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17.09.2004

Klarheit und innere Ordnung

Various Artists, Klarheit und innere Ordnung

Als die Deutsche Grammophon im Februar 1954 eine Muster-LP mit dem Titel "Musik ... Sprache der Welt" und kommentierten Ausschnitten aus dem aktuellen Sortiment an ihre Händler verteilte, konnte sie nicht ahnen, dass daraus einmal ein Sammlerstück werden würde. Mehr noch: Es wurde zum Titel einer 10 CD-Box mit legendären Orchesteraufnahmen der 50er Jahre, die an die Zeit der erinnern, als eine Vinylplatte noch eine Luxusobjekt war. Sogar eine ausführlich kommentierende Broschüre entstand zu dieser Edition früher Hörjuwelen der Schallplattengeschichte, die in kleiner Auflage (300 Stück) über klassikakzente.de zu beziehen ist.

Ferenc Fricsay (1914-63) gehört zu den künstlerisch einflussreichsten Musikerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit. Geboren in Budapest und geprägt von Lehrern wie Béla Bartók, Zoltán Kodály und seinem Vater, einem Militärkapellmeister, entwickelte er einen Personalstil, der geprägt war von extremer Präzision der Orchesterleitung und klarer Orientierung an den Vorgaben, die ihm die Partituren lieferten. Im Unterschied zu manchem Originalgenie seiner Zunft hatte er sein Ego im Griff und setzte es nur ein, um die musikalische Wirkung zu optimieren. Seine Mozart- und Bartok-Einspielungen wurden vielfach ausgezeichnet, seine Aufnahme von Dvoraks "Aus der neuen Welt"- Symphonie gehört zu den besten, die je von diesem Werk gemacht wurden. Weniger bekannt war er allerdings als Interpret von Haydns Orchesterwerken, dabei hatte er bereits zu seiner Lehrzeit an der Franz-Liszt-Hochschule in Budapest sich ausgiebig mit einigen Symphonien des Beinahe-Ungarn auseinandergesetzt. In den Jahren 1953/54 jedenfalls ging er mit den Musikern des RIAS-Symphonieorchesters in die Berliner Jesus-Christus-Kirche und nahm sich drei Werke aus dem umfangreichen Kompositionskatalog des Meisters vor. So entstanden Aufnahmen von der "Symphonien Nr.44, Nr.95 und Nr.98", die zur damaligen Zeit noch wenig von der Szene rezipiert wurden, im Abstand eines halben Jahrhunderts aber um so zeitloser, klarer erscheinen.

 

Ähnlich bedeutsam, wenn auch in anderen Zusammenhängen, war Eugen Jochum. (1902-87). Im Jahr 1949 wurde er mit dem Aufbau des neu gegründeten Symphonie-Orchesters des Bayerischen Rundfunks betraut. Jochum machte seine Sache gut. Innerhalb kurzer Zeit verhalf er dem Ensemble und dem von Josef Kugler geleiteten Chor zu internationalem Renommee. Obwohl auf das Repertoire der deutschen Romantik spezialisiert, hob er gemeinsam mit dem Komponisten Karl Amadeus Hartmann die 'musica-viva'-Reihe aus der Taufe, die sich um die Klangwelt der zeitgenössischen Moderne verdient machte. Eugen Jochum blieb elf Jahre an der Spitze des Bayerischen Rundfunk-Symphonie-Orchesters, dirigierte zwischendurch in Bayreuth (1953/54), war als Gast in Salzburg und in der ganzen Welt zu hören. Ein Jahr nach seiner berühmt gewordenen Einspielung von Carl Orffs "Carmina Burana" von 1953 fand er sich mit seinem Orchester im Münchner Herkulessaal ein, um sich drei Symphonien von Mozart zu widmen (Nr.33, 36 und 39). Im Unterschied zu Fricsay erscheint Jochum viel gefühlsbetoner und sucht nach den inneren Qualitäten der Musik. Das ist Mozart im alten Stil und gewinnt der herrlichen Musik einen persönlichen Zusammenhang jenseits zergliedernder Analyse ab.


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