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17.01.2017

Nordischer Newcomer – Pianist Víkingur Ólafsson stellt sich vor

Gerade erst hat Víkingur Ólafsson seinen Vertragsschluss mit dem gelben Label bekannt gegeben. Am 27.01.2017 veröffentlicht der Isländer nun sein erstes Album bei Deutsche Grammophon mit Etüden von Philip Glass.

Víkingur Ólafsson, Nordischer Newcomer – Pianist Víkingur Ólafsson stellt sich vor © Ari Magg

Der Isländer Víkingur Ólafsson beantwortet im Interview Fragen über musikalische Vorbilder, sein Wunschpublikum und verrät, welches Musikstück ihn immer wieder außer Atem kommen lässt.

1. Wenn Sie kein Musiker geworden wären, welchen Beruf hätten Sie dann gerne gelernt? 

Das ist schwierig zu beantworten, weil ich schon mit 6 Jahren oder so wusste, dass ich Musiker werden will. Aber ich erinnere mich, dass ich Kinderarzt werden wollte, wie mein Großvater Vikingur, dessen Namen ich trage.

2.     Wenn Sie die Wahl hätten, in welchem Zeitalter hätten Sie gerne gelebt? 

Im Hier und Jetzt, keine Frage. Unsere Zeit wird stark unterbewertet.

3.     Welchen Komponisten aus der Vergangenheit würden Sie gern bitten, ein Musikstück für Sie zu schreiben? 

Ich würde Johann Sebastian Bach um ein paar Variationen bitten.  

4.     Gibt es einen Maler aus der Vergangenheit oder der heutigen Zeit, für den Sie gern Modell gestanden hätten oder stehen würden? 

Nicht ich selber, aber ich würde sehr gerne ein Gemälde von meiner Frau haben, gemalt von Frida Kahlo. 

5. [Neben Philip Glass - ] Wer ist Ihr Vorbild – musikalisch / allgemein? 

Ich habe Respekt vor so vielen Musikern und Menschen aber eine Person als mein Idol herauszustellen, ist mir immer schwer gefallen.

Ich beschränke mich mal auf das Klavier und nenne Namen einiger meiner Helden an den Tasten: Dinu Lipatti, Ignaz Friedman, Arturo Benedetti Michelangeli, Emil Gilels, Glenn Gould und – um jemanden einzuschließen der sehr lebendig ist - Arcadi Volodos.

Ich könnte leicht noch zehn mehr nennen. Und das will ich auch tun: Martha Argerich, Edwin Fischer, Alfred Cortot, Benno Moiseiwitsch, Clara Haskil, Krystian Zimerman, Sergei Rachmaninoff, Vladimir Horowitz, Myra Hess und Josef Hofmann. Und noch viele mehr…

Dies sind alles Künstler mit der großartigsten Individualität und alle haben mich an verschiedenen Punkten in meinem Leben signifikant beeinflusst.

6. Welche drei Gegenstände würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ein Klavier, eine Stimmgabel für das Klavier (piano tuning lever) und ein Buch mit Beethovens 32 Sonaten.

7. Welches nichtmusikalische Abenteuer würden Sie gerne erleben?

Ich würde gerne Zeit in der Gemeinschaft von Schimpansen verbringen (auch wenn sich das leicht in ein "musikalisches" Abenteuer entwickeln kann.)

8. Wie sieht Ihr Wunschpublikum aus? 

Ein Haus voller neugieriger und empfindsamer Menschen.

9. Welches Musikstück lässt Sie außer Atem kommen? 

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium in der Gardiner Aufnahme, die ich zweimal im Jahr höre: an Weihnachten und um die Sommersonnenwende.

10. Welcher Komponist und/ oder welches Musikstück ist Ihrer Meinung nach in unserer heutigen Zeit unterschätzt/ überbewertet?

Ich habe erst kürzlich zwei Werke für Klavier und Orchester aufgeführt, die ich unterschätzt finde oder die meiner Meinung nach zumindest nicht genug aufgeführt werden. Richard Strauss‘ "Burleske" und Igor Stravinskys "Capriccio". Die wirken sehr gut zusammen als Doppel, zwei musikalische Witze von zwei Komponisten und Zeitgenossen, dessen Namen mit den gleichen drei Buchstaben starten und die sicher nicht die Musik des anderen geschätzt haben…

Als unterschätzen Komponisten möchte ich Béla Bartók erwähnen. Auch wenn er allgemein anerkannt ist und seine Musik von vielen geliebt wird, glaube ich, dass seine Bedeutung im musikalischen Kanon noch wesentlich größer werden wird.

11. Gibt es eine Aussage über Musik, die Sie nicht mehr hören können? 

Dass klassische Musik langsam ausstirbt. Ich glaube, sie wird langsam geboren.

12. Was ist Ihr musikalisches Credo?

Ein offenes Ohr zu behalten.

13. Welches Buch lesen Sie im Moment?

Philip Glass aktuelle Autobiografie, "Words without Music".

14. Welche dieser 4 Charaktereigenschaften – lebensfroh, melancholisch, aufbrausend, schwerfällig – kommt Ihrem Charakter am nächsten?

Ich bin sehr lebensfroh (siehe Antwort auf die zweite Frage von oben…!)


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