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04.08.2015

Wanda, Bussi, 2015

Wanda, Wanda, Bussi, 2015

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat man aufwendig und wortreich seinem Gegenüber erklären müssen, von welcher Wiener Band man denn hier gerade spricht. Heute genügt eigentlich bloß ein Wort und jeder ist sofort im Bilde: "Amore"!

In erstaunlich kurzer Zeit ist es Wanda nicht nur gelungen, Band und dazugehörige Debüt-Platte in Österreichauf ein Platin-Level hochzuspielen, sondern man hat es ganz nebenbei auch noch geschafft, mit "Amore" sein eigenes Schlagwort ins Wörterbuch der deutschsprachigen Popkultur zu zimmern. Und da ist jetzt noch nicht mal über die kollektive Euphorie an der Schwelle Hysterie gesprochen, die Wanda in den über 100 Konzerten der letzten 12 Monate auszulösen vermochten.

So liegt diesem Info-Schreiben der wahrlich äußerst seltene Umstand zugrunde, dass nicht mühsam Breitenwirkung und Ekstase einer Band herbeiphantasiert werden müssen. Viel eher fühlt der Text sich beflissen, vornehme Zurückhaltung, gar präsidiale Contenance zu üben.

Aber hey... Contenance? Zurückhaltung? Nein, bleiben wir realistisch. Denn hier handelt es sich um Wanda und die Tatsache, dass bereits weniger als ein Jahr nach dem Debüt nun ein ganz neues, das zweite Album vorliegt: "Bussi"! Die Atemlosigkeit des letzten Bandjahres findet so auch ihre Entsprechung im Veröffentlichungsintervall. Plattenregal dankt. Denn Wanda hätten sich eigentlich Zeit lassen können, hätten noch weiter ihren laufenden Erfolg betouren und pflegen können. Doch die fünf Typen rund um das Charisma-Biest Marco Michael Wanda haben andere Pläne – und eben 12 neue Songs. Es gibt keinen Grund, sich diese transportierte Dringlichkeit selbst zu beschneiden, außer eben vielleicht Business-Pläne und auf die ist gepfiffen. Das jetzt alles so zu machen, ist ein Statement.

Wanda haben dabei das Album wieder mit ihrem "Lebenszeit"-Produzenten Paul Gallister aufgenommen. Die Bedingungen blieben bewusst lo-fi, denn es geht immer um die Unmittelbarkeit der Band, fängt man sie ein, macht man alles richtig. Inmitten von Gallisters Wohnstudio hängt übrigens eine Auszeichnung für "Rise like A Phoenix" von Conchita Wurst – dafür hat er die Strings arrangiert. Dieser Wandschmuck stellte bei den Aufnahmen einen schönen kleinen Kontrast zur speckigen Lederjacke, zu Rausch und diesem nachlässig lässigen Style der Band dar.

Den eigentlichen Trumpf von "Bussi" beziffert allerdings, dass sie das Songwriting nicht in den Wirren von Tourbus, Kater und Soundcheck zusammenstückelten, sondern einen Großteil bereits vor dem Inferno geschrieben hatten. Das mag auch erklären, warum sich das neue Werk seinem großartigen Vorgänger so anschmiegt - in Sound und Impetus. Doch nur Kontinuität, das kann es natürlich auch nicht sein. "Bussi" besitzt daher mit "Alarm!" und "Mona Lisa der Lobau" zwei Stücke, die die Band eben doch in den aufgewühlten Zeiten zwischen den Orten schrieb, Postkarten aus einer mehr als verrückten Zeit.

Aber auch die zweite Hälfte des neuen Albums lässt die Uptempo-Wiener in einem anderen Licht erscheinen. Das gern durchgepowerte Tempo findet sich mitunter mal gedrosselt, statt Slogans werden mehr Storys rausgehauen. Es gibt eben viel zu erzählen.

"Bussi" festigt so den Eindruck, den man das letzte Jahr bereits gewinnen konnte: Hier hat man es einfach mit einer mächtigen Rockband zu tun. Die Rockband als Gang, als charmante Schwerenöter. Was Wanda dabei allerdings sicher nicht sind: Öde Mucker und blöde Macker. Dafür ist allein schon ihre Selbstironie zu greifbar. Und auch der Reflex, die Band mit dem humpelnden Behelfsbegriff Austropop auf einen fragwürdigen Zeitgeist festnageln zu wollen, kann dem Phänomen nicht gerecht werden. Schließlich subsumiert das amorphe Konstrukt Austropop neben vielen Klassikern auch etliche Dinge, bei denen nicht nur Wanda kotzen müssen. Viel eher stellen die fünf ihre Version einer kosmopolitischen Band dar, die ganz für sich selbst zu stehen im Stande ist. Und zwar gerade auch wegen (und nicht trotz) des Wiener Schmähs. Wanda International quasi.

Mehr muss man nicht sagen, streng genommen hätte man auch viel weniger sagen können. Schließlich ist es kein Geheimnis, es liegt auf der Hand: Wanda sind es.


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