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06.11.2014

Alle lieben Nina Simone

Various Artists, Alle lieben Nina Simone

Um so erfolgreiche wie anspruchsvolle Künstler wie Gregory Porter, Melody Gardot und Sophie Hunger dazu zu bewegen, bei einem Tribute-Album mitzuwirken, muss das Thema schon einiges Gewicht haben. Und das hat es bei “‘Round Nina”, der ersten musikalischen Huldigung der zwar vor elf Jahren gestorbenen, aber dennoch unsterblichen Nina Simone. Sie war die letzte der ganz großen Jazz- und Soul-Diven und hat bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Mal jazzig-poppig, mal loungig oder gar im Club-Sound katapultieren die Mitwirkenden dieses Albums einige der bekanntesten Simone-Songs ins Hier und Heute. Das Repertoire reicht vom unverschämt swingenden Ohrwurm “My Baby Just Cares For Me” über Balladen wie “Lilac Wine” bis hin zu Nummern wie “Feeling Good”, die Nina Simones afrikanisches Musikerbe in den Fokus rücken.

Die Verquickung von Kunst und Ideologie bringt in der Regel keine guten Resultate hervor. Denn während erstere von der Ambiguität lebt, erfordert letztere das genaue Gegenteil davon: Eindeutigkeit. Nina Simone bildete in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Die Göttin aus North Carolina war eine Art Martin Luther King der Musik, die für die Causa der Bürgerrechte der Schwarzen am Klavier eintrat. Ihr Repertoire wirkt heute wie ein musikalisches Welterbe, ihre Songs oszillieren zwischen episch und intim, grimmig und tragisch, meditativ und funky. Es ist genau dieses universelle Erbe, an das auf dem Album “‘Round Nina” erinnert wird. In Form einer Anthologie, die als Kollektion leidenschaftlicher Neuinterpretationen von Nina Simones bedeutendsten Standards und Kultstücken konzipiert wurde. Die zarte Sophie Hunger nimmt sich des dunklen, schwerblütigen Stücks “I Put A Spell On You” an, während sich der Koloss Gregory Porter den fragilen Song “Black Is The Color (Of My True Love’s Hair)” vorknüpft. Die Nouvelle-Chanson-Protagonistin Olivia Ruiz überrascht mit einer wirklich originellen Version des Hits “My Baby Just Cares For Me”. Melody Gardot eignet sich subtil das enigmatische “Four Women” an, während die französisch-marokkanische Sängerin Hindi Zahra eine fast schon an Billie Holiday erinnernde Interpretation von “Just Say I Love Him” beisteuert. Der französische Soulsänger Ben l’Oncle Soul brilliert mit dem Klassiker “Feeling Good”. Camille verleiht der Ballade “Lilac Wine” sentimentale Eleganz, während die britische Folk- und Soulsängerin Lianne La Havas den Song “Baltimore” mit modernem Funk-Einschlag aufpeppt. Das südkoreanische Stimmwunder Youn Sun Nah bringt schließlich “Plain Gold Ring” neu zum Erstrahlen.

Für den roten Faden, der die abwechslungs- und stimmungsreichen Aufnahmen dieser zehn Interpreten raffiniert miteinander verknüpft, sorgt ein exzeptionelles Trio, das aus dem Pianisten/Keyboarder Bojan Z, dem Bassisten Christophe Minck und dem Schlagzeuger/Perkussionisten Cyril Atef besteht. Das Resultat ist eine atemberaubende Hommage an Nina Simone, die der großartigen Künstlerin, die fest in der afroamerikanischen Musiktradition verankert, aber stets auch innovativ und manchmal gar revolutionär war, wirklich  gerecht wird. 


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