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Valentina Lisitsa BACKSTAGE EXCLUSIV

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04.03.2015

Minimalistische Klangwelt - Valentina Lisitsa spielt Philip Glass

Die Musik von Philip Glass ist transparent, puristisch und von minimalistischer Brillanz. Valentina Lisitsa erweist sich mit ihrem neuen Doppelalbum als perfekte Interpretin mit Sinn fürs Detail.

Valentina Lisitsa, Valentina Lisitsa spielt Philip Glass © Alexei Kuznetsoff

Manchmal müssen es gar nicht die großen Gesten eines romantischen Klavierkonzertes sein, damit eine Pianistin das Publikum aufrichtig beeindrucken kann. Mit ihrem neuen Album, das am 6. März bei Decca erscheint, beweist Valentina Lisitsa, wie facettenreich und groß die Ausdruckskraft minimalistischer Klänge sein kann. Die Werke des amerikanischen Komponisten Philip Glass ziehen sofort in den Bann - mit ihrem hypnotisch-repetitiven Stil hat die Musik eine magische und meditative Wirkung.

Die große Kraft der kleinen Geste

Auch wenn die Musik von Philip Glass einen hohen Wiedererkennungswert hat, so ist doch jeder der 21 Tracks auf dem Doppelalbum ganz eigen und facettenreich - es ist wie bei einem Glassteinchen, auf dem sich tausend Sonnenstrahlen brechen. In der Musik findet man viele spannende genreübergreifende Bezüge. Die fünf Teile von Philips Glass’ "Metamorphosis" wurden von Franz Kafkas Erzählung “Die Verwandlung” inspiriert. "Wichita Vortex Sutra" ist der Titel eines Gedichtes von Allen Ginsberg, das Philip Glass für einen gemeinsamen Auftritt mit dem amerikanischen Dichter vertonte. "How now" ist der längste Titel auf dem Album. Fast eine halbe Stunde fließt die Musik unablässig wie ein kristallklarer Strom. Für Valentina Lisitsa war das Stück eine Herausforderung - in den knapp 30 Minuten musste sie als Künstlerin komplett und bedingungslos in die Musik eintauchen und sich auch darauf einlassen, unterwegs kleine Makel in Kauf zu nehmen. Die machen die Aufnahme nur umso einzigartiger und persönlicher und sind der unmittelbare Ausdruck für den Moment, in dem die Musik entstanden ist.

Musikalische Seelenverwandtschaft

Kaum zu glauben, aber als Kind war Valentina Lisitsa so schüchtern, dass sie vom Klavier aufstand und wegrannte, sobald ihr jemand ein Kompliment zu ihrem Talent machte. Mittlerweile ist die Pianistin eine hochprofessionelle und international erfolgreiche Künstlerin. Doch die Gabe, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren und sich darin völlig zu verlieren, hat Valentina Lisitsa sich bewahrt. Die Kompositionen von Philip Glass sind für sie das perfekte Ausdrucksmittel für ein inniges Zwiegespräch mit ihrem Instrument.

Philip Glass ist kein Freund vom Schubladendenken der Klassikwelt und schreibt deshalb neben Instrumental-, Opern- und Ballettmusik auch gerne immer wieder Musik für Filme. Für seine Filmmusik zum Drama "The Truman Show" wurde Philip Glass 1999 mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Titel wie "Something she has to do", "Dead Things" und "Why does someone have to die?" aus dem Film "The Hours" widmen sich mit sparsamen Mitteln der existenziellen Frage nach Leben und Tod und erhielten den BAFTA Award for Best Film Music. Wieder sind es dabei vor allem die kleinen musikalischen Gesten, die besonders berühren. Die schlichte Melodieführung, die eindringlichen Repetitionen, umgesetzt durch Valentina Lisitsas unprätentiös klaren Anschlag - auch als Hörer kann man sich dadurch völlig in der Musik verlieren. Die künstlerische Kombination von Valentina Lisitsas großer Ausdrucksstärke und den minimalistischen Kompositionen von Philip Glass ist ein Glücksfall - absolut sinnstiftend und überzeugend.

Wer Valentina Lisitsa live mit den Werken von Philip Glass erleben will, der hat beim Berlin Festival im Mai die Gelegenheit dazu, denn dieses Jahr ist die Yellow Lounge zum ersten Mal Teil des Festivals. Mit Avi Avital und Valentina Lisitsa sind gleich zwei renommierte Stars der Klassikszene im Arenapark zu Gast.


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