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04.02.2005

Jazz In Paris De Luxe

Various Artists, Jazz In Paris De Luxe

Einen umfangreichen Querschnitt der insgesamt 100 Alben der "Jazz In Paris"-Serie bietet die vierteilige "Jazz In Paris Deluxe Edition". Die vier Boxen, die jeweils drei thematische CDs und ein 60seitiges Booklet enthalten, bieten ein Panorama des Jazz, der von 20ern bis in die 60er Jahre hinein in der Seine-Metropole den Ton angab.

In einem Begleittext erzählt Alain Tercinet die Geschichte des Jazz in Paris, die zudem durch zahlreiche Bilder auch illustriert wird. Obwohl der Jazz eindeutig im Mittelpunkt steht, werden auch alle anderen Kunstformen, die selbst den Jazz beeinflußten und andererseits von ihm befruchtet wurden, angeschnitten. So erhält man ein weitaus umfassenderes Bild der Pariser Kunstszene jener Jahre.

 

Die mit Leidenschaft und Akribie geschriebenen Texte sind mit Fußnoten versehen und mit Fotos, Zeichnungen, Kopien von Programmheften und Plakaten, Notenblättern, Plattencovern u.ä. garniert. Viele dieser raren Dokumente werden hier erstmals veröffentlicht. Die vier Boxen sind eine Einladung dazu, durch die Zeit zu reisen und den Spuren von Jean Cocteau, Francis Picabia, Satchmo, Miles und Django zu folgen.

 

VOL. I: Champs-Élyées 1917-1949

 

CD 1: Autour du Buf sur le Toit (Around The Buf Sur Le Toit)
CD 2: En remontant les Champs-Élyées (Moving Up The Champs-Élyées)
CD 3: Minuit sur les Champs (Midnight On The Champs) 06024 981 2556

 

Unmittelbar nachdem der erste Weltkrieg beendet war, verwandelten sich die Champs-Élysées in einen wahren Anlaufhafen für den Jazz. Im Schlepptau von Jean Cocteau versammelte sich bald die gesamte literarische, musikalische und sonstwie künstlerisch umtriebige Avantgarde im B?uf sur le Toit, um dort den Klängen von Vance Lowry, Garland Wilson oder dem Pianisten-Duo Jean Wiener und Clément Doucet zu lauschen. Im Théâtre des Champs-Élyées löste die "Revue Nègre" 1925 eine wahre Revolution aus und machte Josephine Baker zum Idol der Pariser "Who is Who"-Gesellschaft. Auch während der deutschen Besetzung boten die Nachtclubs der schönsten Straße der Welt nach wie vor exzellenten, natürlich französischen Jazz - und auch verschiedene andere Spielstätten veranstalteten Konzerte, die so gar nicht dem Geschmack der deutschen Besatzungsmacht entsprachen. All diese Spielorte hielten an dieser guten Gewohnheit auch nach der Befreiung Frankreichs fest.

VOL. II: Montmartre 1924-1939

 

CD 1: L'age d'or (The Golden Age)
CD 2: Django et Stéphane (Django And Stéphane)
CD 3: Souvenirs de Montmartre (Montmartre Souvenirs)

In den zwanziger Jahren erwarb sich das Viertel Montmartre den Spitznamen "Harlem-sur-Seine" (Harlem an der Seine). Louis Armstrong nahm damals gewöhnlich im Café Boudon einen kleinen Apertif zu sich; Bricktop (a.k.a. Ada Beatrice Queen Victoria Louise Virginia Smith) und Cole Porter trafen sich zu den Klängen der Orchester von Freddy Johnson, Arthur Briggs, Harry Cooper oder Danny Polo mit dem Schrifsteller Louis Aragon; Fats Waller kam zwar als Tourist, ließ sich das Spielen aber trotzdem nicht nehmen; und auch Coleman Hawkins, Bill Coleman und Dizzy Gillespie schauten vorbei. Zu jener Zeit gründeten Django Reinhardt und Stéphane Grappelli ein absolut einzigartiges Quintett, das Geschichte schreiben sollte; und viele andere französische Jazzmusiker - wie Philippe Brun, Michel Warlop, Gus Viseur, Alix Combelle oder André Ekyan - holten sich den letzten Jazzschliff in der Nähe der Pigalle-Métrostation. In den folgenden Jahren erinnerten sich alle immer voller Wehmut an das Viertel, in dem sie einst ihre "Jazz-Lehrjahre" absolviert hatten.

 

VOL. III: Saint-Germain-des-Près 1946-1956

 

CD 1: Figues moisies (Mouldy Figs)
CD 2: Raisins moisis ou figues aigres? (Mouldy Grapes Or Sour Figs?)
CD 3: Raisins aigres (Sour Grapes)

Nachkriegszeit. Im Zuge der Befreiung setzte der Jazz auch ans andere Ufer der Seine über und nistete sich in den Keller-Clubs von Saint-Germain-des-Près ein. Für die Boulecvard-Presse war das ein gefundenes Fressen. Boris Vian, Jean-Paul Sartre und Juliette Gréco wurden in dem Viertel, wo das Tabou, der Club Saint-Germain, das Rose Rouge und das Vieux Colombier offiziell zu den unumgänglichen Stammlokalen der Szene deklariert worden waren, zu emblematischen Figuren geweiht. Eine vollkommen neue Generation von Jazzmusikern betrat dort das Geschehen: von Claude Luter, Hubert Fol und Bernard Peiffer bis zu Claude Bolling, Sacha Distel, René Urtreger, Henri Renaud, Jean-Claude Fohrenbach, Pierre Michelot und Michel de Villers. Zu ihnen gesellten sich aber bald auch Veteranen wie Django Reinhardt, Stéphane Grappelli, Henri Crolla, Sidney Bechet und Don Byas. Das Jazzparadies war in den Untergrund gegangen.

 

VOL. IV: Rive Gauche, Rive Droite 1956-1959

 

CD 1: Rive gauche (Left Bank)
CD 2: Madeleine-République (Madeleine Republic)
CD 3: Les grandes rencontres (The Great Encounters)

Unter den Fittichen von Bruno Coquatrix präsentierte das Olympia eine neue Programmform, bei der Stars der damaligen Popmusik sich die Bühne mit Jazzgrößen wie Lionel Hampton und Louis Armstrong teilten. Die berühmte Musikhalle am Boulevard des Capucines avancierte zur neuen Heimat der besten Musiker. Unter denen befand sich natürlich auch Sidney Bechet, dessen Anhänger die Halle vor Begeisterung beinahe auseinandernahmen, sowie Rhoda Scott, Miles Davis, Cootie Williams und die "Jazz At The Philharmonic"-Entourage. Zur selben Zeit lockten Sonny Criss, Donald Byrd sowie Art Blakey und seine Jazz Messengers die Jazzfans zur Rive Gauche, wo Musiker wie Barney Wilen, Eddy Louis, Jean-Luc Ponty und Daniel Humair entschlossen waren, ein neues Kapitel in der Geschichte des Jazz in Paris zu schreiben.


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