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Zascha Moktan, Zascha Moktan BACKSTAGE EXCLUSIV

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10.12.2007

Zascha Moktan "The Bottom Line"

"Ich glaube, warum die Musik damals so gut war und auch so gut funktioniert hat, lag daran, dass man die Künstler darin unterstützt hat, Künstler und nicht irgendein Act zu sein. Der Unterschied zeigt sich doch spätestens auf der Bühne - die Zuschauer merken sofort, ob das echt ist oder eben nicht. Wenn du als Künstler einfach bist wie du bist, und das auch so ausstrahlst, dann wirst du als Persönlichkeit akzeptiert und deine Songs werden zu einem Teil dieser Persönlichkeit. Das wächst zusammen, das eine gibt es nicht mehr ohne das andere, das wird dann zu einem Package, Punkt."

Grosse Worte, gelassen ausgesprochen. Und nicht etwa von einer glamourös betagten Diva sondern von einer jungen Frau, die sich nicht verbieten lassen will, an das Gute und das Wahre zu glauben. Zascha Moktan macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube. So wie sie darauf besteht, dass ihre Songs von wahren Geschichten und Gefühlen handeln, so unverstellt und ehrlich ist ihr Blick auf die Musik und auf die Industrie, die sie seit 50 Jahren umgibt. "Das kann man alles schwer mit der heutigen Zeit vergleichen," relativiert sie mit einem wissenden Lächeln. "Ich respektiere aber schon so eine Rocker-Karriere, wo du dir den Arsch aufreisst und auch mal auf der Strasse vor drei Leuten spielst... "

Zaschas wilden Jahre als Rocker liegen schon etwas zurück. Mitte der Neunziger versuchte sie in Frankfurt, die Geister ihrer klassischen Musikausbildung mit Punk, Rock und Punk-Rock zu exorzieren. Die Liebe zu Nirvana soll bleiben, die guten Geister der Vergangenheit lassen sich aber kaum austreiben. Glücklicherweise, denn heute verbindet die 1981 in Neu Delhi geborene Tochter deutsch-nepalesischer Eltern die gesunde "No Shit"-Attitude des Punks mit einem fein ausgeprägten Sachverstand und jeder Menge Skills. So entsteht wahre Grösse jenseits der Superlative und Werbeversprechen - um es mit Zaschas Worten zu sagen: Es geht um mehr, als nur mit dem Booty zu wackeln.

Einer der ersten, die ihr Qualitäten erkennen, ist Nigel Kennedy, das Ausnahmetalent und einstiges Enfant terrible der Klassik, zu dessen Repertoire seit jeher neben den üblichen Verdächtigen wie Beethoven, Bach und Bartók auch Erneuerer wie Jimi Hendrix und Miles Davis gehören. Nigel zeigt sich von einer gemeinsamen Session mit Zascha so angetan, dass er sie nach einem Konzert in Zürich spontan zur After Show Party einlädt, um dort erneut mit ihr zusammenzuspielen. Der renommierte Musiker ist anschliessend voll des Lobes und bescheinigt Zascha: "Sensationell, du hast eine super Stimme, spielst perfekt Klavier und Gitarre und siehst auch noch gut aus - aus dir wird ein Star!"

Doch mit dem Star werden, lässt sich Zascha Zeit. Viel Zeit. Noch heute bekennt sie, dass es ihr im Grunde genommen nicht darum geht, berühmt zu werden sondern Musik zu machen. Ob sie die nun auf den großen Bühnen der Welt oder Zuhause im Wohnzimmer macht, ist ihr eigentlich immer noch egal. Aber weil ihr hiesige Branchengrössen in der Vergangenheit mehrmals attestiert haben, dass sie zwar sehr talentiert sei, ihre Musik aber für den deutschen Markt zu amerikanisch klänge, versucht sie eben 2005 ihr Glück jenseits des Atlantiks. Dort gelingt ihr ein beispielloser Coup: Alica Keys verpflichtet Zascha als Support-Act für eine ausgedehnte Tour quer durch Amerika. Mit dabei ist Shootingstar John Legend, bei jedem zweiten Auftritt stossen überdies Goldjungs wie Kayne West, Usher und Anthony Hamilton hinzu. Dieses Gipfeltreffen sorgt selbstverständlich für Furore. Verschiedene Majors wedeln mit Scheckbüchern und überdimensionierten Marketingplänen, aber die begeisterte Alicia Keys bestärkt Zascha darin, sich auch künftig nicht verbiegen zu lassen. Folgerichtig ignoriert Zascha alle unsittlichen Anträge, konzentriert sich weiterhin auf ihre Musik und findet schließlich 2006 bei Urban/Universal ein Zuhause, das ihr die nötige künstlerische Freiheit bieten kann.

Zur Zeit arbeitet Zascha an ihrem Debüt, das Anfang 2008 erscheinen wird. Als Basis dienen nicht weniger als vierzig Songs, alle aus ihrer Feder. Gemeinsam mit Londons erster Garde von Produzenten und Musikern (die bereits für Künstlerinnen wie Sugababes, Joss Stone, Amy Winehouse und Mary J. Blige gearbeitet haben) destilliert sie aus diesem riesigen Fundus ein Album, das, soviel ist schon jetzt sicher, in seiner stilistischen Breite und Tiefe sowohl in Deutschland als auch in Amerika seinesgleichen suchen wird. Und wer weiss, vielleicht müssen wir alle am Ende gar nicht mehr die Vergangenheit bemühen, wenn wir nach Künstlern suchen, die noch Künstler und kein blosser Act sind. Das hätten wir dann einer Frau zu verdanken, die eigentlich ihr Leben lang nichts anderes als nur Musik machen wollte. Nur?