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25.01.2006

Schwerenöter und Philosophen

Various Artists, Schwerenöter und Philosophen

Wolfgang Amadeus Mozart war seiner Zeit in vielen Dingen voraus, so auch in Fragen der Moral. Eine Opera buffa wie "Cosi fan tutte", die er 1789 auf der Basis eines Librettos von Lorenzo da Ponte komponierte, wies eine psychologisierende Handlung auf, die eigentlich erst wesentlich später in Zeiten der sich reflektierenden Bürgerlichkeit und deren sittlichen Vorstellungen aktuell und üblich wurde. Da seine Musik dazu aber derart gelungen war, dass man nicht darauf verzichten wollte, wurde die Handlung im 19.Jahrhundert immer wieder korrigiert, entschärft. Dabei ging es doch nur um die wahre Liebe.

Mozart war ein Wunderkind und wie bei allen schwer verständlichen Phänomenen gab es von Anfang an Zweifler, die seinem Talent skeptisch gegenüber standen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Opernkomponisten gelegt, schließlich war dies eine der Königsdisziplinen des musikschaffenden Handwerks und man meinte daher, den jungen Mann schnell als einen entlarven zu können, der seine Ideen bei anderen borgte. Doch leider gelang es niemandem, Mozart zu diskreditieren, denn es gab nichts, was man in musikalischer Hinsicht skandalös enthüllen konnte. Der junge Salzburger war tatsächlich das Genie, für das ihn sein Vater ausgab, und er schuf zahlreiche großartige Bühnenwerke bereits in jungen Jahren, auf die selbst erfahrene Komponisten stolz gewesen wären. So kam es, dass schnell die Aufträge nur so hereindrängten und der heranwachsende Mozart hatte seinen Spaß daran, sie schnell und pointiert auszuführen. Im Jahr 1770 zum Beispiel wurde er von Mailand beauftragt, eine ernste opera seria zu schreiben und er erfüllte die Verpflichtung mit "Mitridate", das mit großem Erfolg auf der norditalienischen Bühne gefeiert wurde. Es war eine Geschichte aus dem Leben des pontischen Herrschers Mithridates VI, eines Widersachers der Römer, der in diesem Fall das Pech hatte, sich in die gleiche Frau zu verlieben wie seine beiden Söhne Sifare und Farnace, was wiederum Mozart in den Mittelpunkt des Geschehens rückte.

Viele der außergewöhnlichen Bühnenwerke entstanden erst in den Jahren 1786-1790, als die Zusammenarbeit mit dem genialen Librettisten Lorenzo da Ponte sich intensivierte. Aus dieser Zeit stammte unter anderem die im Juli 1786 in Wien aufgeführte "Nozze di Figaro", die geschickte Fortsetzung einer damals bekannten Oper von Paisiello auf der Basis eines Theaterstücks von Beaumarchais. Der Erfolg war so gewaltig, dass Mozart von Prag unmittelbar beauftragt wurde, eine weitere Oper zu schreiben. Diesmal befasste er sich mit dem alternden und schließlich zur Hölle fahrenden Don Juan, den er als "Don Giovanni" an der eigenen Triebfixiertheit scheitern lässt. Das Lustspiel "Cosi fan tutte" von 1790 schließlich rundete die Reihe der buffa-Opern ab, wieder eine Geschichte am Rande der bürgerlichen Moral, bei der es um den Partnertausch aus Eifersucht ging.

Für die Zusammenstellung in der Mozart Collection unter dem Titel "Great Opera Moments Vol. 2" wurden zahlreiche Aufnahmen von Bühnenstars der Vergangenheit und Gegenwart gegenüber gestellt, die aus den Vollen der Archive von Philips, Decca und der Deutschen Grammophon schöpfen. Da sind junge Stars wie der Tenor Juan Diego Flórez ebenso dabei wie gestandene Mannsbilder wie der walisische Bariton Bryn Terfel. An den Pulten berühmter Orchester wie der Londoner und Wiener Philharmoniker oder dem Ensemble der Met geben sich Persönlichkeiten wie Sir George Solti, Karl Böhm oder James Levine die Ehre. Ein besonderes Stimmenfeuerwerk bieten darüber hinaus die weiblichen Partien der Opern, die berühmte Künstlerinnen wie Cecilia Bartoli, Anna Netrebko, Anne Sofie von Otter, Renée Fleming, Brigitte Fassbaender oder auch Gundula Janowitz vor den Mikrofonen versammeln. So bieten die Great Opera Moments Vol. 2 zusammen mit der ersten Arien-Sammlung in der Mozart Collection einen sinn- und stilvollen Überblick über die Gestaltungskunst des Bühnenkomponisten Mozart, dessen Werke zu den pointiertesten und scharfsinnigsten gehören, die das Genre zu bieten hat.


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