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06.11.2014

Ran Blake spielt Jazz für blaue Stunden

Various Artists, Ran Blake spielt Jazz für blaue Stunden

Wer fröhlichen Jazz zum Fingermitschnippen sucht, ist bei Ran Blake an der falschen Adresse. Denn der Pianist hat eine Obsession für die Musik des klassischen “Film Noir”. Am New England Conservatory in Boston gibt er sogar einen Kurs, in dem er sich mit diesem Genre explizit auseinandersetzt. Das hat natürlich auch seine eigene Musik geprägt. Mehr noch als seine frühen Einflüsse Béla Bartók and Claude Debussy. Blake, der manchmal als eine eigenwillige Kreuzung aus Thelonious Monk und Bill Evans beschrieben wird, ist ein Meister schummriger Stimmungen. In seinen Händen würde wahrscheinlich sogar ein harmloser Gute-Laune-Hit wie “Happy" mysteriöse Untertöne annehmen. Auf seinem neuen Album “Cocktails At Dusk” zollt der 79-jährige Pianist nun einer Ikone des Cool-Jazz der 1950er und 60er Jahre Tribut: der 2009 verstorbenen Sängerin Chris Connor.

Zuckrig und leicht sind die musikalischen Cocktails nicht, die Blake auf diesem Album mal solo, mal mit Gästen serviert, sondern eher mit einer bitteren Beinote versehen und hochprozentig. Aber nichtsdestotrotz sehr delikat. In vier Nummern schlüpft die französische Sängerin Laïka Fatien bravourös in die Rolle von Chris Connor. Zweimal gesellt sich zu Blake der Tenorsaxophonist Ricky Ford, dessen mit grobkörnigem Sandpapier geschliffene Phrasierung an große Meister wie Sonny Rollins und Dexter Gordon erinnert oder auch Bennie Wallace und Odean Pope. Und zweimal kommt kurz, aber prägnant auch Chris Connor in eingespielten Samples zu Wort. Allerdings nicht so wie es seit geraumner Zeit in Mode ist, um eine “virtuelle Zusammenarbeit” zu simulieren. Blake verwendet die kurzen Ausschnitte aus ihren Aufnahmen für Atlantic Records nur, um an die Stimme dere 2009 verstorbenen Connor zu erinnern bzw. diese den Jazzfans, die sie nicht kennen, vorzustellen.


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