten des US-amerikanischen Komponisten Charles Ives. Unterdessen hat Decca die Pianistin exklusiv unter Vertrag genommen und präsentiert nun den vorläufigen Höhepunkt ihrer Sololaufbahn: Ab sofort ist Valentina Lisitsas Debütkonzert in der Royal Albert Hall vom 19. Juni 2012 auf CD erhältlich, die DVD erscheint am 31. Juli 2012. Selbstredend hat sie auch diese wichtige Karrierestation eigenhändig vorbereitet. Mit der weltweiten Aufmerksamkeit für ihre unkonventionellen Online-Aktivitäten im Rücken war Lisitsa mit einer Konzertanfrage selbst auf das Haus zugegangen. Unmöglich habe man sich dieser "Naturgewalt und außerordentlich talentierten Musikerin" in den Weg stellen können, so Jasper Hope, Geschäftsführer der Royal Albert Hall.

Online-Abstimmung über das Konzertprogramm

Die großen Helden der Pianistin stammen aus dem Goldenen Zeitalter des Klavierspiels. “Zuvorderst stehen für mich Rachmaninoff und der große polnische Pianist Josef Hofmann - man kann so viel daraus lernen, wie er bestimmte musikalische Effekte erzielt - und Wilhelm Backhaus, der für seinen Beethoven gerühmt wurde.” Mit ihrer am altmeisterlichen Vorbild geschulten Virtuosität und dem singenden Ton ihres Melodiespiels begeistert Lisitsa ein Millionenpublikum auf Youtube. So nimmt es nicht Wunder, dass die zur Online-Abstimmung über das Konzertprogramm gebetene Fangemeinde romantische Werke von Chopin und Liszt bis hin zu Rachmaninoff und Skrjabin sowie Beethovens “Mondscheinsonate” auswählt hat.


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