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16.07.2015

Ein endgültiger Abschied

Various Artists, Ein endgültiger Abschied

Es ist zwar kühl, aber in Hamburg scheint die Sonne, und das war nur gerecht an diesem 10. Juli. Auf der Stadtparkbühne, der schönsten der Hansestadt, stehen 15 Menschen, die meisten schon recht betagt, einige regelrecht alt. Aber lebendiger ist es dort schon lange nicht mehr zugegangen. Dabei wird hier Abschied gefeiert. Das Qrquesta Buena Vista Social Club ist auf Farewell-Tournee, dieses wird ihr definitiv letztes Konzert in Deutschland sein. Die Stimmung aber ist eine ganz andere, sie ist wie immer, wenn die Kubaner vorbei schauen, deren Existenz als eine Band von so vielen Glücksfällen abhing. Etwa von der Reiseerlaubnis des US-Amerikaners Ry Cooder, der 1996 nach Kuba fliegen durfte. Dort ging er auf die Suche nach jenen Musikern, die vor Fidel Castros Revolution in Havannas berühmten Nachtclubs spielten. Cooder wurde fündig und es folgte der nächste Glücksfall. Der damalige US-Präsident Bill Clinton erteilte ihm eine Sondergenehmigung, Cooder durfte seinen Buena Vista Social Club in die New Yorker Carnegie Hall einladen. Als dann auch noch Wim Wenders aus der unglaublichen Geschichte einen glaubwürdigen und erfolgreichen Film machte, stand das Debüt-Album des Buena Vista Social Clubs fast drei Jahre lang auf Platz 1 der World Music Charts. Sogar Kubas Urlaubsstrände hatten davon ihren Nutzen.

In Hamburg leitet jetzt Jesús Ramos als Musical Director seine Band an, obwohl die spielt,  als brauche sie gar keinen Dirigenten. Mit stoischer Gelassenheit und traumwandlerischer Sicherheit wandeln die Musiker durch Rumba und Cha-Cha-Cha, durch Salsa und Son. Selbst Rhythmen, die kaum noch mitklatschbar erscheinen, rinnen mühelos durch die Verse der Sänger. Von Cooders Mannschaft sind nur noch Gitarrist Eliades Ochoa (68) und die Sängerin Omara Portuondo (84) übrig geblieben, Ibrahim Ferrer, Compay Segundo und Rubén Gonzáles haben das Zeitliche gesegnet.

Neun Songs lang tanzen sich die 3.400 Zuschauer langsam in Stimmung, dann kommt sie, die große, alte Dame der Kariben, Omara Portuondo, im pink-orangenen Kleid mit knallgelbem Kopftuch und der Anmutung, als habe ihr selbst das Warten am wenigsten gefallen. Madame will tanzen, Madame möchte, dass alle singen. Madame flirtet mit den ersten Reihen und man kann Madame beim besten Willen keinen Wunsch abschlagen. Zum großen Glück wird all der Putz, Portuondos Robe und die Maßanzüge der eleganten Senioren dort auf der Bühne nicht zum Karneval. Stattdessen musiziert das Qrquesta aufs Erlesenste, sitzt jeder Griff und wächst mit jedem Song der Respekt vor den Veteranen. Und mit „Besame Mucho“ und „Chan Chan“ versucht sich das Publikum dann langsam damit abzufinden, dass es diese wunderbaren Menschen vermutlich nie wieder sieht. Der Moment ist bitterer als befürchtet. Wir werden diese Kubaner sehr vermissen. Und Nachwuchs ist nicht in Sicht.


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