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22.01.2007

Biografie: Billy Strayhorn - Lush Life Bio

VARIOUS ARTISTS
Billy Strayhorn: Lush Life

"Chelsea Bridge", "Lotus Blossom", "Take The-A-Train", "Day Dream" - diese Songs kennt jeder Jazzliebhaber und die meisten verbinden mit den Standards einen der ganz Großen des Jazz: Duke Ellington. Was aber nur wenige wissen, diese Klassiker stammen aus der Feder des Pianisten, Komponisten und Arrangeurs Billy Strayhorn, über den der Duke einmal gesagt hat: "Billy Strayhorn war mein rechter Arm, mein linker Arm, mein drittes Auge - meine Gedanken zogen durch seinen Kopf und seine durch meinen." Ellingtons Alter Ego, 1915 in Dayton, Ohio geboren und umfassend klassisch ausgebildeter Musiker, dem wegen seiner Hautfarbe eine Karriere in der klassischen Musik verwehrt wurde, war nahezu 30 Jahre lang so stark am Klang des Ellington Orchesters beteiligt, dass es selbst Kennern schwer fiel, zu unterscheiden, was vom Duke und was von Billy "Sweet Pea" Strayhorn komponiert worden war.

"Lush Life", einer der populärsten Songs von Billy Strayhorn, ist auch der Titel eines 90 Minuten langen Dokumentarfilms über das Leben und Werk des richtungsweisenden Musikers, der heute als einer der bedeutendsten Arrangeure des Jazz überhaupt gilt. Der Film, der Anfang Februar in den USA landesweit im Fernsehen ausgestrahlt wird, beleuchtet Strayhorns komplexe Beziehung zu Duke Ellington und geht der Frage nach, warum ihm nie die Aufmerksamkeit zu Teil wurde, die er angesichts seines Talents fraglos verdient hätte.

Der exquisite Soundtrack zu der Dokumentation "Billy Strayhorn: Lush Life", der jetzt auf Blue Note erscheint, enthält 15 der schönsten Kompositionen von Billy Strayhorn, einfühlsam und respektvoll, gleichwohl eigenwillig und inspirierend interpretiert von einigen der wichtigsten Jazzmusiker unserer Zeit, darunter die Blue-Note-Akteure Bill Charlap, Joe Lovano und die vierfache Grammy-Gewinnerin Dianne Reeves, die auch im Film eine prominente Rolle spielt. Außerdem dabei: Pianolegende Hank Jones, der schon Coleman Hawkins und Ella Fitzgerald in den 40er Jahren begleitete, und der für seine stilistische Offenheit und Experimentierfreude bekannte britische Popmusiker Elvis Costello.

Während seiner 29 Jahre dauernden Zusammenarbeit mit Duke Ellington schuf Billy Strayhorn eine große Anzahl von Kompositionen, die in ihrer Originalität und stilistischen Vielfalt im Jazz damals wie heute nur selten zu entdecken sind. Darunter befanden sich höchst publikumswirksame Songs ebenso wie raffinierte Jazz-Kreationen, opulente Orchestersuiten und ambitionierte Scores für Theater und Film. Gleich das Eröffnungsstück von "Billy Strayhorn: Lush Life", "Fantastic Rhythm", das der damals 19-jährige 1934 für ein Musical geschrieben hatte und das hier in einer vor Spielfreude übersprudelnden Solopiano-Adaption von Bill Charlap zu genießen ist, belegt nachdrücklich wie lebendig und zeitlos Billy Strayhorns Musik bis heute geblieben ist.

Gleiches gilt für die 14 nachfolgenden, imponierend dynamisch und vielseitig klingenden Aufnahmen. Bill Charlap brilliert mit "Valse", einem weiteren Solopianostück aus der frühen Karriere des Ausnahmemusikers. In Bestform präsentiert er sich auch im Zusammenspiel mit dem legendären Pianisten Hank Jones auf "Tonk", das im Original von Strayhorn und Ellington vierhändig gespielt wurde. Jones, der inzwischen 88 Jahre alt ist, nichtsdestotrotz noch immer wie ein junger Wilder mit flinken Fingern über die Tasten gleitet, liefert eine feinfühlige Solo-Interpretation von "Satin Doll" und glänzt zudem an der Seite von Joe Lovano (Saxophon), George Mraz (Bass) und Paul Motian (Schlagzeug). Lovanos mal stürmisches, mal schmerzhaft schönes Tenorspiel führt das Allstar-Ensemble durch swingende Aufnahmen von "Rain Check" und "Johnny Come Lately" sowie durch die von Claude Debussy inspirierten Balladen "Chelsea Bridge" und "Lotus Blossom".

Der Weltklasse-Saxophonist ist neben Pianist Bill Charlap auch Elvis Costellos Begleiter bei dem wohl ergreifendsten Stück des Albums, "Blood Count", Billy Strayhorns finaler Komposition, die er 1967 kurz vor seinem Tod im Krankenhaus zu Papier brachte. Zu der kleinen melancholischen Melodie hat Declan McManus alias Elvis Costello extra einen neuen Text ("My Flame Burns Blue") geschrieben, den er mit traurigem Timbre intoniert.

Magisch und intensiv sind die Beiträge der Ausnahmevokalistin Dianne Reeves, die mit ihrer unvergleichlich einfühlsamen Stimme gleich sechs Songs veredelt, darunter die wohl bekannteste Strayhorn-Komposition, "Lush Life", die die 1956 geborene Diseuse mit dem Gitarristen Russell Malone aufgenommen hat. In Quartettbesetzung entstanden die eleganten Balladen "Something To Live For" und "Day Dream", das weniger bekannte "The Flowers Die Of Love", das schimmernde "My Little Brown Book" - mit einer mitreißenden Scat-Einlage - und die besonders intime Adaption von "So This Is Love", mit der das Album bewegend ausklingt.

"Billy Strayhorn: Lush Life" bietet Jazz in Perfektion, voller Tiefe und Souveränität. Billy Strayhorn, Zeit seines Lebens bescheiden und introvertiert, wäre mit Sicherheit tief gerührt von dieser gelungenen, einem Großen des Jazz angemessenen Hommage.

Januar 2007