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25.01.2006

Das doppelte Jubiläum

Various Artists, Das doppelte Jubiläum

Es war ein Prestigeobjekt. Im Mai 1956 veröffentlichte die Deutsche Grammophon eine aufwändig gestaltete Reihe mit Aufnahmen zum 200.Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart. Es handelte sich um drei leinengebundene Doppel-LPs im stabilen Schuber, die in limitierter Auflage Höhepunkte des aktuellen Repertoires präsentierten. Schwerpunkte waren zum einen das symphonische Programm unter der Leitung von Ferenc Fricsay, außerdem Solowerke und Kammermusik, schließlich eine Operngala mit Ouvertüren, Arien und Ensembles aus verschiedenen berühmten Bühnenwerken.

Ein halbes Jahrhundert später werden diese Perlen der Klangvergangenheit in erweiterter Form nun wieder zugänglich gemacht. Ein großer Teil der Aufnahmen erscheint in der The 1956 Jubilee Edition 1 & 2 erstmals auf CD, liebevoll ediert und um zeitgemäße, die ursprünglichen Essays der historischen Booklets berücksichtigenden Liner Notes ergänzt.

Diesmal sind es sechs Doppel-CDs in zwei Boxen mit mehr als dem doppeltem Umfang der Originaledition von 1956. Lediglich die Opern-Gala blieb vollständig in der ursprünglichen Zusammenstellung erhalten. Diese Erweiterung hat ihre Gründe. Denn im Laufe der fünfziger Jahre entstanden von den vorliegenden Künstlern zahlreiche weitere, großartige und stellenweise wegweisende Aufnahmen, die es verdienen, in diesen Reigen der berühmten Interpretationen aufgenommen zu werden. Immerhin handelt es sich etwa bei den Solistinnen der Klavierkonzerte um Koryphäen von Weltrang wie Clara Haskil, Monique Haas, Margrit Weber und Annie Fischer - lediglich Mieczyslaw Horszowski repräsentiert die männlichen Linie in dieser Reihe. Die Kammermusik bietet seltene Aufnahmen mit dem Loewenguth Quartett, dem Amadeus Quartett oder auch mit Bruno Hoffmann an der seltenen Glasharmonika, für die Mozart sein "Adagio und Rondo K. 617" schrieb. Ursprünglich nicht in der Edition von 1956 vertreten war der gesamte Komplex der geistlichen Musik, der aber aus heutiger Perspektive deutlich an Wertschätzung in Forschung und Öffentlichkeit zugenommen hat. Er umfasst unter anderem eine Aufführung des Requiems, die Eugen Jochum im Dezember 1955 im Wiener Stephansdom im Rahmen eines Gottesdienstes geleitet hatte. Ebenfalls neu in diesem Zusammenhang ist die Sammlung mit Serenaden, die zwischen 1951 und 1957 für Tonträger festgehalten wurden und unter anderem den Geiger Dénes Zsigmondy oder auch Fritz Lehmann als Dirigenten der Berliner Philharmoniker vorstellen.

Der Reiz einer Ausgabe wie der 1956 Jubilee Edition besteht zum einen in der historischen Qualität der Aufnahmen, die eine Zeit repräsentieren, die noch weitgehend unberührt von den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis den Künstlern einen sehr individuellen Zugang zu Mozarts Musik ermöglichte. Auf der anderen Seite ist es eine Herausforderung, auch die graphischen und optischen Details der Originalausgabe auf die Darstellung im Rahmen der CD zu übertragen. So konnte ein Teil der Ideen übernommen werden, wie etwa die klare und pointierte, mit scherenschnittartiger Grafik verzierte Covergestaltung. Viele historische Fotos der Künstler von Dietrich Fischer-Dieskau über Ferenc Fricsay bis Rita Streich wurden zur Bebilderung herangezogen, Kommentare wie etwa die zwei bekannten Essays von H.H. Stuckenschmidt ergänzt und zeitgemäß erweitert. Reproduktionen von Max Slevogts Bildern zur Inszenierung der "Zauberflöte" und des "Don Giovanni" von 1924 wurden ebenso herangezogen wie Fotos vom Stephansdom und der dortige Jochum-Aufführung. So schließt die 1956 Jubilee Edition direkt an das an, was vor einem halben Jahrhundert als große Verbeugung vor dem Kunstschaffen eines außergewöhnlichen Menschen gedacht war, und setzt die damalige Intention durch behutsame und kompetente Ergänzung anspruchsvoll fort. Ein Prestigeobjekt, auch diesmal.


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