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Summertime '06

(Deluxe Edition)

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21.05.2015

Vince Staples, "Summertime '06", 2015

Willkommen in den Straßen von Long Beach: Der als "No-Bullshit-MC" (Pitchfork) gefeierte US-Rapper Vince Staples veröffentlicht am 30. Juni 2015 sein Debüt-Album "Summertime '06". Als erster Vorgeschmack erscheint die mit Future und Snoh Aalegra aufgenommene Single "Señorita", deren "Erdbeben-Hook" (The Fader) von Christian Rich produziert wurde. Zudem können sich seine deutschen Fans schon wenige Tage nach der Albumveröffentlichung über eine exklusive Show von Staples beim diesjährigen Splash! Festival freuen, wo er sein Album am 10. Juli 2015 erstmals live vorstellen wird.

Der in Long Beach aufgewachsene Vince Staples hat in den letzten Jahren bereits mit etlichen Mixtapes für Furore gesorgt: Auf seine beiden "Shyne Coldchain"-Tapes ließ er 2013 das gemeinsam mit Mac Miller (hier als Larry Fisherman) aufgenommene "Stolen Youth"-Mixtape folgen. Nach weiteren Zusammenarbeiten mit Earl Sweatshirt und Schoolboy Q veröffentlichte er letztes Jahr mit "Hell Can Wait" seine erste offizielle EP für Def Jam, auf der auch seine von NO I.D. produzierte Hitsingle "Blue Suede" vertreten war. 

Momentan ist Vince im Vorprogramm von Earl Sweatshirt auf US-Tour, auf dessen "I Don't Like Shit, I Don't Go Outside"-Album er zuletzt auch als Gast zu hören war. Obwohl sein düsterer Rap-Entwurf, ein "zugleich lebensüberdrüssiges und wahnsinnig smooth klingendes" (The Fader) Update zu klassischem Gangsta-Rap, wiederholt mit dem Sound von Odd Future verglichen wurde, machte er zuletzt auch mit Dilated Peoples ("Directors Of Photography"), Jhené Aiko ("Sail Out") und Common ("Nobody’s Smiling") gemeinsame Sache. Nun jedoch richtet er den Blick auf sich selbst, genauer gesagt auf jenen Abschnitt seines Lebens, den er selbst als die prägendste Zeit bezeichnet: Den Sommer des Jahres 2006. 

In jener Zeit nämlich hätten sich, so der 1991 geborene Rapper, diejenigen Themen herauskristallisiert, die er in seiner Musik verhandelt: Er habe damals gelernt, worum es im Leben geht – und wichtiger noch: wie er sein eigenes Leben gestalten will. In diese Phase des Erwachsenwerdens war er schon mit seiner 2014 veröffentlichten EP "Hell Can Wait" aufgebrochen: "Ja, die EP war gewissermaßen der Vorläufer; ich wollte damit bereits andeuten, wovon das nun kommende Album handeln wird", so der Rapper. "Das war nun mal der Punkt, an dem wir alle einfach erwachsen werden und für uns selbst kämpfen mussten."

Nachdem er seine selbst von der New York Times gefeierte Beobachtungsgabe schon auf "Hell Can Wait" bewiesen hat, führt er seine Zuhörer auf "Summertime '06" geradewegs in die Straßenzüge, in denen er aufgewachsen ist – und zwar so, wie es noch nie zuvor auf einem Album gemacht wurde: "Die Geschichten sind so erzählt, als ob man live dabei wäre, als ob sich das alles gerade erst abspielen würde", berichtet er. "Ich wollte einfach diese Energie einfangen, dieses Gefühl, in einer derartigen Umgebung aufzuwachsen, schließlich ist das vollkommen neu für die meisten Menschen, weil sie selbst ganz andere Sachen erlebt haben." Kein Wunder, dass Pitchfork bereits schrieb, in seiner Welt wimmle es vor "Drogensüchtigen, Schusswunden, toten Freunden und abwesenden Eltern", und man merkt sofort, dass es nicht gelogen ist, wenn Staples sagt: "Ich habe das alles wirklich erlebt."

Ein perfektes Beispiel für seinen Ansatz ist die erste Single "Señorita", wenn Staples über einem extrem düsteren, von Klaviereinlagen getragenen Beat davon berichtet, was den Menschen in seiner Hood wirklich etwas bedeutet. Genau genommen klangen seine Raps noch nie so wütend und aufgebracht wie hier: "Ja, wenn man sich musikalisch nicht weiterentwickelt, dann ist man doch am Ende", so Staples. "Für mich ist das hier der nächste Schritt."

Im Verlauf von "Summertime '06" berichtet Vince Staples davon, was er seit jenem Sommer über das Leben und die Musikwelt gelernt hat, doch natürlich begegnet man zuerst dem Teenager, der nichts Besseres zu tun hatte, als Leute auszurauben und sich zu prügeln. Ihm und seinen Freunden war dabei durchaus klar, dass sie etwas Falsches taten – und dass dieser Lifestyle ohne Weiteres in eine Sackgasse führen könnte. Dabei war ihre Wahl auch dem Elternhaus geschuldet, wie er auf "Birds + Beez" berichtet: "Da geht's darum, wie die Taten meiner Eltern letztlich den Weg dafür geebnet haben, was später mir selbst passieren sollte", so Staples. "Das geht sogar noch weiter, denn schon meine Großmutter hat alles gemacht für Geld. 'Okay, dann müssen wir uns die Kohle einfach irgendwoher beschaffen', das war ihr Motto. Meine Großeltern stammen ja noch aus einer Zeit, als die Black-Panther-Bewegung zu den ganzen Gang-Gründungen geführt hat; und dann sind meine Eltern mit den Crips und den Bloods aufgewachsen."

Obwohl er mit dem Track "Get Paid" gleich noch einmal das Thema Geld anschneidet, unterstreicht der 23-Jährige im Gespräch, dass es ihm selbst um ganz andere Dinge geht: "Mir persönlich bedeutet Geld nichts, weil ich ja schon immer pleite war, mein ganzes Leben. Auch die ganze Aufmerksamkeit ist mir nicht so wichtig, schließlich habe ich eine Zahnlücke und einen Sprachfehler. Der Ruhm ist mir egal, denn das alles ist mir einfach zu platt und zu billig. Mir geht's nur darum: Wenn man irgendwann ins Grab steigt, muss man dann von sich behaupten, die ganze Zeit nur Scheiße erzählt zu haben? Das ist entscheidend, wo ich herkomme." Und das ist letztlich auch die Lektion, die Vince im Sommer 2006 gelernt hat.