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11.05.2010

Am Übergang

Im vergangenen Jahr führte der Weg von Yuja Wang steil nach oben. Nun schlägt die chinesische Pianistin mit „Transformation“ die Kapitel Brahms, Stravinsky und Ravel auf.

Yuja Wang, Am Übergang Felix Broede

Nicht zu vergessen Domenico Scarlatti. Dessen Sonaten haben für Yuja Wang die Funktion des Übergangs von einer musikalischen Welt in die nächste. Tatsächlich wandert die 23jährige chinesische Pianistin, die im vergangenen Jahr als „Young Artist Of The Year“ mit dem begehrten britischen Gramophone Award ausgezeichnet wurde, von der tänzerischen Moderne Igor Stravinskys über das hochromantische Virtuosentum von Johannes Brahms bis hin zur Klangfarbenvielfalt von Maurice Ravel. Im Zentrum allerdings stehen die „Paganini-Variationen op.35“, die der junge Johannes Brahms für den polnischen Pianisten Carl Tausig geschrieben hatte. Sie sind berüchtigt für ihre Komplexität und spieltechnische Finesse, ermöglichen aber auch Freiheiten des Umgangs, die Yuja Wang geschickt wahrnimmt: „Ich spiele das Werk nicht so, wie die großen Pianisten Anfang des 20.Jahrhunderts es gerne taten, die jede Variation als selbständige Einheit präsentierten“, kommentiert Yuja Wang ihren Zugang zu dem 27teiligen Klavierzyklus. „Für mich ist die Zeit zwischen den Variationen wichtig. Die Pausen müssen ebenso bewusst kalkuliert sein wie die Musik. Manchmal fungiert eine Variation als Auftakt für die folgende, manchmal bildet sie einen Kontrast. Das alles erinnert mich an Spiegelbilder, an Prismen“.

Überhaupt ist der Spannungsbogen zentral, der „Transformation“ zusammen hält. Denn im Kern geht es um innere Zusammenhänge und um die Gemeinsamkeit von Werken aus verschiedenen Epochen der Klavierkunst, die von Yuja Wang zu einer größeren Gesamtheit verfugt werden. Ausgehend von Igor Stravinskys „Drei Sätzen aus dem Feuervogel“, die der Komponist zunächst für Klavier geschrieben hatte, bis hin zu Maurice Ravels Solo-Version von „La Valse“ verklammert die Pianistin Klangideen und dramaturgische Vorstellungen, die von den höchsten Momenten des Zusammenwirkens bis zur impressionistischen Auflösung reichen, mit der das Album endet. „Zunächst präsentiert Ravel die Walzer im klassischen Wiener Stil, dann verwandelt er das Ganze in einen Totentanz, wie in Strauss' Salome. Da er dem Stück eine chromatische Färbung gibt, hat das, was oberflächlich gesehen wie ein hübscher Walzer erscheinen könnte, von Anfang an einen drohenden Unterton“. Genau das aber interessiert Yuja Wang an dieser Musik. Es geht um den ästhetischen Übergang, um die „Transformation“ von einer künstlerischen Form in einen anderen Deutungszusammenhang. Und damit wird aus dem Album mehr als ein Recital. Denn es handelt von grundsätzlichen Fragen musikalischer Darstellbarkeit, die Yuja Wang mit beeindruckender interpretatorischer Kompetenz beantwortet.

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