Gregg Allman | News | "Southern Man“ der ersten Stunde - Neues Live-Album von Gregg Allman

Gregg Allman - 2015
07.08.2015

"Southern Man“ der ersten Stunde – Neues Live-Album von Gregg Allman

Ist das schon oder noch Rockmusik? Noch oder schon Southern Swing? Nie hat man es so ganz genau gewusst bei den Allman Brothers, sicher war einzig dies: Keine andere Band aus dem US-amerikanischen Süden hat mit ähnlicher Intensität, mit mehr Ideenreichtum und derart vielen Querverweisen musiziert. Jahrelang warteten die europäischen Fans manchmal auf angekündigte Live-Shows ihrer Helden und lasen voller Sehnsucht die Berichte jener, die dabei sein durften, beispielsweise bei einer der legendären Shows im Beacon Theatre von New York City. Doch das war spätestens 2014 zu Ende, als Bandleader Gregg Allman das Ende der Formation verkündete, und dass er selbst fortan nur noch mit seiner eigenen Band auftreten wolle.
Nun hat Allman hat ein Konzert seiner Band in Macon, Georgia, mitschneiden lassen, und zum Glück dürfen auch die Fans jenseits des großen Teiches diesmal daran teilhaben, dank einer Veröffentlichung auf gleich fünf Formaten (CD, DVD, Blu-ray, Download und Vinyl). Der ungestümen Wildheit der frühen Jahre, als die Allman Brothers mit “Live At Fillmore East” eines der besten Konzert-Alben aller Zeiten veröffentlichten, fügt ihr Gründer inzwischen subtilere Klänge und vielschichtige Atmosphären hinzu, in seinem ureigenen Genre setzt er so nach wie vor Maßstäbe.
Nicht ganz überraschender Weise liest sich die Set-List des Konzertmitschnittes wie ein Allman-Best-Of, und ist es auch in der Tat, vor ein paar Überraschungen aber ist der Hörer deshalb noch lange nicht sicher. Weil sich die Allman Brothers, so wie The Grateful Dead und Jahre später Phish oder Gov’t Mule, stets als “Jam Band” verstanden, deren Konzerte so leicht vorherzusagen waren wie das Wetter in drei Wochen, changieren etwa die Songlängen in einem heute kaum noch vorstellbaren Rahmen. Das wunderbare “Hot ’Lanta” lehnt sich noch an das Jahr 1970 an, der “Midnight Rider” sitzt heute doppelt so lange auf seinem Gaul wie vor 45 Jahren, während “Whipping Post” nicht mehr 23, sondern nur noch knapp sechs Minuten dauert. Und “One Way Out” ist dann wiederum doppelt so lang wie noch 1970 – allerdings inklusive Schlagzeug-Solo.
Bei einem aber bleibt es bis heute: Jede Band, deren Vorsitzender Gregg Allman heißt, steht dem Groove & Soul der schwarzen Südstaaten näher als jede andere weiße Formation. Zudem räumt Allman heute dem Saxophon und den Keyboards größeren Freiraum ein und lässt dafür ein ums andere Mal die Gitarre in den Hintergrund treten. Und in seine Balladen, die früher oft der Band Erholung und dem Fan Gelegenheit zum Toilettengang zu bieten schienen, hat Allman sich auf seine alten Tage offenbar ganz neu verliebt. Beim gut sechsminütigen “Melissa” jedenfalls glaubt man zu hören, dass mindestens in jeder zweiten Hand ein Feuerzeug zu Brandwunden geführt haben muss. Holy Ghost!
Mehr von Gregg Allman