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30.09.2005

Jazzoriginale zum Mid-Price, Teil 2

Various Artists, Jazzoriginale zum Mid-Price, Teil 2

In diesem Herbst fallen nicht nur die Blätter, sondern auch die Preise einer ganzen Reihe von CDs, von denen wir meinen, daß sie in einer gutsortierten Jazzsammlung nicht fehlen dürften. Ab dem 20. September werden zwanzig Alben aus dem Verve- und Impulse!-Katalog vorübergehend zum Midprice (unverbindliche Preisempfehlung: 6,90 Euro) angeboten. Jazzsammlern bietet sich so eine hervorragende Gelegenheit, für wenig Geld ein paar Lücken in ihrer CD-Kollektion zu schließen. Im Rahmen dieser Aktion werden nicht nur alte Klassiker von Duke Ellington und Bill Evans über Stan Getz und Dizzy Gillespie bis hin zu Sonny Rollins und Lester Young offeriert, sondern auch einige Einspielungen etwas neueren Datums von Herbie Hancock, Joe Henderson, Shirley Horn und Diana Krall. In drei Folgen stellen wir die zwanzig Alben hier vor.


Joe Henderson - Lush Life: The Music Of Billy Strayhorn

"Mit der Veröffentlichung dieser CD bewiesen die Verantwortlichen von Verve und ihre Marketing-Leute, daß man richtigen Jazz tatsächlich verkaufen kann", hieß es in einer Rezension des All Music Guide. Der Tenorsaxophonist Joe Henderson, der schon seit gut drei Jahrzehnten in der Szene aktiv war, hatte, bis er 1991 mit "Lush Life" bei Verve debütierte, ein Leben als "musician's musician" gefristet. Dann machte er mit Trompeter Wynton Marsalis und einer Band junger, noch relativ unbekannter Musiker (Pianist Stephen Scott, Bassist Christian McBride und Drummer Gergory Hutchinson) dieses Album, das völlig frei von kommerziellen Zugeständnissen war, und landete damit einen riesigen Coup. Das Meisterwerk gelangte nicht auf Platz 1 der Billboard-Jazz-Charts, sondern wurde auch mit einem Grammy prämiert. Und Henderson avancierte zum großen Jazzstar der 90er Jahre.


Shirley Horn - Here's To Life

Mit dem beinahe schon prophetisch betitelten Album "You Won't Forget Me", auf dem u.a. Miles Davis als Gast mitwirkte, schaffte Shirley Horn 1990 endlich den großen Durchbruch, der ihr für immer einen Platz im Pantheon des Jazz sicherte. Im Jahr darauf nahm sie - diesmal mit Gasttrompeter Wynton Marsalis und einem Streichorchester unter der Leitung des Arrangeurs Johnny Mandel - eines der bewegendsten Balladenalben des Jazz auf: "Here's To Life" kam auf Platz 1 der Billboard-Jazz-Charts und wurde außerdem mit einem Grammy ausgezeichnet. Noch heute ist es das bestverkaufte Album dieser wunderbaren Sängerin und Pianistin.


Jimmy Smith & Wes Montgomery - The Dynamic Duo

In den 60er Jahren zählten Hammond-Organist Jimmy Smith und Gitarrist Wes Montgomery zweifelsfrei zu den prägendsten und populärsten Musikern des Jazz. Bei den gemeinsamen Sessions für "Jimmy & Wes - The Dynamic Duo" wurden die beiden Virtuosen 1966 von einer nicht minder dynamischen Big-Band (mit u.a. Phil Woods, Clark Terry, Melba Liston und Grady Tate) unter der Leitung des Meisterarrangeurs Oliver Nelson zusätzlich angeheizt. Das Album wurde sowohl von der Kritik als auch von den Jazzfans mit solcher Begeisterung aufgenommen, daß Verve mit "Further Adventures Of Jimmy And Wes" noch im selben Jahr ein weiteres Album herausbrachte, das bei derselben Session entstanden war.


Quincy Jones - Big Band Bossa Nova

Die brasilianische Bossa Nova ist ein Musik, die meist auf leisen Samtpfoten daherkommt und bevorzugt in fast schon kammermusikalischer Besetzung gespielt wird. Es kommt nicht von ungefähr, daß sich neben João Gilberto und Tom Jobim, den eigentlichen Schöpfern dieses Stils, gerade die Meister des balladesken Jazz - wie etwa ein Stan Getz - immer wieder dieser Musik annahmen. Eine seltene, aber durchaus gelungene Ausnahme von der Regel gelang dem Bandleader Quincy Jones 1964 mit seinem Album "Big Band Bossa Nova". Unter den Solisten befanden sich Gitarrist Jim Hall, Altsaxophonist Phil Woods, Flügelhornist Clark Terry und Pianist Lalo Schifrin, die aufregendsten Akzente setzte aber der großartige Roland Kirk im Stück "Soul Bossa Nova".


Diana Krall - All For You

Auf ihrem 1995 aufgenommenen ersten Album für das wiederbelebte Impulse!-Label zollte die kanadische Sängerin und Pianistin Diana Krall einem ihrer ganz großen musikalischen Vorbilder Tribut: dem Nat "King" Cole Trio. Besonders souverän erwies sich Krall damals bei mittelschnellen oder im Up-Tempo gespielten Nummern wie "I'm An Errand Girl For Rhythm", "Frim Fram Sauce" und "Hit That Jive, Jack". Zur Seite standen ihr bei dieser grandiosen Hommage Gitarrist Russell Malone und Bassist Paul Keller. Als Gäste wirkten bei einzelnen Tracks auch Pianist Benny Green und Perkussionist Steve Kroon mit.


Lester Young & Oscar Peterson - Lester Young With The Oscar Peterson Trio

Mit seinen frühen Trio-Partnern Barney Kessel und Ray Brown, zu denen eigens für diese Aufnahmesession noch der Schlagzeuger J.C. Heeard stieß, begleitete Oscar Peterson 1952 den großen Lester Young. Während der exzentrische Young, der mit Coleman Hawkins einer der Pioniere des Tenorsaxophons war, zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen schon im Zenit seiner Popularität stand, war der Kanadier Peterson gerade erst dabei, sich als neuer Star in der Jazzszene zu etablieren.


Louis Armstrong & Oscar Peterson - Louis Armstrong Meets Oscar Peterson

"Für die Leute, die Armstrongs Gesang nur von den Pop-Hits kennen, die er in seinen späteren Karrierjahren aufnahm, ist es etwas schwierig zu verstehen, daß er einer der einflußreichsten Sänger des 20. Jahrhunderts war", schrieb der Armstrong-Biograph John Chilton einst. "Mit seiner einzigartigen Phrasierung und seinem meisterlichen Umgang mit dem Rhythmus eines Songs beeinflußte er zahllose andere Sänger." Wer Louis Armstrong bisher also nur als Interpret harmlos poppiger Songs à la "A Wonderful World" und "Hello Dolly" kannte, wird auf dieser CD ein paar ganz neue Facetten des Künstlers entdecken. Denn bei diesen Aufnahmen, die 1957 im Zusammenspiel mit dem Quartett des Pianisten Oscar Peterson (featuring Herb Ellis, Ray Brown & Louie Bellson) entstanden, beweist Armstrong nicht nur, weshalb ihn viele Kenner für einen der prägendsten Trompeter halten, sondern auch warum er nach wie vor zu den einflußreichsten Vokalisten des Jazz gezählt wird.


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