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14.12.2005

Ein Blick in die Zukunft - Jahresvorschau Teil 1

Various Artists, Ein Blick in die Zukunft - Jahresvorschau Teil 1

Auch im Jahr 2006 wird sich die Jazzabteilung von Universal Music wieder bemühen, den Jazzfans eine möglichst breitgefächerte Palette aus neuen CD- und DVD-Produktionen sowie mit Sorgfalt neu aufgelegten und klangtechnisch überarbeiteten Klassikern zu bieten. Dafür, daß das Programm des kommenden Jahres noch abwechslungsreicher und spannender werden sollte, als das des gerade ausklingenden, spricht unter anderem die Tatsache, daß nun auch die CDs und DVDs von Marsalis Music und der Concord Music Group in Deutschland durch Universal Music vertrieben werden. Während der kleine, aber feine Katalog von Marsalis Music schon Ende 2005 von Universal Music wiederveröffentlicht wurde, wird der sehr viel umfangreichere Back-Katalog der Concord Music Group (der u.a. Aufnahmen der Labels Prestige, Pablo, Milestone, Fantasy, Riverside, Stax und Stretch enthält) erst 2006 präsentiert werden. In dieser und der kommenden Woche stellen wir einige der interessantesten Neuerscheinungen und Reissues kurz vor.

Für einen exzellenten jazzigen Start ins Jahr 2006 kann man mit zwei liebevoll edierten Boxen sorgen, die in Deutschland in einer streng limitierten Auflage von nur 300 bzw. 400 Stück erscheinen werden. Die erste Box entstand in bewährter Kooperation mit Mosaic Records und enthält auf sieben CDs "The Classic Argo, EmArcy, And Verve Small Group Buddy Rich Sessions". Diese CDs bieten insgesamt 78 im Studio oder live aufgenommene Tracks (darunter dreizehn bislang unveröffentlichte), die Buddy Rich zwischen 1953 und 1961 mit verschiedenen kleineren Besetzungen (vom Quartett bis zum Oktett) oder mit einer elfköpfigen Band eingespielt hatte. Rich, der als einer der besten und virtuosesten Jazzschlagzeuger aller Zeiten in die Annalen einging, ist hier mit kongenialen Partnern wie Harry "Sweets" Edison, Benny Carter, Thad Jones, Ben Webster, Oscar Peterson, Ray Brown, Flip Phillips und Mike Mainieri zu hören.

Die zweite Box ist ein absolutes Muß für alle Freunde des klassischen, bluesgeprägten Jazzgesangs, da sie auf sechs CDs "The Complete Verve Studio Master Takes" von Billie Holiday präsentiert. Diese zwischen 1952 und 1959 entstanden Einspielungen bieten unter anderem auch die letzten Aufnahmen der am 17. Juli 1959 verstorbenen Sängerin. An der Seite von Lady Day glänzen dabei namhafte Solisten wie die Trompeter Harry "Sweets" Edison und Charlie Shavers, die Tenorsaxophonisten Ben Webster und Paul Quinichette, Klarinettist Tony Scott, die Pianisten Wynton Kelly, Oscar Peterson, Hank Jones und Jimmy Rowles oder die Gitarristen Kenny Burell und Herb Ellis.

Neben diesen Klassikern wird es natürlich auch brandneue Aufnahmen geben. So legt beispielsweise der norwegische Pianist Ketil Bjørnstad mit "Floating" erstmals ein Album vor, das er mit einem klassischen Jazz-Piano-Trio aufgenommen hat. "Ein Traum wurde für mich wahr, als Marilyn Mazur und Palle Danielsson mir die Zusage gaben, an den Trio-Aufnahmen mitzuwirken", schreibt Bjørnstad in seinem Begleittext zu diesem Album, das im neuen Rainbow-Studio von Jan Erik Kongshaug aufgenommen wurde. In einem für ihn ungewohnten Kontext präsentiert sich auf seinem neuesten Album auch der Pianist und Sänger Harry Connick Jr. Auf "Occasion" gönnt der aus New Orleans stammende Connick Jr. seinen Stimmbändern eine Ruhepause, um sich mit dem Saxophonisten Branford Marsalis rein instrumental und sehr improvisationsfreudig auszutauschen.

Auf den neuen Alben von Richard Bona und Salif Keïta, die bislang nur als Import in Deutschland erhältlich waren, werden indes weniger jazzige Töne angeschlagen. Der aus Kamerun stammende und in New York lebende Bassist Bona überrascht auf "Tiki" unter anderem durch einen gelungenen Ausflug in die brasilianischen Popmusik. Zu seinen brasilianischen Gästen zählen der MPB-Star Djavan, die Gitarrenvirtuosen Toninho Horta und Hélio Delmiro, Flötist Marcelo Martins, Perkussionist Marcos Suzano sowie Rapper Davi Vieira, der als Mitglied des Ensembles Stomp Fans in aller Welt begeisterte, bevor er mit Marivaldo Pereira in New York das HipHop-Duo MD MC's gründete. Sehr viel stärker in der traditionellen Musik seiner Heimat Mali verwurzelt sind dagegen die Songs des neuen Albums von Salif Keïta. Der Sänger bedient sich zwar auch ein wenig bei Rock, Soul, französischem Chanson und karibischen Rhythmen, dennoch ist "M'Bemba" in erster Linie ein afrikanisches Album, daß selbst die Puristen in Keïtas Heimat, die den Künstler oft für seine Experimente und Flirts mit der Moderne kritisierten, mehr als zufriedenstellen dürfte.

In der "Heritage"-Serie steht eine ganze Reihe hochinteressanter Wiederveröffentlichungen mit zeitgenössischem Jazz aus den letzten knapp zwanzig Jahren an. Darunter befinden sich gleich vier Alben, auf denen man den Pianisten Andy LaVerne erleben kann, der Ende der 70er Jahre als Mitglied der Band von Stan Getz bekannt wurde. "Natural Living" war 1989 LaVernes erstes Duo-Album mit dem Gitarristen John Abercrombie und "First Tango In New York" nahm der New Yorker Pianist 1993 mit Joe Lovano, Steve LaSpina und Bill Stewart auf. Zu hören ist LaVerne darüber hinaus (mit Mike Stern, George Mraz und Billy Hart) auch auf "Vertical Reality", einem 1994 entstandenen Album des Saxophonisten Jerry Bergonzi, sowie auf John Abercrombies "Farewell" (mit George Mraz und Adam Nussbaum) aus dem Jahre 1993. "Dedication" ist der Titel eines Albums, das Bunny Brunel, der Ende der 70er Jahre Bassist bei Chick Corea war, 1992 mit Mike Stern, Billy Childs, Vinnie Colaiuta und Special Guest Chick Corea aufnahm. Von dem Saxophonisten Steve Grossman, der 1969 als 18jähriger Senkrechtstarter mit Bravour Wayne Shorter in der Miles Davis Group ersetzte, gibt es außerdem das 1990 mit Bassist Alby Cullaz und Schlagzeuger Simon Goubert gemachte Live-Album "Reflections". "Portrait In Black And White" ist schließlich ein Duo-Album der beiden französischen Pianisten Michel Graillier und Alain Jean-Marie. Letztere begleitete einst auch die große Abbey Lincoln.


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