Backstage
Various Artists BACKSTAGE EXCLUSIV

Aktuelles Album

News

11.01.2006

Ernst und Zerstreuung

Various Artists, Ernst und Zerstreuung

Mozart war ein neugieriger Mensch. Er gab sich selten mit einzelnen Versuchen zu einer Gattung zufrieden und so kommt es auch, dass er sich im Laufe seines kurzen Lebens ausfühlich mit den drei wesentlichen Spielformen der Oper seiner Zeit beschäftigte: der ernsten, der italienischen Tradition folgenden opera seria, dem deutschen Singspiel, das auch zahlreiche gesprochene Dialoge enthielt, und der leichten, heiteren opera buffa. Damit schaffte er es als einer der wenigen Komponisten überhaupt, niemals vollständig von den Spielplänen der großen Bühnen zu verschwinden. Und schuf außerdem mit Werken wie dem "Idomeneo" oder der "Zauberflöte" Kunstwerke von zeitloser Schönheit.

Im Jahr 1780 erhielt Mozart den Auftrag, eine opera seria für den bayerischen Hof zu schreiben. Das war eine gute Gelegenheit, sich ausführlich mit einem Stoff zu beschäftigen, der ihn in seiner klassischen Melodramatik faszinierte. Der "Idomeneo" handelte von einem gleichnamigen kretischen König, einer Randfigur aus dem Umkreis des Trojanischen Kriegs, der bei einem Unwetter auf See nur gerettet wurde, weil er Poseidon geschworen hatte, den ersten Menschen, der ihm an Land begegnen würde, zu opfern. Dieser war aber unglücklicherweise sein eigener Sohn Idamante und so geriet er in einen schweren Gewissenskonflikt. Idomeneo führte den Befehl des Meeresgottes nicht aus, stattdessen fuhr Idamante zur See und besiegte ein aus Rache von Poseidon geschicktes Seeungeheuer. Die Situation spitzte sich weiter zu, bis ein Orakel die Lösung offenbarte. Idomeneo musste zugunsten seines Sohnes und dessen Geliebte Ilia, die Tochter des Trojanerkönigs Priamos abdanken. Einzige Leidtragende war Elettra, die Tochter Agamemnons, die ebenfalls Idamante liebte und sich am Schluss der Oper aus Liebesleid erdolchte. Ein derart handlungsreiches, dramatisches Libretto erforderte in Mozarts Vorstellung einen ungewöhnlichen Umgang mit der Instrumentierung. Erstmals setzte er im "Idomeneo" in einer Oper Klarinetten ein und fügte Hörner der Orchestrierung bei, die neben den Flöten, Oboen, Fagotten und Trompeten für eine betörende Vielfalt der Bläser-Klangfarben sorgten. Sie zählen ebenso zu den Stärken dieses Werkes wie die grandiosen Chorpassagen und die sorgsam ausdifferenzierten Soloarien.

"Die Entführung aus dem Serail" wiederum war ein typisches Singspiel. Den tändelnd-exotischen Plot hatte sich der Librettist Gottlieb Stephanie von seinem Kollegen C.F. Bretzner entliehen, der wiederum von einer englischen Vorlage abgekupfert hatte. Es wurde im Juli 1782 in Wien uraufgeführt und entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling. Demgegenüber wirkte der bereits zwei Jahre zuvor entstandene Zweiakter "Zaide" zu ernst, obwohl er ebenfalls in einem türkischen Serail handelte. Mozarts Spätwerk "Die Zauberflöte" von 1791 wiederum entpuppte sich als ungemein raffinierte Verknüpfung von freimaurerischen Ritualen und Wiener Volksoper mit dem philosophischen Kern der Suche nach der inneren Harmonie. Für die Zusammenstellung "Opera Moments 1" in der Serie Mozart Collection nun wurden Höhepunkte aus diesen vier Bühnenwerken herausgegriffen und zu einem eigenen Spannungsbogen kombiniert. Dabei zählt es zu den großen Vorteilen von Archiven, wie sie die Deutsche Grammophon, die Decca und Philips zur Verfügung haben, dass man jede Arien mit der bestmöglichen Besetzung präsentieren kann. Zu den Künstlern dieser Sammlung zählen Tenöre wie Luciano Pavarotti, Placido Domingo, Hermann Prey und der unvergessen Fritz Wunderlich genauso wie die wunderbaren Stimmen von Kiri Te Kanawa, Anna Netrebko, Cecilia Bartoli, Edita Gruberova und Kathleen Battle. An den Pulten der Orchester geben sich unter anderem Eugen Jochum, James Levine, Sir Colin Davis oder auch Sir George Solti die Ehre. So entsteht ein repräsentativer Querschnitt aus Mozarts opera seria-Kunst und seiner zwei berühmtesten Singspiele, ein Hochgenuss für alle Liebhaber unvergänglich schöner Vokalkunst.


KOMMENTARE

Kommentar speichern