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30.10.2012

ZEDD Biografie 2012

Die Wendungen, die das Leben von Anton Zaslavski in den letzten Monaten und Jahren genommen hat, lesen sich wie der klassische Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär- bzw. „From Rags To Riches“-Mythos, so schnell der Aufstieg, so überwältigend die Stationen, so massiv der Karrierestart: Vor vier Jahren lebte dieser junge Herr Zaslavski, in Russland geboren, in Kaiserslautern aufgewachsen, noch in seiner Hunderttausend-Seelen-Heimatstadt und spielte in einer „enorm geschmackssicheren“ (RockHard) Post-Hardcore-/(Fusion-)Metal-Band namens Dioramic. Er war noch ein Teenager zu jener Zeit, gerade mit der Schule fertig. Heute ist er im Vorprogramm von Lady Gaga in Asien unterwegs, kann sich vor Remix-Aufträgen kaum retten und katapultiert Singles an die Spitze der internationalen Dance-Charts.

Wobei: Sein Hauptwohnsitz ist immer noch Kaiserslautern. Nur ist er fast nie da, sondern in L.A. oder sonst wo auf Tour. Auch kennen ihn heute alle nur noch beim Anfangsbuchstaben seines Nachnamens – so stilisiert und geschrieben, wie man ihn z.B. in L.A. ausspricht: ZEDD. Diese vier Buchstaben stehen längst ganz oben auf den Plakaten der großen Festivals. Und, wie gesagt, der Charts.

Aber noch mal zurück zum A, zum Anfang: Anton war gerade mal vier Jahre alt, als seine Musiker-Eltern ihn ans Klavier setzten. Ab da wurde fleißig geübt, schließlich sollte der Sohnemann im Idealfall Karriere als Pianist machen. Während sich ZEDD seinen Hang zur Klassik bis heute bewahrt hat, wurde jedoch auch das Schlagzeug zunehmend wichtiger in seinem Leben, und ab seinem 13. Lebensjahr spielte er schließlich zusammen mit seinem Bruder in der Band Dioramic und machte Sound zwischen Metalcore, Alternative und Prog – alles außer Klassik also, aber eben auch nicht gerade Dance-Musik. Fans gab es viele und Bandwettbewerbe gewannen die Jungs aus Kaiserlaustern mit ihren „Demo des Monats“-Tracks (Visions, RockHard) auch.

Dann kam das Jahr 2009: Ende der Teenagerzeit für den im Jahr des Mauerfalls Geborenen und auch sonst Anbruch einer ganz neuen Ära, denn Anton entdeckt das Werk von Justice, was ihn dazu inspiriert, die Sache mit der elektronischen Musik, die er nebenher auch schon produziert, etwas ernster anzugehen. Seither geht alles Schlag auf Schlag: Nunmehr unter dem Namen ZEDD unterwegs, gewinnt er binnen weniger Monate gleich zwei Beatport-Remix-Contests, kontaktiert Skrillex via Myspace – und bekommt postwendend Antwort auf seine Mail. 2011 begleitete ZEDD seinen neuen Mentor dann schon auf Tour durch die Staaten und Europa und schuf sich so schnell eine wachsende Fangemeinde. ZEDDs Ansatz überzeugte auch Lady Gaga, die ihn prompt mehrere ihrer Songs remixen ließ; und siehe da: Seine Versionen von „Born This Way“ und „Marry The Night“ schafften es sogar auf die Deluxe-Edition ihres Albums „Born This Way“.

Neben etlichen weiteren Remix-Aufträgen, unter anderem für die Black Eyed Peas, Diddy – Dirty Money, Armand van Helden, Fatboy Slim und seinen Mentor Skrillex, um nur eine Auswahl zu nennen, folgten schon bald der Plattendeal mit Interscope, Auftritte bei diversen US-Festivals wie Coachella und Lollapalooza und eine große Asientour im Vorprogramm von Lady Gaga. Dann wurden aus Remix-Aufträgen sogar richtige Produktionen: Zuletzt war er an der Seite von Max Martin als Co-Produzent für Justin Biebers Track „Beauty And A Beat“ feat. Nicki Minaj verantwortlich; dazu glänzte er im Sommer 2012 z.B. auch live beim Melt! Festival.

Womit wir im Hier und Jetzt angekommen wären: Nachdem ZEDD mit der Single „Spectrum“ feat. Matthew Koma einen tanzbaren Geniestreich präsentierte, der direkt auf Platz #1 der US-Dance- und Beatport-Charts landete (und auch die gleichnamige EP in den US-amerikanischen iTunes-Dancecharts auf Anhieb die Top-10 eroberte), legt der 23-jährige Senkrechtstarter im November 2012 sein erstes Album vor: „Clarity“. Ein Album, das all seine Einflüsse vereint und die Gratwanderung zwischen verspielt und catchy wie kaum ein anderes Werk schafft. Selten klangen Synthesizer-Sounds und eingängige Pop-Hooks so ansteckend wie hier.

Mehr noch: „Clarity“ ist schon deshalb ein Ausnahmealbum, weil es eben als solches funktioniert und gedacht ist – als ein EDM-Album, dessen Tracks ineinander greifen, sich ergänzen, ein Ganzes ergeben. Mal ganz ohne Vocals („Codec“, „Stache“), dafür mit umso mehr Bassdruck, zählen auch „Lost At Sea“ feat. Ryan Tedder (OneRepublic) und „Fall Into The Sky“ feat. Ellie Goulding zu den klaren Highlights seines Debüts. Und natürlich darf auch das bereits erwähnte „Spectrum“ feat. Matthew Koma auf dem Album nicht fehlen. Zusammen mit weiteren Gästen wie LIZ, Foxes und Bright Lights kreiert ZEDD genau die Art von Electro-House-Sound, die ihm vorgeschwebt hat: „Die Melodien stehen immer im Zentrum, das auf jeden Fall“, so sein Kommentar. „Die Akkordfolge muss einfach stimmen, denn nur darauf basierend kann man Musik kreieren, die auch in ein paar Jahren noch relevant ist – auch wenn die Entwicklungen in Sachen Sound-Design dann schon wieder viel weiter sind. Gute, große, eingängige Melodien funktionieren immer. Auch in 20 oder 50 Jahren.“

„Ich liebe elektronische Musik“, sagt der 23-Jährige abschließend über sein Album, das in den USA in die Top-3 der Electro-/Dance-Albumcharts eingestiegen ist. „Nur liegen meine Wurzeln nun mal in ganz vielen Genres: Klassische Musik, Rock, Metal, sogar Jazz – insofern sind meine Tracks oft von Elementen inspiriert, die so erst mal nichts mit elektronischer Musik zu tun haben.“ Was kaum einer weiß: ZEDD genießt es auch, wenn es einfach mal still um ihn herum ist.

Keine Frage: Man kann schnell den Überblick verlieren, wenn man sich nur flüchtig mit der Vita des Radiohead-Fans befasst. Zwischen Klavierunterricht, Metal und EDM, großem Pop-Biz und seinem Wunsch nach Stille, dem unaufgeregten Kaiserslautern und dem Glitz-Faktor von L.A. liegen Welten, könnte man meinen. Das Bild wird jedoch klarer, wenn man etwas genauer hinhört. Und am besten einfach dazu tanzt.


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